Zum Hauptinhalt springen

Der ehrliche Sport

Angetroffen: David Stenton ist Lehrer in Strättligen und Coach von Rugby Thun.

David Stenton
David Stenton
Michael Gurtner

Fussball? Nein, damit kann er nicht viel anfangen. «Ich musste ein paar Mal Fussball spielen. Das kam nie gut», sagt David Stenton und schmunzelt. Er habe immer gleich den gegnerischen Spieler, der den Ball führte, angreifen wollen. So, wie er es sich halt von seiner Sportart gewöhnt ist – dem Rugby. Er verstehe es nicht, wenn Fussballspieler «am Bode lige u gränne», sagt Stenton in sehr gutem Berndeutsch mit leichtem englischem Akzent. «Rugby ist ehrlicher», findet der 45-jährige Neuseeländer.

Mit Rugby ist er aufgewachsen, es ist der Nationalsport der Kiwis. In der Schule spielten sie immer über Mittag – Jungs und Mädchen zusammen. Damals wusste er natürlich noch nicht, dass er dereinst in einem eigentlichen Rugby-Entwicklungsland leben würde. Wie es dazu kam? In Neuseeland lernte er eine Blumensteinerin kennen, die ein Austauschjahr machte.

Vier Jahre lang führten sie eine Fernbeziehung. Dann sagte ihm seine heutige Ehefrau, er solle doch in die Schweiz kommen. Was David Stenton tat. Bereut hat er es nie. Auch wenn er mal die «Pies» (Fleischkuchen) vermisst, mal die Meeresfrüchte, mal die Offenheit der Kiwis («In der Schweiz nehmen viele Leute das Leben viel zu ernst.») Manchmal komme das Heimweh, «wie ein Jucken». Dann ist es Zeit, wieder mal ans andere Ende des Globus zu reisen.

Aber ansonsten ist David Stentons Zuhause seit 1999 die Schweiz. Er lebt mit Frau und zwei Kindern in Blumenstein, unterrichtet an der Oberstufenschule Strättligen in Thun so ziemlich alles. Ausser Deutsch und Französisch. Und Englisch. Ausgerechnet. Hin und wieder spielt er mit Schülern Rugby. Das kam Lorenz Zellweger vom Turnverein Thun zu Ohren, der Rugby in Thun wieder salonfähig machen wollte.

Er kontaktierte Stenton – und nun ist dieser seit drei Jahren Coach, hat viel Spass dabei. Obwohl: «Es ist schwierig, an der Seitenlinie zu stehen. Ich würde lieber selber aufs Feld gehen!» Rugby sei im Übrigen nicht so hart, wie viele meinten: «70 Prozent ist Technik, 10 Prozent Kraft, der Rest Ausdauer.»

Interessiert verfolgt Stenton die Rugby-Weltmeisterschaft, die derzeit in Japan läuft. Titelverteidiger Neuseeland trifft im Viertelfinal am Samstag auf Irland. Klar fiebert der Kiwi mit seinen Landsleuten mit. Trotzdem sagt er: «Es täte dem Rugby gut, wenn nicht ein einziges Land dominieren würde.» Ganz Sportsmann eben. Typisch Rugby ...

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch