Zum Hauptinhalt springen

Für einige ist die Aufwertung eine Abwertung

Am westlichen Ende von Spiez verlandete über Jahrzehnte ein namenloses Bächlein. Das sogenannte Hangfussgerinne ist nun vom Uferschutzverband Thuner- und Brienzersee zusammen mit der Gemeinde und der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva ökologisch aufgewertet worden. Nicht zur Freude aller.

Vorher: Völlig verlandetes Hangfussgerinne.
Vorher: Völlig verlandetes Hangfussgerinne.
Jürg Spielmann/zvg
Nachher: Das neue, alte Gewässer nach dem Eingriff.
Nachher: Das neue, alte Gewässer nach dem Eingriff.
Jürg Spielmann/zvg
Ursprung: Anfang 20.?Jahrhundert als 3 Meter breiter Kanal.
Ursprung: Anfang 20.?Jahrhundert als 3 Meter breiter Kanal.
Jürg Spielmann/zvg
1 / 3

Vorher habe es Schilf gegeben, nun sei es «nur noch eine Kloake»: Eine Anwohnerin der Spiezstrasse im Gwatt wählt deutliche Worte. Eine Nachbarin, die ihren Namen auch nicht in der Zeitung lesen möchte, ergänzt, was einige Anwohnende stört: «Das Bächlein hatte einst eine leichte Strömung, nun ist es ein gestautes stehendes Gewässer.»

Wenn es nicht regne und einige Tage warm sei, bilde sich auf dem Wasser eine grüne Schicht. «Die zieht ‹Viecher› an.» Letzten Sommer habe darum eine wahre Mückenplage geherrscht. Einige Anwohner erlebten dies wie geschildert, andere nicht. Die Meinungen im Quartier seien geteilt, findet eine Frau. Ihr gefalle das verbreiterte Bächlein eigentlich ganz gut. Die Häuser, sprich deren Sitzplätze, liegen teils recht nahe am Gewässer.

Von Menschenhand gemacht

Das Besagte ist rund 300 Meter lang und im Besitz der Kiestag Kieswerke Steinigand AG. Es hat keinen offiziellen Namen, wird vom Hangwasser des SträttligHügels gespiesen und mündet in der Nähe des Naturschutzgebietes Gwattlischenmoos beim Deltapark in den Bootskanal. Erbaut muss es von Menschenhand worden sein: Auf einem Foto von Anfang des 20. Jahrhunderts ist es als rund drei Meter breiter Kanal zu erkennen. Der wird von Bäumen gesäumt und verläuft parallel zur Spiezstrasse.

Wie der Uferschutzverband Thuner- und Brienzersee (UTB) per Communiqué informiert, ist das Hangfussgerinne ökologisch aufgewertet worden – das bereits ab Winter 2015/2016. Demnächst wird es eingeweiht. Vor der Massnahme war das Gewässer durch das Ufergehölz vollständig eingewachsen und die Gewässersohle durch Ablagerungen von Laub, Ästen und Feinsedimenten verlandet.

Entsprechend habe es nach Fäulnis gerochen. «Ziel der umfangreichen Aufwertung war, das Hangfussgerinne freizulegen und erlebbar zu machen. Mit einer geeigneten Pflege wird sichergestellt, dass die neu entstandenen Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten bleiben.» So ist es auf einer Infotafel vor Ort im Gwatt zu lesen.

140'000 Franken investiert

Eine Machbarkeitsstudie zeigte auf, dass eine ökologische Aufwertung realistisch sei. Der UTB übernahm darauf die Trägerschaft des Projektes. Mit Beiträgen des Ökofonds Energie Thun (55'845 Franken), des Renaturierungsfonds des Kantons Bern (50'000), der Stotzer-Kästli-Stiftung (20'000) und der Gemeinde Spiez (14'809) plante das Thuner Büro Impuls AG die Aufwertung und begleitete die Umsetzung.

Aqua Viva unterstützte das Vorhaben bei der Suche nach Sponsoren. «Weil die Gewässerschutzorganisation Umweltbildung für Schulklassen mit Solarboot und dem Erforschen des Hangfussgerinnes in Bezug auf Wasserlebewesen anbietet, begrüssten sie die Aufwertung und eine bessere Zugänglichkeit ans Wasser sehr», schreibt der UTB.

Nach «gezieltem Ausholzen» sind die Baggerarbeiten durchgeführt worden. Wie sich eine Anwohnerin erinnert, sei das recht üppig erfolgt. Das habe im Quartier für Unruhe und Befürchtungen gesorgt, zumal der Bereich entlang des Gewässers durch die neue Strassenführung vom Deltapark her bereits neu belastet war.

Nicht nur Kritik

Weil tiefgründiges Feinsediment die Arbeiten laut Uferschutzverband erschwerte, wurde im Bereich, wo die Umweltbildung stattfindet, Flusskies eingebaut. «Das Ufer ist dort nun wieder zugänglich und sogar mit einem Betontisch und Sitzgelegenheiten versehen.» Dort könnten die ­wirbellosen Wassertiere nun bequem, zum Beispiel mit einem ­Binokular, untersucht werden.

Während einige Anwohner den Sinn der Aufwertungsaktion infrage stellen, diese für sich eher als Abwertung sehen und finden, da sei viel Geld für wenig verbuttert worden, relativiert eine Anrainerin: «Letztes Jahr war es ein heftig diskutiertes Thema – heute ist es keines mehr, da sich die Natur so rasch erholt. Die Büsche und Sträucher sind schon wieder nachgewachsen. Die Zuständigen versprachen, dass sie zum Gewässer schauen wollen. Hoffentlich machen sie es auch.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch