Saanen

Im Zeichen der vier Jahreszeiten

SaanenGleich dreimal vier Jahreszeiten am selben Wochenende: Die Konzerttrilogie des Menuhin Festivals Gstaad zur Saisoneröffnung war einzigartig.

Stargeiger Daniel Hope führte sein Publikum mit Richters Jahreszeitenremix auf neue Pfade.

Stargeiger Daniel Hope führte sein Publikum mit Richters Jahreszeitenremix auf neue Pfade. Bild: PD/Raphael Faux

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Drei Konzerte unter den Titeln «Seasons Recomposed I, II und III» bildeten am Eröffnungswochenende des diesjährigen Menuhin Festivals eine thematische Trilogie. Dabei kam das beliebte Œuvre von Antonio Vivaldi, «Le quattro stagioni», gleich zweimal zum Einsatz.

Am Freitag wurde es von Stargeiger Daniel Hope und seinem Zürcher Kammerorchester gleich in zweifacher Ausführung zelebriert. Neben dem Originalwerk erklang auch die Fassung des deutsch-britischen Komponisten Max Richter (1966). Mit seiner Kreation realisierte er einen vehementen Protest gegen das Verkommen eines seiner geliebtesten Werke zu totgedudelter Kaufhausmusik.

«Mit den Ohren eines DJ», so Intendant Christoph Müller, schuf der Komponist für Daniel Hope ein ansprechendes Werk mit vielen Originalphrasen, aber auch komplett umgestalteten Abschnitten, voller Respekt dem Original gegenüber und in der lauteren Absicht, den Geist des Letzteren zu bewahren. «Die Konzertbesucher sind sehr gut darauf eingestiegen», bekräftigte Müller. Mit diesem ersten Abend ist er sowieso sehr zufrieden, die Kirche sei voll und die Stimmung hervorragend gewesen.

Haydns musikalisches Juwel

Zwischen den fulminanten Eröffnungsabend und das letzte Konzert der Trilogie am Sonntag, in welchem Andrés Gabetta mit seiner Cappella auf historischen Instrumenten und um ein Bandoneon bereichert Vivaldis Jahreszeiten denjenigen aus der ­Feder Astor Piazzollas gegenüberstellte, haben die Verantwortlichen ein zu Unrecht wenig gehörtes musikalisches Juwel gepackt: Joseph Haydns letztes grosses Werk, das knapp dreistündige Oratorium «Die Jahreszeiten» für Soli, Chor und Orchester.

Lange Zeit wurde das Werk verkannt, was vor allem an der schlechten Übersetzung der originalen englischen Textgrundlage ins Deutsche lag. Um also Haydn und dem Versepos «The Seasons» des Schotten James Thomson nach eigener Aussage «endlich Gerechtigkeit widerfahren zu lassen», ­machte sich der Dirigent der ­Gabrieli Consort & Players, Paul McCreesh, an die anspruchsvolle Aufgabe einer englischen Neufassung.

Paul McCreesh hielt am Dirigierpult die Fäden zusammen, während Carolyn Sampson, Jeremy Ovenden und Ashley Riches (v.l.) mit den ­Gabrieli Consort & Players aus London Gewal­tiges boten. Bild: Ursina Humm

Und was da am Samstag in der gut besuchten Kirche als Schweizer Erstaufführung erklang, überzeugte. Mehr noch: Es war atemberaubend gut. Das Werk eines Meisters, der darin die gesamte perfekt beherrschte Ausdrucksskala ausbreitet, von der kleinsten Eisblume bis zum Sonnenuntergang, vom fröhlichen Landmann bis zum donnernden Sommergewitter, drei top Gesangssolisten, ein traumhaftes Orchester und ein Chor, der keine Wünsche mehr offenlässt.

Und dann das Ganze in der Originalsprache, was dem Hörenden das Gefühl vermittelte, endlich zu Hause angekommen zu sein. Nimmt man noch die absolute Hingabe jedes Einzelnen, die hohe Präzision und die bewegende Strahlkraft eines jeden Tones dazu, so verwundert es gar nicht, dass der Schlussakkord die Konzertbesucher aus ihren Stühlen hob und in Jubel ausbrechen liess. (Berner Oberländer)

Erstellt: 16.07.2018, 06:30 Uhr

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