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Innig und flinkfingrig virtuos

Debussy, Poulenc und Chopin waren beim französischen Pianisten Bertrand Chamayou und der argentinischen Cellistin Sol Gabetta (französische Wurzeln) bestens aufgehoben.

Cellistin Sol Gabetta und Pianist Bertrand Chamayou spielten französische Komponisten in der Kirche Saanen.
Cellistin Sol Gabetta und Pianist Bertrand Chamayou spielten französische Komponisten in der Kirche Saanen.
zvg/Raphael Faux

Am Gala-Kammermusikfest in der ausverkauften Kirche Saanen stand deutlich hörbar das Motto des Menuhin Festival «Musikstadt Paris» im Zentrum. Lichterfüllt, mit erlesenem Geschmack und französischer Kultur: Davon zeugten die Interpreten und die auserlesenen Sonaten für Cello und Klavier. Die von russisch-französischen Eltern stammende Argentinierin Sol Gabetta – im Farbton ihrer Bluse passend zum Cello gekleidet und mit strahlendem Gesicht – und der französische Pianist Bertrand Chamayou, Artist-in-Residence 2019, sorgten für einen schmeichelnden und feurig-witzigen Abend.

Gefühlvoll musiziert

Schöpferische Vielfalt und Klangeffekte zeigten sich bereits in Claude Debussys Cellosonate CD 144. Gefühlvoll musizierte das Duo. Voluminöse Pizzicati ergänzte die Cellistin mit virtuosen Strichen. Rhythmisch untermalte Klavierklänge überzeugten ebenso wie traumwandlerische Wechsel von tiefen Cello- bis zu Flageoletttönen. Einen Ohrenschmaus bildete das perfekte Zusammenspiel in tänzerisch-aufgeweckter Manier.

Erfrischend und verspielt wirkte der humorvolle Francis Poulenc in einer stimmungsvollen Sonate. Sichtlich verspielt zu Beginn, lyrisch wechselnd und temperamentvoll brachte Sol Gabetta mit brillanter Technik ihren warmen Ton des Cellos zum Klingen. Seidenweich und rhythmisch klar musizierte ihr ebenbürtiger Partner am Flügel. Innig strömender, lyrisch schwebender, leicht gedämpfter Cellogesang entzückte in der Cavatine. Ein Schmunzeln ging beim witzigen Schluss des vierten Satzes durch die Reihen. Anpackend und zugleich lupenrein, flinkfingrig virtuos in der Griff- und Bogentechnik folgte der kontrastierende Finalsatz. Die Cellistin warf im wörtlichen Sinn den Ball Bertrand Chamayou am Flügel zu. Einfühlsam antwortete er motivisch der Cellistin.

Hingebungsvolle Künstlerin

Geprägt von den Pariser Salons, schrieb Frédéric Chopin seine Cellosonate, die dem Virtuosen Auguste-Joseph Franchomme gewidmet ist. Nach Klaviereinleitung setzte die Cellistin mit ihrem Instrument fast sprechend ein. Leichtfüssig untermalte der Pianist mit bewegten Figuren am Flügel. Genussvoll und überzeugend wirkten lupenreine Fingerwechsel, Flageolett, Doppelgriffe, wohltuende Vibrati und Glissandi. Das Duo spielte sich mit agogischen Feinheiten in die Herzen der Zuhörenden. Unverwechselbar schön und dynamisch ausgeglichen harmonierte es zusammen. Die Künstler konnten sich gegenseitig aufeinander verlassen. Den kaum endenden Applaus und Standing Ovations quittierten die Künstler mit Zugaben aus Manuel de Fallas «Suite populaire espagnole» im Wiegenlied «Nana» und temperament- schwungvollen «Polo». Sol Gabetta bewies sich einmal mehr als eine publikumsnahe, hingebungsvolle Künstlerin, die auf ihren Saiten «alle Register» zog.

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