Autofahrerin wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Saanenland

Am Mittwoch wurde eine Frau aus dem Saanenland wegen fahr­lässiger Tötung verurteilt. Sie war 2016 in einen Unfall verwickelt gewesen, bei dem ein Motorradfahrer starb.

Beim Aufprall verletzte sich der Motorradfahrer so schwer, dass er an seinen Verletzungen starb.

Beim Aufprall verletzte sich der Motorradfahrer so schwer, dass er an seinen Verletzungen starb.

(Bild: iStock/Symbolbild)

Der tragische Unfall ereignete sich im Sommer 2016. Der verunfallte Motorradfahrer und sein ihm auf einem weiteren Töff folgender Kollege fuhren von Gstaad Richtung Feutersoey, als in einer leichten Rechtskurve plötzlich von rechts ein Auto aus einer Privatstrasse auf die Hauptstrasse einbog.

Die Autolenkerin sah den Töff erst, als dieser nur noch etwa 45 bis 50 Meter von ihr entfernt war. Sie bremste sofort und kam auf der rechten Fahrbahn zum Stillstand. Der Motorradfahrer, der laut Gutachten mit einer Geschwindigkeit zwischen 67 und 79 km/h fuhr, konnte das Auto ebenfalls nicht früher sehen. Er bremste sofort ab, stürzte dabei und schlitterte mit hoher Geschwindigkeit ins stehende Auto.

Zwischen Gstaad und Fuetersoey war es zu dem Unfall gekommen. Quelle: Google Maps

An Verletzungen gestorben

Beim Aufprall verletzte sich der Motorradfahrer so schwer, dass er an den Verletzungen starb. Die Autofahrerin kennt die Situation dort sehr gut, sie fährt fast täglich dort durch. Sie wusste, dass ihre Sicht auf die Strasse eingeschränkt war, sie beträgt bei der Ausfahrt auf die Hauptstrasse 26 Meter. Sie selber hatte vor dem Unfall bei der Gemeinde reklamiert und verlangt, dass die dort wachsenden Sträucher endlich zurückgeschnitten werden. Sie war sich der Gefahr also bewusst.

Kein Vortritt

Die links Richtung Gstaad abbiegende PW-Lenkerin hatte dort eindeutig keinen Vortritt. An ihr lag es, so steht es im Strassenverkehrsgesetz, die Situation zu beurteilen und sich entsprechend zu verhalten. Sie wusste, dass sie an dieser Stelle unmöglich gefahrlos nach links abbiegen konnte, ausser sie hätte eine Hilfsperson zugezogen.

Damit war für den Gerichtspräsidenten Jürg Santschi klar, dass die Frau, die geknickt und in sich gekehrt wirkte, ihre Sorgfaltspflicht verletzt hatte. Es stellte sich noch die Frage, ob der Unfall zu vermeiden gewesen wäre. Laut dem vom Gericht angeforderten Gutachten hätte der Unfall vielleicht vermieden werden können, auf jeden Fall wäre er glimpflicher abgelaufen, wenn die Frau besser rechts eingespurt hätte.

Dann wäre der Bremsweg für den Töfffahrer mehrere Meter länger gewesen und die Aufprallgeschwindigkeit des Mannes viel tiefer. Er wäre vielleicht unverletzt geblieben oder mit leichten Blessuren davonge­kommen.

Bedingte Geldstrafe

Die Lenkerin des Personenwagens, die auf einen Freispruch gehofft hatte, wurde am Mittwoch von Gerichtspräsident Jürg Santschi wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 50 Franken (insgesamt 2500 Franken) verurteilt.

Wegen des Schuldspruchs muss die Verurteilte die Kostenfolgen tragen. Die Verfahrenskosten betragen 23500 Franken. Die Privatkläger, die Angehörigen des Unfallopfers, erhalten eine Entschädigung von 20'100 Franken für ihren Anwalt. Für die Kosten ihres Anwalts muss die verurteilte Frau selber aufkommen.

Berner Oberländer

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