Einen Chinesen überfallen – Täter muss das Land verlassen

Ein deutscher Staatsangehöriger wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Schwerer wiegt die Landesverweisung von fünf Jahren.

Die Deliktsumme beläuft sich auf 1245 Franken.

Die Deliktsumme beläuft sich auf 1245 Franken.

(Bild: bom)

«Jetzt suchen wir Stress und Streit mit anderen.» Diesen Entschluss fassten drei Kumpane in angetrunkenem Zustand in einer Winternacht Anfang Jahr in einem Tourismusort im Berner Oberland.

Dem Trio ging es auch darum, schnell zu Geld zu kommen. Gestern stand einer der Täter, ein 19-jähriger deutscher Staatsangehöriger, vor dem Regionalgericht Oberland in Thun. Die zwei Mittäter hatten sich vor dem Jugendgericht zu verantworten.

Opfer ausgeraubt

Es begann damit, dass einer der Jugendlichen einen Chinesen von hinten mit dem Fuss gegen den Rücken trat und ihn zum Kampf aufforderte. Daraufhin trat der Beschuldigte dem Opfer mit dem Fuss gegen die Brust, während der andere Jugendliche dessen Rucksack behändigte.

Gemeinsam flohen die drei Täter mit dem Rucksack, der eine Jacke, Kopfhörer, Bargeld in der Höhe von 550 Franken sowie die Identitätskarte, die SBB- und diverse Bankkarten enthielt.

Bei einer Hausdurchsuchung kamen bei ihm 230 Stück in der Schweiz verbotene Pyrotechnik zum Vorschein.

Die Deliktsumme beläuft sich auf 1245 Franken. Mit der Kreditkarte des Opfers bezahlten die Täter mehrfach Beträge unter 40 Franken, wofür kein PIN-Code erforderlich war. So ergaunerten sie circa 480 Franken.

Alkohol an Kind abgegeben

Das ist aber noch nicht alles, was der Deutsche auf dem Kerbholz hat. Ihm wird das Verabreichen gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder zur Last gelegt, weil er einem damals 15-jährigen Komplizen hochprozentigen Alkohol zur Konsumation abgab.

Im Weiteren machte er sich der Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz schuldig. Bei einer Hausdurchsuchung kamen bei ihm 230 Stück in der Schweiz verbotene Pyrotechnik in Form von Böllern und Raketen zum Vorschein, welche er in Deutschland erworben hatte.

Im abgekürzten Verfahren

Weil der Beschuldigte geständig war und sich Staatsanwaltschaft und der amtliche Verteidiger über das Strafmass einig waren, war das sogenannte abgekürzte Verfahren gegeben. Das heisst, auf das sonst übliche Beweisverfahren konnte verzichtet werden.

Staatsanwältin Barbara Wüthrich hatte in ihrer Anklageschrift eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren, eine Busse von 200 Franken sowie eine Landesverweisung von fünf Jahren beantragt. Dem folgte das Gericht auch im Hinblick darauf, dass der Mann keine Vorstrafen aufweist. Ihm werden zudem Verfahrenskosten von 3000 Franken auferlegt.

«Ich hoffe, dass Sie den nötigen ‹Lehrblätz› aus dem Vorfall gezogen haben», sagte Gerichtspräsident Jürg Santschi nach der Eröffnung des Urteils.

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