Das «schwarze Gold» aus Wimmis

Wimmis

Seit Jahrhunderten werden anlässlich eines alten Brauches Tausende Kilogramm Kirschen nach Wimmis gebracht. Das Resultat: ein Multitalent für den Alltag.

Nach dem Streifen: Der Brei und die Steine werden aus dem Käsetuch entfernt.

Nach dem Streifen: Der Brei und die Steine werden aus dem Käsetuch entfernt.

(Bild: Heidy Mumenthaler)

Als der römische Feldherr Lucullus 63 vor Christus seinen Feldzug im Schwarzmeerraum abbrechen musste, kam er nicht mit leeren Händen in seine Heimat zurück: Unter der Kriegsbeute befand sich auch ein Kirschbaum, der bis dahin in Westeuropa unbekannt war.

Von Rom kam die Kirsche schon bald nach Helvetien und wird in Wimmis auch heute noch zelebriert. Bereits seit 1634 gibt es darum in Wimmis das «Chirschmuesen». Während mehreren Tagen arbeiten die Wimmiser unermüdlich, um das leckere Kirschenmus zu gewinnen. Am Dienstag. dem 4. Juli, luden Wimmis Tourismus und die Musikgesellschaft zum diesjährigen «Chirschmueset».

Mit Hand und Herzblut

«2015 reichten 800 Kilo Chirschmues bis Ostern 2016. Im selben Jahr gab es jedoch keine Kirschen», erzählt Werner Lengacher, der in der Organisation mithilft, damit der Brauch weiterlebt. Gemeinsam mit 120 Freiwilligen legte auch Lengacher mit viel Herzblut Hand an, und während sechs Tagen wurden rund um die Uhr 1714 Kilogramm schwarze Kirschen zu 400 Kilogramm ­Chirschmueset verarbeitet. 5 Kilo Kirschen ergeben laut Lengacher ungefähr ein Kilogramm des wertvollen, verdickten Saftes.

Am Dienstag wurden bereits 800 Kilo Kirschen geliefert, die allesamt von Hand verlesen werden mussten, wovon lediglich rund 12 Kilo unbrauchbar waren. «Wir konnten glücklicherweise auf die Lieferanten Briggen und Schranz aus Riedern, Wolf und Brenzikofer aus Spiez zählen. Für die einwandfreie Qualität haben wir deshalb 3.50 Franken bezahlt», freut sich Werner Lengacher.

Was lange währt, wird endlich gut

Während die Kirschen ausgemustert werden, beginnen am «Chirschmueset» währenddessen weitere Equipen mit dem Mixen. Mit zwei Stöcken wird dazu der gesamte Kirschbrei samt den Steinen durch ein Käsetuch gestrichen. Auf dem Holzfeuer wird der gesiebte Kirschensaft unter ständigem Rühren zu einem Dicksaft eingekocht. Erst nach 12 bis 14 Stunden kann das «schwarze Gold» in Gläser abgefüllt werden.

Dazu erinnert sich Lengacher gerne an eine Anekdote: «An einem Morgen kam ein Passant beim Chirschmues­platz vorbei und sah, wie das fertige Mues aus dem Käsekessi in die Gläser gefüllt wurde. Weil er das «Chirschmuesen» nicht kannte, meinte er kurz und trocken: ‹Wollt ihr jetzt damit die Löcher im Strassenbelag flicken?›»

Das Wundermittel Chirschmues

Das fertige Chirschmues kann auf sehr vielfältige Art und Weise verwendet werden. Sei es als Brotaufstrich, zu geschwellten Kartoffeln, mit Ziger, Mehlrösti oder als Füllung für Spitzbuben. Es wird auch als bewährtes Hausmittel gegen Erkältungen und für die Verdauung eingesetzt. Zudem ist das zuckerfreie Chirschmues ein gesunder Leckerbissen für Diabetiker.

Das Chirschmues aus Wimmis ist so beliebt, dass sogar Gedichte und Lieder, wie zum Beispiel die «Chirschmuespolka» der Wimmiserin Anni Lehnherr, darüber geschrieben wurden.

Der Verkauf begann am vergangenen Donnerstag im Tourismusbüro, Bahnhofstrasse 7 und in der Molkerei Lehnherr, Mühligasse 1 in Wimmis. Das «Chirschmues» ist in Gläsern von 1/2 Pfund, 500 Gramm und einem Kilogramm auch in der Landi Spiez erhältlich.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt