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Direkt an der Rennstrecke

Morgen in sieben Wochen steigt die 88. Lauberhornabfahrt. Schon jetzt entsteht bei der Wengernalp eine riesige temporäre Terrasse für das VIP-Zelt. Und zwar an einer Stelle, wie sie der Weltcupzirkus noch nie gesehen hat.

Heinzelmännchen am 20 Meter hohen Gerüst für die 200 Tonnen schwere Plattform: Oben drauf wird das VIP-Zelt zu stehen kommen. Rechts die WAB-Sta­tion Wengernalp, darüber der Eiger. Links oben der Hundschopf, von dem die Weltcupfahrer in sieben Wochen in die Tiefe springen werden.
Heinzelmännchen am 20 Meter hohen Gerüst für die 200 Tonnen schwere Plattform: Oben drauf wird das VIP-Zelt zu stehen kommen. Rechts die WAB-Sta­tion Wengernalp, darüber der Eiger. Links oben der Hundschopf, von dem die Weltcupfahrer in sieben Wochen in die Tiefe springen werden.
Bruno Petroni
Blick vom Hundschopf in den Abgrund: Unten ist das im Bau befindliche Podest zu sehen. Rot markiert der bisherige Standort des VIP-Zeltes.
Blick vom Hundschopf in den Abgrund: Unten ist das im Bau befindliche Podest zu sehen. Rot markiert der bisherige Standort des VIP-Zeltes.
Bruno Petroni
Urs Näpflin, OK-Präsident.
Urs Näpflin, OK-Präsident.
Bruno Petroni
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50 Meter westlich der Bahnstation Wengernalp erinnert die Szenerie momentan fast ein bisschen an ein Bienenhaus: Da bilden zwei Dutzend Gerüstbauer auf einer Höhe von 20 Metern eine Kette und reichen sich Gerüststangen. «Einmal Rot, einmal Blau, nochmals Rot», ertönt es – und so weiter. Geräusche von scheppernden Stahlrohren und Schellen sind in der alpinen Stille zu Füssen von Mönch und Jungfrau zu hören. Hier entsteht ein mächtiges Stahlgerüst: die Plattform für das ­Hospitality-Zelt der bevorstehenden 88. Lauberhornrennen (siehe gestrige Ausgabe).

150 Tonnen Stahl

Albert Decrusch ist stellvertretender Projektleiter und Baustellenchef der Frauenfelder Gerüstbaufirma Nüssli AG, die seit fast zehn Jahren mit dem Auf- und Abbau der Tribünen und Podeste am Lauberhorn beauftragt ist. Der Leiter der 26 Arbeitskräfte an der Wengernalp: «Wir verbauen hier innerhalb von zwei Wochen 150 Tonnen Stahl und etwa 50 Tonnen Holz zu einem 21,5 Meter hohen Podest von 1700 Quadratmetern, auf welches dann das grosse VIP-Zelt zu stehen kommt.»

Das ­Hospitality-Festzelt stand seit vielen Jahren während der Lauberhornrennen im national bedeutenden Hochmoor unter dem Girmschbiel; konnte aber jeweils nur gebaut werden, wenn genügend Schnee lag. Im vergangenen Januar war dies erstmals nicht der Fall, sodass auf den Bau des Zeltes verzichtet werden musste. «Der neue Standort entstand in einer längeren internen Diskussion, bei welcher wir mehrere Varianten prüften», sagt OK-Chef Urs Näpflin.

Gemeinsam mit der Jungfraubahn sei man auf die Idee gekommen, das Zelt künftig zwischen der Bahnlinie der Wengernalpbahn (WAB) und dem Canadian Corner zu errichten. «Diese Lage ist spektakulär und im Skirennsport wohl einmalig», so Näpflin. «Die Gäste können in Zukunft die Rennfahrer praktisch unmittelbar hinter den Hochsicherheitsnetzen nach den Schlüsselstellen Hundschopf, Minschkante und dem oftmals rennentscheidenden Canadian Corner bestaunen.»

Optimale Lösung für alle

Die neue Anlage bringt laut Urs Näpflin weitere grosse Vorteile: «Schon im Herbst konnten wir die im Sommer unsichtbaren fixen Ankerungen errichten. Wir müssen auch nicht mehr auf den ersten Schnee und Frost warten, und auch die Natur profitiert, weil es im Hochmoor keine Gerüstbauten mehr gibt.»

Die alljährlich bis zu 10 000 Zuschauer auf dem Hügel des Girmschbiel bekommen mehr Platz, haben weiterhin eine Grossleinwand vor sich sowie Ver­pflegungsstände und uneingeschränkte Sicht zum Hundschopf und zur Minschkante.

Sechsfache Fangeinrichtung

Das 20 Meter über dem Boden und 10 Meter oberhalb des WAB-Bahntrasses stehende VIP-Zelt wird 500 Inhabern des am Samstag 920 Franken teuren Hospitality-Passes ein breites kulinarisches Angebot und beste Sicht auf die zweifellos spektakulärsten Passagen des Lauberhornrennens bieten. Auf einer Grossleinwand kann zudem das gesamte Rennen mitverfolgt werden.

In der Tat hat man vom errichteten Gerüst aus den Eindruck, als würden die Weltcupabfahrer vom Hundschopf her über die Minschkante dereinst direkt ins Zelt springen. Diese Gefahr besteht jedoch nicht, hat doch das Lauberhorn-OK das kühne Projekt mit FIS-Renndirektor Hannes Trinkl frühzeitig abgesprochen: «Zur Sicherheit der Fahrer werden wir vor dem Podest vier Reihen der 2 Meter hohen Sicherheits-B-Netze aufstellen, dann folgt ein 4 Meter hohes, fixes Aussennetz und zuhinterst die aufblasbaren Airfences», erklärt OK-Chef Urs Näpflin die Vorkehrungen.

Anspruchsvolle Installation

Der neue Standort macht den Bau des VIP-Zeltes einiges anspruchsvoller: «Im Girmschbiel unten konnten wir das Material immer mit den Pistenfahrzeugen direkt zum Verwendungsplatz transportieren. Hier geht das nicht», so Albert Decrusch. Vom Bahnhof der Wengernalpbahn, wohin das Material per Bahn gebracht wird, erreicht der Pneulader gerade mal die östlichste Ecke des Stahlgerüsts – von da weg ist Muskelkraft gefragt. Schwerlasten können allenfalls mithilfe des Helikopters an die richtige Stelle gehievt werden.

Auch auf das Budget für die Bauten und Tribünen wirkt sich die Verlegung des VIP-Zelts aus. was eine Erhöhung der Eintrittspreise für den Hospitality-Pass zur Folge hat.

Der Vorverkauf der Tickets ist laut Näpflin «auf Kurs wie in anderen Jahren». Die Schneefälle der letzten Woche und angesagte kühle Temperaturen lassen den OK-Präsidenten entspannt auf die kommenden Wochen blicken. Im Zielstadion von Innerwengen steht die Zuschauertribüne seit drei Wochen parat. Gibt es also noch etwas, was sich Näpflin wünscht? «Ja: einen kalten Dezember.»

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