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Gstaader Festival lehnt umstrittene Spende ab

Das Menuhin Festival verzichtet auf Geld von Theresa Sackler, deren Familie für die Opiod-Krise mitverantwortlich gemacht wird. Noch 2019 sahen die Leiter keinen Grund dazu.

Skelett aus Pillendosen: Aktivisten bauten es in Boston bei einem Prozess gegen Purdue auf.
Skelett aus Pillendosen: Aktivisten bauten es in Boston bei einem Prozess gegen Purdue auf.
Keystone

Das Gstaad Menuhin Festival verzichtet bis auf weiteres auf private Spenden von Mäzenin Theresa Sackler. Der Sackler-Familie gehört der US-Pharmakonzern Purdue, der im Zentrum der sogenannten Opioid-Krise steht.

Festivalpräsident Aldo Kropf bestätigte gemäss am Sonntag auf Anfrage der Agentur SDA einen Bericht der «NZZ am Sonntag», wonach das Klassikfestival im Berner Oberland bis auf weiteres keine finanziellen Beiträge mehr von Sackler annimmt.

Der Verwaltungsrat entschied dies Ende Dezember. «Wir haben eine Güterabwägung vorgenommen und sind zum Schluss gekommen, dass dem Festival ein Imageschaden drohen könnte, wenn wir bei der bisherigen Praxis bleiben.» So wird Hans-Ueli Tschanz, Mitglied des Verwaltungsrats und Präsident des Fundraising-Ausschusses, in der «NZZ am Sonntag» zitiert.

Laut Zeitungsbericht lag die Spende Sacklers bisher bei 25000 Franken pro Jahr – bei einem Gesamtbudget von 7,3 Millionen Franken, wovon 4 Millionen durch Sponsoring zusammenkommen. «Bei der Zuwendung von Theresa Sackler handelt es sich um einen Betrag von 25000 Franken, der im Verhältnis zum Gesamtbudget marginal ausfällt und kompensiert werden kann.» Das teilt Lukas Wittermann, Geschäftsführer und Executive Director des Festivals mit.

«Die Gstaad Menuhin Festival & Academy AG steht finanziell auf stabilen Beinen und sieht sich durch den Ausfall des Betrages finanziell nicht gefährdet», sagt er weiter. Der Beitrag war laut Miteilung eine private Zuwendung von Theresa Sackler – er kam nicht aus der Sackler Stiftung. «Einen zusätzlichen Beitrag aus der Sackler Stiftung oder anderen mit der Familie Sackler zusammenhängenden Stiftungen gab es nicht.»

Opioid-Missbrauch

Theresa Sackler, die zeitweise in Gstaad lebt, ist die dritte Ehefrau des 2010 in Gstaad verstorbenen Mortimer Sackler, der zusammen mit seinem Bruder Raymond das Pharmaunternehmen Purdue geführt hatte.

In den USA sind nach Behördenangaben zwischen 1999 und 2017 fast 400'000 Menschen an den Folgen von Opioid-Missbrauch gestorben. Purdue – das letzten September Gläubigerschutz beantragt hatte – sieht sich in den USA mit mehr als 2000 Klagen von Städten, Bezirken und Staaten konfrontiert.

Sie werfen dem Unternehmen vor, die Opioid-Krise befeuert zu haben. Der Oxycontin-Hersteller und andere Firmen sollen in aggressiven Marketingkampagnen die Risiken süchtig machender Schmerzmittel bei längerem Gebrauch verharmlost haben. Purdue und die Eigentümerfamilie Sackler weisen dies zurück.

Auch andere verzichten

Inzwischen verzichten weltweit Kulturinstitutionen nach Protesten auf Zuwendungen der Sacklers. So hat etwa der Pariser Louvre die Tafeln mit dem Namen der umstrittenen Familie entfernt.

(SDA)

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