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Das Johnny’s lebt in Erinnerungen weiter

Ausverkauf bei der Johnny’s-Bar: Der Andrang war mässig und Souvenirs, die wirklich an die legendäre Interlakner Bar erinnern konnten, eher rar.

Johnny’s-Nostalgiker Heinz Schweizer, Evelyne Dannigkeit, Stefanie Amacher, Reto Ramseier und der legendäre DJ Hansi (von links).
Johnny’s-Nostalgiker Heinz Schweizer, Evelyne Dannigkeit, Stefanie Amacher, Reto Ramseier und der legendäre DJ Hansi (von links).
Anne-Marie Günter

Um 12.50 Uhr war der Schnee vor dem Mini-Giebelhaus, dem Eingang zur Johnny’s-Bar, noch fast unberührt. Angesagt war ab 13 Uhr ein grosser Ausverkauf für Nostalgiker. Nach 51 Jahren schliesst das Johnny’s, Interlakens legendäre Nachtbar. Angesprochen waren Souvenirjäger und Freunde von angebrochenen Spirituosenflaschen.

So ein Dutzend Leute schauten sich am frühen Nachmittag im spärlich beleuchteten Lokal um. Typisch Johnny’s? Da hing das Bild mit dem Berner Trachtenmeitschi und dem kubistisch verzerrten Schwarzweisspublikum. Gemalt hat es der Kalifornier Jerry Calote 1987, kurz nachdem er Interlaken entdeckt hatte. Es war ein Geschenk zum 20-Jahr-Jubiläum des Lokals, das seinen Namen von Hotel-Carlton-Besitzer John T. Affentranger erhalten hat. Verkäuflich war es aber nicht: Der heutige Carlton-Besitzer Stephan J. J. Maeder behält es, weil es das ultimative Wahrzeichen des Johnny’s ist.

Das Johnny’s, so zeigte es sich, lebte nicht vom Dekor, son­dern von Erinnerungen. Nelly Schaffer, geborene Zumbrunn, erinnert sich, wie sie einst von der Sagi in Ringgenberg ins Johnny’s nach Interlaken geradelt ist. Zum Tanzen. Ihren Markus hat sie dann aber in Grosshöchstetten kennen gelernt. Und gestern suchte sie mit ihm zusammen ein Johnny’s-Souvenir für einen ihrer längst erwachsenen Söhne.

«Flügel für jeden Geschmack»: Koert den Hartogh ergatterte sich eine Leuchtreklame für ein Energiegetränk, die an der Wand hing und die Aufschrift «Johnny’s» trug. Beny Sahli kaufte für seinen Sohn einen Barhocker. Und Heinz Schweizer suchte etwas, das ihn an jene ­Zeiten erinnern sollte, als er als 68er von Thun nach Interlaken ins Johnny’s kam. Hier hat er seine Frau Hanni kennen gelernt. Jetzt lebt er in Bern. Der Zug hatte Verspätung, und so wurde es schon schwierig, ein typisches Johnny’s-Souvenir zu finden.

Pächter Reto Ramseier, der nach 20 Monaten die Bar auf­gibt, suchte immer wieder Dinge zusammen, die dem Wunsch nach Souvenirs entsprechen könnten: Bierflaschen mit John­ny’s-Etiketten, T-Shirts aus früheren Zeiten, die CD zur 50-Jahr-Feier. Unterstützt wurde er von Evelyne Dannigkeit. Einst wurde sie in der Sekundarschule Interlaken mit Reto zusammengesetzt, damit die beiden leiser würden. Genutzt hat es nicht, im Gegenteil. Und bei der Theateraufführung war Evelyne Retos Julia.

Derweil begann Hansi, seit 36 Jahren der Johnny’s-DJ, seine CDs zusammenzupacken. Und Stephan Mäder stellte leicht überrascht fest, dass es an der Bartheke kein fliessendes Wasser gibt. Jetzt werden die Plättlileger kommen, und der Johnny’s- Boden wird in Holz erneuert. Nach dieser ersten Sanierung wird das Johnny’s als Partylokal für geschlossene Gesellschaften genutzt. Und dann? Mäder macht sich Gedanken. Was er nicht mehr will: lärmige Gäste vom ganzen Bödeli, die erst am frühen Morgen das Lokal besuchen. Vorstellen könnte er sich ein Lokal, eventuell mit Livemusik für ein Publikum, das zu den Viersterngästen des Hotels passt.

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