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Frauenverein lebt nur noch im Buch

Ein Buch würdigt die Arbeit des Speizer Frauenvereins, der sich 110 Jahre lang für Frauen, Familien und die Gemeinde engagiert hatte und letztes Jahr aufgelöst wurde.

Sie schrieben ein Buch über die Geschichte des Frauenvereins Spiez (v.l.): Gerlinde Michel, Christine Flück und Monika Lanz.
Sie schrieben ein Buch über die Geschichte des Frauenvereins Spiez (v.l.): Gerlinde Michel, Christine Flück und Monika Lanz.
Margrit Kunz

Am 17. Januar wäre der Gemeinnützige Frauenverein Spiez 110 Jahre alt geworden. Ende April 2018 hat er sich ohne grosses Echo aufgelöst. Doch da hatte Monika Lanz schon begonnen, sich im Archiv umzusehen als Vorbereitung auf das Jubiläum.

Sie fand spannende Geschichten und spürte gleichzeitig, dass der Gemeinnützige Frauenverein einen würdigen Abschied verdient hätte.

Verschiedene Blickwinkel

Sie wollte etwas festhalten von den Erfahrungen, den Projekten, den Emotionen. Als sie Christine Flück und Gerlinde Michel für ihre Idee gewinnen konnte, war ein Anfang gemacht, und innert eines Jahres schafften die drei Frauen ein spannendes Buch, das die Geschichte des Vereins aus verschiedenen Blickwinkeln nachzeichnet. An der Vernissage vom Mittwochabend wurde das knapp 60 Seiten umfassende Buch den ehemaligen Vereinsmitgliedern vorgestellt.

Auch Gespräche geführt

Die drei Autorinnen stiegen aber nicht nur ins Archiv, sie liessen auch fünf Frauen erzählen, wie sie ihr Engagement im Frauenverein erlebt haben. Keine wollte diese Erfahrungen missen, jede hat bei ihren Einsätzen auch etwas gelernt, und nicht alles war immer positiv. Die Geschichten geben ganz unterschiedliche Tätigkeiten in verschiedenen Epochen des Frauenvereins wieder und sind spannend zu lesen. So werden auch die Veränderungen in der freiwilligen Arbeit beschrieben. War es früher eine Ehre, im Vorstand mitzuarbeiten und als Freiwillige «allzeit bereit» zu sein, so fragten später die Frauen nach einem Lohn für ihr Engagement.

In weiteren Kapiteln kann nachgelesen werden, welche grossen Projekte der Frauenverein realisiert hat. Als Erstes richtete man eine/n Kleinkinderschule/Kindergarten ein, das war kurz nach der Gründung ein grosses Anliegen der Frauen. Später folgte der Aufbau einer Brockenstube. Deren Geschichte ist gekennzeichnet durch Umzüge und zu wenig oder zu viel Ware, die verkauft werden konnte.

Alterswohnungen gebaut

Ein weiteres Kapitel beschreibt, wie und warum es dem Frauenverein gelang, Alterswohnungen zu bauen, damit die Betagten aus Spiez nicht mehr in der Bärau oder in Utzigen untergebracht werden mussten. Die Idee kam bereits 1962 auf. Dank grosszügiger Spenden konnte 2002 das erste Lina-Schaeren-Haus eingeweiht werden. Auch Zahlenmaterial wurde im Buch aufbereitet, so Listen mit ehemaligen Vorstandsmitgliedern, wann zum Beispiel die Börse kam und wie lange diese Bestand hatte.

Nicht alles, was der Verein im Lauf der Zeit begann, wurde bis zur Auflösung weitergeführt. Zum Beispiel übernahm die Gemeinde später den Kindergarten. Die drei Autorinnen sind sich bewusst, dass ihre Publikation keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, zu umfangreich war das vorhandene Material. Trotzdem gibt die Schrift einen authentischen Einblick in das Wesen und Wirken des Gemeinnützigen Frauenvereins Spiez und seine unzähligen Helferinnen, die anpackten, wo sie eine Notlage sahen.

«Es waren mutige, beharrliche und zunehmend selbstbewusst werdende Frauen, die über all die Jahre hinweg vieles auf die Beine gestellt haben», schreiben die Autorinnen in ihrem Vorwort, und Gerlinde Michel ergänzt: «Wir schrieben die Geschichte des Frauenvereins Spiez, die gleichzeitig auch die Frauengeschichte in der Schweiz widerspiegelt, wie wir bei der Arbeit am Buch gemerkt haben.»

Das Buch «Frauen*Spiez» kann ab sofort bei der Buchhandlung Bücherperron an der Oberländerstrasse in Spiez für 28 Franken gekauft werden.

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