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Freisprüche für SBB-Kontrolleure

Mangels Beweisen sprach das Regionalgericht Thun drei SBB-Kontrolleure von der Anschuldigung des Raufhandels frei.

Der Einzelrichter sprach die Kontrolleure von der Anschuldigung des Raufhandels frei.
Der Einzelrichter sprach die Kontrolleure von der Anschuldigung des Raufhandels frei.
Keystone

Der Vorfall soll sich im Sommer des letzten Jahres auf dem Bahnhof Spiez nach einer nächtlichen Billettkontrolle ereignet haben. Zwei Zugbegleiter der SBB hatten zwei Reisende ohne gültige Fahrausweise festgestellt. Nach verbalen Streitereien soll es auf dem Perron zu einem Gerangel mit insgesamt vier Personen gekommen sein.

Durch die gegenseitigen Schläge und Tritte habe einer der Kontrolleure Schürfungen oberhalb des Auges davongetragen. Ein Schwarzfahrer zog sich bei einem Sturz einen Bluterguss mit Gefühlsstörung hinter der Schläfe, einen Bluterguss sowie eine Schwellung im Mund rechts zu.

Dieser avisierte die Polizei, und die Justizmaschinerie kam in Gang. Darauf erhielten die zwei Reisenden und die beiden Zugbegleiter Strafbefehle von der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland. Sie wurden wegen Raufhandels für schuldig erklärt und mit Geldstrafen und/oder Bussen bestraft.

Die zu bezahlenden Beträge bewegten sich zwischen 1100 und 1520 Franken. Während ein Beschuldigter den Strafbefehl anerkannt hat, erhoben die drei anderen Einsprache. Deshalb kam es gestern zur Hauptverhandlung am Regionalgericht Oberland in Thun.

«Einer der Kontrolleure hat mir den Swiss Pass abgenommen, was meine Weiterreise verhindert hätte», gab der beschuldigte Reisende bei der Befragung durch den Gerichtspräsidenten zu Protokoll. Beim anschliessenden Gerangel auf dem Perron sei er gestürzt, wobei er sich verletzt habe.

«Weder ich noch mein Kollege sind tätlich geworden», sagte einer der Kontrolleure. Im Gegensatz dazu habe der Reisende offenbar aus Wut über die Wegnahme des Swiss Pass den Kollegen angegriffen. Er habe das Gefühl gehabt, der Angreifer sei wegen der starken Alkoholisierung ausser sich gewesen. In einigen Punkten wichen die Aussagen der Kontrolleure jedoch voneinander ab.

«In dubio pro reo»

Beide Kontrolleure wurden durch eine Anwältin beziehungsweise einen Anwalt verteidigt. «Da weder Videoaufnahmen noch Zeugenaussagen vorhanden sind, kann der wahre Sachverhalt nicht mehr eindeutig nachgestellt werden», sagte etwa die Anwältin. Die Aussagen der Beteiligten seien widersprüchlich.

Deshalb müsse der Rechtsgrundsatz «In dubio pro reo» («im Zweifel für den Angeklagten») angewandt werden. In die gleiche Kerbe hieb der Anwalt, welcher zudem den Anklagegrundsatz verletzt sah. Sie taxierten das Verhalten der Kontrolleure als blosse Abwehrhandlung. Beide beantragten Freisprüche und Entschädigungen für ihre Mandanten.

Der Einzelrichter sprach alle drei Beschuldigten von der Anschuldigung des Raufhandels frei. Die beiden Kontrolleure erhalten Entschädigungen für ihre Anwaltskosten. Die Verfahrenskosten werden dem Kanton auferlegt. Im Gegensatz dazu hat der Schwarzfahrer die Verfahrenskosten von 900 Franken zu tragen. Die zwei Zivilklagen wurden auf den Zivilweg verwiesen.

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