Zum Hauptinhalt springen

Ein Roman als Zeitzeugnis

Hobbyautor Roland Seiler stellte im City Hotel Oberland seinen neuen Roman «Endstation Marseille» vor, der in Südfrankreich und Spanien spielt.

Autor Roland Seiler mit seinem dritten Buch «Endstation Marseille» an der Vernissage im City Hotel Oberland, Interlaken.
Autor Roland Seiler mit seinem dritten Buch «Endstation Marseille» an der Vernissage im City Hotel Oberland, Interlaken.
Monika Hartig

«Ein Bericht über die Gedenkstätte Rivesaltes in der Zeitung ‹La Provence› lieferte mir 2015 die zündende Idee zum Roman ‹Endstation Marseille›», sagte Roland Seiler (73) bei der Buchvorstellung.

Der Interlakner besuchte das ehemalige Kriegsgefangenenlager in der Provence, spann aus seinen Eindrücken und Kenntnissen eine fesselnde Geschichte und stellte sein Werk am Mittwoch vor.

Eingeladen ins City Hotel Oberland hatte die ­Bödeli-Bibliothek. Peter Boss begrüsste die zahlreichen Gäste, Joseph Emmenegger sang berndeutsche Chansons mit Gitarrenbegleitung.

Ein Frauenschicksal

In «Endstation Marseille» lernt Robert Schneider, ein kantonaler Beamter im Ruhestand, in der Provence eine alte Frau kennen. Diese hat einen Teil ihres Lebens im Internierungslager Rivesaltes verbracht und dort Schreckliches erlebt.

Das Lager beherbergte nacheinander Republikaner, internationale Brigadisten, Juden, Sinti, Roma, deutsche Kriegsgefangene und Algerier. In Marseille rechnet die Frau Schritt für Schritt auf raffinierte Art und Weise mit ihren einstigen Peinigern ab. Der Roman wechselt zwischen drei verschiedenen Zeitebenen und führt dem Leser eindrücklich die Schattenseiten der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts vor Augen.

Ab 1942 war Rivesaltes Hauptquartier der deutschen Wehrmacht. «Diese Gedenkstätte wollte ich unbedingt sehen», so Roland Seiler. Er verbrachte dort viel Zeit vor den 150 Laufmeter langen Vitrinen. Unzählige amtliche Dokumente sowie Fotos, Texte, Zeichnungen und Gegenstände von Gefangenen erzählen von vierzig Jahren Internierung.

Seiler las vor: «Tief erschüttert haben mich die tagebuchähnlichen Notizen von Gefangenen. Über das elende Dasein, den täglichen Kampf zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Schlafen, Hygiene und Sexualität. Sehr berührend waren auch die Kinderzeichnungen.»

Fundstücke im Internet

Was Roland Seiler über Spaniens Bürgerkrieg unter Diktator Franco und den Kampf der internationalen Brigaden gelesen hat, fliesst in den Roman ein. Seiler: «Die Personen im Buch habe ich erfunden, etwa die Liaison zwischen den Brigadisten Olga Schmidt aus Berlin und dem Schweizer Werner Baumgartner.»

Doch Örtlichkeiten wie die Lenin-Schule in Moskau habe es wirklich gegeben. Seiler: «Barcelona war die letzte Bastion der Brigadisten, sie mussten flüchten. Frankreich hat die zehntausend in harten Lagern interniert.» Zahlreiche Informationen zum Thema fand der Autor, der in Interlaken und in Cucuron (Provence) lebt, im Internet.

Seiler: «Ich gehe jeden Morgen eine Stunde spazieren, sammle dabei Ideen und schreibe am Nachmittag. Meine erste Kritikerin ist meine Frau Irène.» Nach der Buchvorstellung lud Roland Seiler sein Publikum zum Apéro ein, um auf das neue Buch anzu­stossen.

«Endstation Marseille», Roland Seiler, 201 Seiten, Books on Demand, Norderstedt, ISBN 978-3-7528-2984-6.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch