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Ein Prosit auf die alten Gondeln

Das letzte Vierergondeli der Gondelbahn Grindelwald–Männlichen fuhr am Sonntag in die Talstation.

Der letzte Einsatz der goldenen VIP-Gondel: Verwaltungsrats Präsident Andreas Kaufmann (links) und Geschäftsführer Daniel Zihlmann steigen in der Talstation aus. Fotos: Anne-Marie Günter
Der letzte Einsatz der goldenen VIP-Gondel: Verwaltungsrats Präsident Andreas Kaufmann (links) und Geschäftsführer Daniel Zihlmann steigen in der Talstation aus. Fotos: Anne-Marie Günter

1978 war sie top, die Gondelbahn Grindelwald–Männlichen (GGM), ein Produkt der Firma Von Roll Habegger AG mit Sitz in Thun. Die Türen der Vierergondeln schlossen automatisch, alle 12 Sekunden konnten vier Personen auf den Männlichen geschickt werden, die Strecke von 6,3 Kilometern war Weltrekord. Heute ruckeln die 230 Gondeln, lärmen und brauchen lange 30 Minuten auf den Berg.

Man steigt gebückt über eine Stufe ein und aus. Trotzdem: Sie sind bereits Kult, bei Kinderkrippen, Altersheimen, in Gärten, für Fondue-Partys und Sauna. Die Nachfrage war viel grösser als das Angebot. Am 3. April kommen die Käufer mit Fahrzeugen, um ihre 190 Kilo schweren Gondeln abzuholen, bis dahin werden sie nach Nummern sortiert. Die GGM stellt Kran und Hubstapler für den Abtransport bereit. Gekostet haben sie 943 Franken. So viele Meter über Meer liegt die Talstation.

Dort ist aktuell eine Riesenbaustelle, auf der mit Hochdruck gearbeitet wird. Es entsteht der Grindelwald-Terminal, und der Vergleich mit einem Flugplatzterminal ist gar nicht so abwegig. Helle Hallen, eine Reihe Geschäfte, Platz für Gepäckaufbewahrung, wobei dies vorwiegend Ski sein werden.

In eine neue Zukunft: GGM Gondeln warten in der Talstation bereits auf ihre Käufer.
In eine neue Zukunft: GGM Gondeln warten in der Talstation bereits auf ihre Käufer.

Fahrzeit: 19 Minuten

Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler stellte am Sonntag den Terminal vor, den GGM-Geschäftsführer Daniel Zihlmann leiten wird. Kessler freute sich sichtlich, dass das 470-Millionen-Projekt V-Bahn aktuell top unterwegs ist und dass der Eigerexpress, der ein Jahr später eröffnet werden wird, eine speziell designte Kabine haben wird.

Am 14. Dezember 2019 soll die neue Gondelbahn fahren und die BOB-Haltestelle im Terminal betriebsbereit sein. Fahrzeit 19 Minuten, 1800 Passagiere in der Stunde, komfortable anthrazitfarbene Garaventa-10er- Gondeln, 33 statt wie bisher 52 Stützen, und nur noch 2 statt 5 stehen in geschütztem Moorgebiet.

Die Fundamente sind betoniert, die der Gondelbahn im Weg stehenden Bäume gefällt. Die alte Schneise wird zuwachsen. Im Mai wird der Kamov-Heli die Stützen setzen. Zum Einsatz kommt die D-Linie von Doppelmayr/Garaventa, angekündigt als die nächste Seilbahngeneration. Lautlos und ohne Schwanken wird sie fahren, der Einstieg ist ebenerdig. Sie kostet, ohne Terminal, 35 Millionen Franken.

Nur zwei Geschäftsführer

«Die Geschichte wiederholt sich», sagte Verwaltungsratspräsident Andreas Kaufmann an einer Feier am Sonntag auf dem Männlichen. Entstanden ist die GGM nach dem schneearmen Winter 1963/1964, schwierig waren die Verhandlungen für die Durchfahrtsrechte.

Kaufmann dankte ganz besonders den treuen Mitarbeitenden. Wohl ziemlich einmalig in der Bahngeschichte: Mit Peter Röthlisberger und Daniel Zihlmann hatte die GGM nur zwei Geschäftsführer und mit Peter Inäbnit und Adi Kaufmann nur zwei technische Leiter. «Es gab in ihrer Geschichte keinen nennenswerten Unfall», lobte Kaufmann.

Dem frisch pensionierten GGM-Mitarbeiter Christian Teuscher kam schliesslich die Ehre zu, der alten GGM per Knopfdruck den Strom endgültig zu entziehen.

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