Der Körper spricht Bände

Meiringen

Am Volkstheaterfestival zeigen Laienschauspieler ihr Können und bilden sich auch weiter. Zum Beispiel in Körpersprache. Dabei erhalten sie mitunter auch Flirt-Tipps.

Der Schauspieler und Coach Peter Locher führt den Kursteilnehmerinnen engagiert die Bedeutung der Körpersprache vor Augen.

Der Schauspieler und Coach Peter Locher führt den Kursteilnehmerinnen engagiert die Bedeutung der Körpersprache vor Augen.

(Bild: Nik Sarbach)

Wohin bloss mit den Händen? Was wir uns im Alltag kaum überlegen, wird auf der Bühne plötzlich zur grossen Frage. In die Lenden stützen? In den Hosentaschen vergraben? Die Arme verschränken? Locker baumeln lassen? Selbst das kann vor Publikum plötzlich ungeheuer angestrengt wirken. Davon kann jeder Laienschauspieler, erst recht jeder Regisseur ein Liedchen singen.

An mehreren Workshops anlässlich des ersten Volkstheaterfestivals, das dieser Tage in ­Meiringen stattfindet, können Schauspielamateure ihre Büh­nen­kenntnisse vertiefen. So zum Beispiel im Kurs «Schauspiel und Kommunikation», bei dem die nonverbale Kommunikation, also hauptsächlich die Körpersprache, im Fokus steht – und damit zu einem grossen Teil natürlich auch die Hände.

Spreche, ohne zu reden

«Körpersprache ist der wichtigste Faktor, wenn es darum geht, auf der Bühne etwas zu vermitteln», sagt Kursleiter Peter Locher. «Der erste Eindruck, den sich das Publikum von einer Bühnenfigur macht, basiert zu 55 Prozent auf deren Körpersprache.» Die Faktoren Stimme, Kostüm und Maske, ja selbst der Inhalt seien mit Abstand weniger wichtig. So viel zur Theorie.

Im Zentrum steht aber vielmehr die Praxis. Bei einem Spiel provoziert der engagierte Kursleiter absichtlich Fehler. «Achtet darauf, wie die Personen reagieren, wenn sie ihren Fehler bemerken», hält er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Auch auf die Wahrnehmung der eigenen Körpersprache legt Locher Wert. «Erst wenn wir uns bewusst machen, wie wir unwillkürlich reagieren, können wir auf der Bühne wirklich mit unserer Körpersprache arbeiten», sagt er.

Flirt-Tipps vom Profi

In einer weiteren Übung lässt der ausgebildete Schauspieler jeweils zwei Teilnehmende zusammen smalltalken. Immer wieder unterbricht er die Gespräche mit einem «Freeze», bei dem die Laiendarsteller auf der Stelle erstarren müssen. «Wie verteilt sich euer Gewicht auf eure Füsse? Wo zeigen eure Fussspitzen hin?», will er wissen. «Wenn die Fussspitzen eures Gegenübers bereits in Richtung der Tür zeigen, zeugt das von eher geringem Interesse am Gespräch», sagt er und schmunzelt: «Ihr werdet nach diesem Kurs nie mehr gleich flirten wie vorher!»

Natürlich richtet Locher die Aufmerksamkeit auch auf die Hände. «Wo befinden sie sich? In den Hosentaschen? Sind sie verschränkt? Wenn ja, wo? Vor der Brust, vor dem Bauch, vor dem Becken?», will er wissen. «Mit alldem könnt ihr auf der Bühne wunderbar spielen!»

Und was gilt nun fürs bewusste Einsetzen von Gesten auf der Bühne? «Was auch immer ihr macht: Sucht euch immer ein Motiv, warum ihr genau diese Bewegung ausführt», rät der Schauspielcoach. Erst dadurch erhalte eine Handlung Sinn und wirke überzeugend. So wird selbst das Arme-baumeln-Lassen vor Publikum zur unangestrengten Handlung.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt