Die Königin der Königinnen

Reichenbach

Über hundert Kühe kämpften am Wochenende am 4. Kandertaler Ringkuhkampf um den Titel «La Reine des Reines». Oberländer Kühe mischten kräftig mit.

Mura (links) aus Fiesch gegen Debby aus Uetendorf. Im Kampf geht es um die Rangordnung.

Mura (links) aus Fiesch gegen Debby aus Uetendorf. Im Kampf geht es um die Rangordnung.

(Bild: Kerem S. Maurer)

Sie haben klingende Namen wie Piruschka, Valentina, Soyala oder Lolita, sind relativ kleine, stämmige Kühe mit dunkelrot bis schwarzem Fell und haben einen ausgeprägten Sinn für strikte Rangordnungen innerhalb der Herde. Mit einer Widerristhöhe von knapp 130 Zentimetern – Stiere werden etwas grösser – gehören die Eringer zu den kleinsten Rinderrassen Europas.

Die kompakten Kühe sind stark bemuskelt, flink und dem Menschen gegenüber äusserst liebevoll. Dank diesen Charaktereigenschaften sind die Eringerkühe laut Beat Christen, OK-Präsident des 4. Kandertaler Ringkuhkampfs, für den Ringkuhkampf geradezu prädestiniert.

Dass die Kühe im Ring kämpfen, habe nichts mit Aggression zu tun, sondern nur mit ihrem natürlichen Verhalten, erklärt Christen. «Auf jeder Alp und überall, wo mehrere dieser Tiere zusammenkommen, wird die Rangordnung auf diese Weise festgelegt.» Die Kühe haben ein Kampfgewicht von rund 600 Kilo und beachtliche Hörner.

«Diese werden vor dem Kampf abgestumpft, um Verletzungen zu vermeiden», weiss Christen und betont, dass es dafür strenge Vorschriften gebe, die auf Platz überprüft werden. Dennoch bestehe ein gewisses Verletzungsrisiko, doch auch das sei bei Rangordnungsrangeleien nicht aussergewöhnlich und werde an solchen Veranstaltungen auch nicht gefördert. Am Ende des Tages verzeichneten die Veranstalter keine nennenswerte Zwischenfälle.

Wenn eine Kuh nicht kämpfen will

Der Ringkuhkampf hat im Wallis eine lange Tradition, ist aber in unseren Gegenden nicht sehr verbreitet. Nachdem Grindelwald seine Kuhkämpfe eingestellt habe, seien jene im Kandertal die einzigen im Bernbiet, heisst es von OK-Seite.

Auch im Berner Oberland gibt es Liebhaber dieser stämmigen, fleischbetonten Zweinutzungsrasse. Brigitte Wiedmer aus Zwischenflüh besitzt seit rund zehn Jahren Eringer und lässt ihre Tiere regelmässig an Kuhkämpfen teilnehmen. Natürlich sei man etwas nervös, wenn die eigene Kuh im Ring sei, und klar wolle man, dass sie gewinne, gesteht sie. «Aber man weiss nie, ob die Kuh auch wirklich um die Rangordnung kämpfen will.»

Eine Kuh gilt dann als besiegt, wenn sie sich vom Kampf zurückzieht oder ihn verweigert, bestätigt der OK-Präsident. Zu einer Auseinandersetzung könne und wolle man die Tiere nicht zwingen. Das Besucherinteresse an Ringkuhkämpfen, die mit Festwirtschaft und Marktständen Volksfestcharakter haben, sei gross, auch wenn am letzten Wochenende die Besucherzahl wetterbedingt tiefer ausfiel als im Vorjahr.

Man habe in diesem Jahr erstmals über 100 angemeldete Tiere verzeichnet, die von ihren Züchtern aus weiten Teilen der Schweiz nach Reichenbach gebracht wurden. «Diese Entwicklung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», ist Christen überzeugt.

Auch wenn in diesem Jahr die «Reine des Reines», die Königin der Königinnen, aus dem Wallis kommt und die Walliserinnen die Kämpfe dominierten, haben die Berner Oberländerinnen, insbesondere bei den Rindern, kräftig mitgemischt. Es geht um Treicheln, Ruhm und Ehre, aber nicht um Preisgelder.

Rangliste

Kühe: 1. Cantara, Stallung Zimmermann, Getwing. 2. Rebell, Summermatter Kurt, Törbel. 3. Candy, Gafner Mario, Beatenberg.
Erstmelk: 1. Versaic, Julen Paul-Marc, Zermatt. 2. Simba, Elevage Hérens Sarine, Nord. 3. Mercedes, Julen Paul-Marc, Zermatt.
Rinder:1. Calette, Stallung Bregy Uli, Lisi und Pasci, Gampel. 2. Romera, Staudenmann-Lehmann, Riedstätt. 3. Lemen, Leibundgut Nico, Frutigen. Rinderli A: 1. Donna, Gebrüder Reuteler, Ochlenberg. 2. Diana, Truffer Amélie und Janis, Baltschieder. 3. Tequila, Borra Martina und Claudio, Grindelwald
Rinderli B: 1. Leandra, Volken Lidia und Franz-Josef, Fiesch. 2. Lolita, Volken Lidia und Franz-Josef, Fiesch. 3. Mirha, Gremaud Olivier, Le Landeron.

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