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Kanton will Hondrich, nicht Aeschiried

Wegen Unterbelegung und der Nähe zum neuen Durchgangszentrum in der Bärgsunne Hondrich macht der Kanton die Kollektivunterkunft im früheren Blaukreuzheim Ende März 2018 dicht. Anfänglich umstritten, läuft der Betrieb dort seit Ende 2014 ohne nennenswerte Probleme

Wegen Unterbelegung im Kanton Bern wird auf Ende März 2018 die Kollektivunterkunft Aeschiried geschlossen.
Wegen Unterbelegung im Kanton Bern wird auf Ende März 2018 die Kollektivunterkunft Aeschiried geschlossen.
Jürg Spielmann
Seit dem 10. Dezember 2015 ist das anfänglich kritisierte und baurechtlich umstrittene Durchgangszentrum im Ferienzentrum in Betrieb.
Seit dem 10. Dezember 2015 ist das anfänglich kritisierte und baurechtlich umstrittene Durchgangszentrum im Ferienzentrum in Betrieb.
Bruno Petroni
Zweckmässig: In dieser Grossküche im Blaukreuzheim kochen die Asylsuchenden selbstständig.
Zweckmässig: In dieser Grossküche im Blaukreuzheim kochen die Asylsuchenden selbstständig.
Jürg Spielmann
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«Die Zahlen der Asylgesuche sind seit Anfang Jahr anhaltend tief, und der Kanton verfügt über genügend Plätze, um die ihm zugewiesenen Asylsuchenden unterzubringen. Deshalb wird die Kollektivunterkunft Aeschiried per Ende März 2018 geschlossen.» So ist es in einer Mitteilung zu lesen, welche die kantonale Polizei- und Militärdirektion (POM) am Donnerstag verschickt hat.

«Wir haben den Vertrag mit der Stiftung Ferienzentrum Aeschiried aufgelöst», bestätigte Alexander Maurer, der Leiter Migrationsdienst (Midi), auf Anfrage. Im älteren Gebäudeteil Seeblick des ehemaligen Blaukreuzheimes auf der Aeschiallmend leben seit Ende 2014 bis zu 100 Asylsuchende – meist Familien. 18 000 Franken hat der Kanton dafür monatlich an die Stiftung überwiesen. Laut Maurer besteht «mittelfristig kein Bedarf mehr an dieser Struktur». Dies wird einerseits mit der rückläufigen Zahl an Asylgesuchen begründet.

«In den Kollektivunterkünften stehen im Kanton Bern zurzeit rund 460 freie Plätze zur Verfügung», heisst es seitens der POM. Wegen dieser Unterbelegung wurde vom Kanton, von der Betreiberin ORS und der Eigentümerin die Schliessung per Ende Winter beschlossen. «Die noch in der Kollektivunterkunft beherbergten Asylsuchenden werden von der ORS auf andere Unterkünfte verteilt», so Maurer. Wie viele Personen bislang in der oberirdischen Unterkunft auf 1100 Meter ein temporäres Dach über dem Kopf gehabt haben, kann der Migrationsdienst nicht sagen, weil diese Daten so nicht erhoben werden.

«Mehr Möglichkeiten»

Ein zweiter Grund für das Lichterlöschen im Durchgangszen­trum in Aeschiried liegt nur wenige Kilometer entfernt in Hondrich. «Wir verfügen auf engem Raum über zwei Strukturen», begründet Alexander Maurer. Oder eine zu viel. Wieso aber wird das Zentrum Aeschiried und nicht jenes in Hondrich dichtgemacht? «Aeschiried wurde Hondrich beim Schliessungsentscheid vorgezogen, weil am neuen Standort Hondrich mehr Möglichkeiten vorhanden sind und zudem 30 Plätze mehr gegenüber dem ehemaligen Standort in Hondrich zur Verfügung stehen.»

«Aeschiried wurde Hondrich beim Schliessungsentscheid vorgezogen, weil in Hondrich am neuen Standort mehr Möglichkeiten vorhanden sind.»

Alexander Maurer, Leiter Migrationsdienst Kanton Bern

Der besagte neue Standort ist die Bärgsunne, die vormals letzte Dorfbeiz in der Spiezer Aussenbäuert. Da sich für das Besitzerehepaar Hubertz auch nach drei Jahren kein Käufer für das Hotel-Restaurant hatte finden lassen, vermietete es das 44-jährige Haus an den Kanton. Dieser zieht nun vom nahen Durchgangs­zentrum Freyberg, wo ab 2008 50 Plätze angeboten wurden, hinauf in die Bärgsunne im Dorfzentrum. Dort werden vom Verein Asyl Berner Oberland neu 80 Asylsuchende betreut werden. Etwas, das an einem Informationsanlass von Ende August von der Hondricher Bevölkerung harsch kritisiert worden war.

Involvierte sehen es positiv

Zum Aeschirieder Asylzentrum zieht Alexander Maurer eine «sehr positive Bilanz», wie er betont. «Die Unterkunft genoss eine hohe Akzeptanz.» Wie es in der Mitteilung vom Donnerstag heisst, sind der Kanton und die Betreiberfirma «erfreut über die engagierte Mitarbeit und die unterstützende Haltung der Gemeinde Aeschi, der Bevölkerung, der direkten Anwohnenden und aller weiteren Beteiligten».

Dank der guten Zusammenarbeit hätten Aktivitäten für die Bewohnerinnen und Bewohner angeboten werden können. Auch bedanken sich der Kanton und die ORS bei den zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern.

«Es gab schon auch kleinere Probleme oder Schwierigkeiten», sagt Peter Ryser. Er leitet als Externer den runden Tisch, an welchem alle Beteiligten (Gemeinde, Statthalteramt, Anwohner, Kanton, Betreiber, Polizei, Liegenschaftsbesitzerin) vereint sind. Aktuell werdende Themen seien sehr schnell auf den Tisch gekommen. Entsprechend rasch hätten Lösungen eruiert werden können. Wie Lukas Eichenberger, Stiftungsrat des Ferienzen­trums Aeschiried (siehe Kasten), zieht auch Ryser eine «rundum äusserst konstruktive Bilanz». Er lobt «nach einem anspruchsvollen Start» die Zusammenarbeit, die über drei Jahre habe erarbeitet werden müssen.

Der Entscheid, den 35-jährigen Gebäudeteil Seeblick des Ferienzentrums als Durchgangszen­trum zu nutzen, wurde anfänglich nicht von allen begrüsst. Eine Beschwerde von Anstössern, die die baurechtliche Legalität der Asylzentrum-Nutzung infrage stellten, wurde bis nach Lausanne weitergezogen. Die Bundesrichter wiesen diese Ende 2015 letztinstanzlich ab.

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