Holz, Herz und Hingabe

Brienz

Das Schweizer Holzbildhauerei-Museum in Brienz feiert sein zehnjähriges Bestehen. Viel zu dessen Aufbau beigetragen hat Martin Mätzener. Nun ist er aus dem Stiftungsrat zurückgetreten.

Martin Mätzener mit einer von Albert Huggler-Flück Ende des 19. Jahrhunderts geschnitzten Gämse.

Martin Mätzener mit einer von Albert Huggler-Flück Ende des 19. Jahrhunderts geschnitzten Gämse.

(Bild: Andreas Staeger)

«Tradition und Moderne»: So hiess die Ausstellung zur Eröffnung des Museums für Holzbildhauerei in Brienz am 20. Juni 2009. Der Titel steht zugleich als Motto für das Spannungsfeld, in dem sich die Brienzer Holzschnitzerei seit ihren Anfängen vor rund zweihundert Jahren bewegt. Ein ausgewiesener Kenner dieses Kulturguts, seiner Blütezeiten und seiner Phasen des Niedergangs ist Martin Mätzener. Ihn fasziniert die Entwicklung des «Schnätzens» von der Volkskunst einerseits zur touristisch orientierten Souvenirindustrie andererseits, zu einem Kunstzweig von hohem Niveau.

Der gebürtige Brienzer kann auf eine jahrzehntelange erfolgreiche Berufslaufbahn bei der Migros zurückblicken; zuletzt war er Personalleiter einer Regionalgenossenschaft. Nach seiner Pensionierung kehrte er in die Heimat zurück und begann sich bei der Stiftung für Holzbildhauerei zu engagieren. Die Institution war 1990 gegründet worden, um die Entwicklung der Holzbildhauerei durch das Zusammentragen und Ausstellen charakteristischer Werke zu dokumentieren.

Steiniger Weg

Nach dreizehn Jahren zieht sich Mätzener jetzt von diesem Engagement zurück: An der diesjährigen Stiftungsratssitzung im Mai wurde er durch den Stiftungspräsidenten Toni Reisacher unter Verdankung seiner grossen geleisteten Dienste verabschiedet. Seinen Rücktritt begründet er damit, dass die Pionierära nun abgeschlossen sei.

Der Weg zum Holzbildhauerei-Museum war steinig. Martin Mätzener erinnert sich, dass die Stiftung ursprünglich voller Euphorie ein eigenes Gebäude auf der Pfrundmatte bei der Kirche errichten wollte. Man verhandelte mit Sponsoren, Lotteriefonds und mit dem Kanton, von dem man den Löwenanteil der Finanzierung erwartete.

Bei Kaffee und Gipfeli erklärte Baudirektorin Barbara Egger den in corpore nach Bern gereisten Stiftungsräten schonungsvoll, dass es nicht Aufgabe des Kantons sein könne, den Bau eines privaten Museums mitzufinanzieren. In der Folge versuchte die Stiftung bei anderen Institutionen Unterschlupf zu finden, doch weder an der Schule für Holzbildhauerei oder im Freilichtmuseum Ballenberg noch anderswo zeichneten sich gangbare Lösungen ab.

Bedeutende Kulturinstitution

2007 konnte immerhin in der Burgergalerie Brienz eine erste Ausstellung eröffnet und dadurch der Öffentlichkeit Einblick in die Sammlung gegeben werden. Das war der Initialzünder, der schliesslich zur Partnerschaft mit der Firma Ed. Jobin AG führte. Deren einstiges Fabrikationsgebäude liegt mitten im Dorf. Dort konnte die Stiftung für Holzbildhauerei endlich ein eigenes Museum einrichten. Seit 2017 ist auch ihre finanzielle Basis gesichert: Von der Regionalkonferenz Oberland-Ost wird sie als Kulturinstitution von regionaler Bedeutung eingestuft und erhält Beiträge von Kanton und Gemeinden.

Er sei ein Sammler, bekennt Mätzener. Sein besonderes Interesse gilt Gemälden und Skulpturen, die einen Bezug zur Region Brienz haben. In der Holzbildhauerei-Stiftung konnte er nicht nur diese Leidenschaft einbringen, sondern auch seinen praktischen Sinn für organisatorische Fragen und für die Entwicklung von Strukturen – also Kompetenzen, die beim Aufbau des Museums und der Sammlungsbestände gefragt waren.

Das Vermächtnis des Pioniers

Acht verschiedene Themenausstellungen wurden im Museum für Holzbildhauerei in Brienz seit der Eröffnung gezeigt. Bei jeder davon hat Martin Mätzener hinter den Kulissen viel Arbeit geleistet, indem er Leihgaben organisierte und mit Sponsoren verhandelte. Die letzte dieser von ihm mitverantworteten Ausstellungen war die letztjährige Schau zur Schnitzlerdynastie Huggler. Sie spannte einen weiten Bogen vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart und war damit sozusagen eine Art Vermächtnis des nun abtretenden Museumsvorkämpfers.

Berner Oberländer

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