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Als die Nebelkompanie noch übte

Das Gasteretal, dieses wildromantische Hochtal, hatte im Zweiten Weltkrieg strategische Bedeutung – man fürchtete einen Angriff der Deutschen. Noch heute sind die künstlichen Felsnischen am Eingang zum Tal gut sichtbar.

Die Nebelkompanie in den Kriegsjahren in der Einsatzübung auf der Waldhausbrücke.
Die Nebelkompanie in den Kriegsjahren in der Einsatzübung auf der Waldhausbrücke.
zvg
Die ausgesprengten Felsnischen für die Maschinengewehr-Stellungen  am Eingang ins Gasteretal.
Die ausgesprengten Felsnischen für die Maschinengewehr-Stellungen am Eingang ins Gasteretal.
Samuel Ryter
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Aus den militärhistorischen ­Berichten des Aktivdienstes 1939/1945 geht hervor, dass die Schweiz damals einer starken Bedrohung ausgesetzt war. Denn es gab durchaus Pläne, dass die Wehrmacht die Schweiz angreifen könnte, und zwar mitten im Oberland. Die entstandenen Pläne des deutschen Generals Franz Böhme zum Beispiel sahen das Eindringen ins Reduit mit Luftlandetruppen vor («Schweizerische Militärzeitschrift», Dezember 1949).

Dabei sollten Fallschirmtruppen Frutigen und Brig besetzen und wohl so die Lötschberg-Simplon-Linie sichern. Gemäss der Broschüre aus dem Jahr 2009 «100 Jahre Gemeinde Kandersteg» war die Luftlandung auf dem Kanderfirn geplant. Heute seien noch Mauerreste im Raum Alpetli am Kanderfirn vorhanden, die auf militärische Bedürfnisse hinwiesen, heisst es weiter. Gut sichtbar sind heute ebenfalls noch die künstlichen Felsnischen am Eingang ins Tal (Chluse) für Maschinengewehrstellungen. Dabei habe die Truppe «situativ mit Unternehmergeist» gehandelt – ohne auf einen eigentlichen Befehl von oben zu warten . . . Dies wird aus den Archivakten gefolgert.

Den Angreifer verunsichern

Das Gasteretal diente während der Aktivdienstzeit als bedeutender Ausbildungsort. Eher exotisch mutet das Bild mit der Nebelkompanie auf der Kanderbrücke zum Hotel Waldhaus an. 2011 ist übrigens das einfache Holzbrüggli unter der Regie des Kanderstegers Ruedi Isler durch eine schmucke Holzbrücke ersetzt worden, die auch dem Oktober-Hochwasser 2011 standhielt (wir haben berichtet). Mit dem künstlich erzeugten Nebel sollte wohl der angreifende Gegner verunsichert werden.

Der Schweizer Militärhistoriker Jürg Stüssi sagt dazu: «Nebel war ein bewährtes Mittel, die eigenen Angriffsdispositionen uneinsehbar zu machen.» Der Feind hätte mit den damaligen technischen Hilfsmitteln durch den künstlichen Nebel hindurch nicht feststellen können, ob überhaupt jemand in einem Geländeabschnitt stationiert war. Oder welche Truppen mit welcher Ausrüstung wo standen und wie sie sich bewegten.

«Deshalb musste der Feind, zum Beispiel, alle Abschnitte gleichmässig überwachen, was ihn im entscheidenden Abschnitt schwächte», sagt Stüssi. Eine Nebelkompanie sei darauf spezialisiert, Granaten zu verschiessen, bei deren Explosion Nebel austrete, sodass man Nebelwände errichten könne. Die Nebelkompanie war damals im Gasteretal zum Zweck der Ausbildung stationiert. «Übungsschiessen muss man dort anlegen, wo man nicht sehr viele Leute stört und, vor allem, wo ­Kugelfänge vorhanden sind, um niemanden zu gefährden. Dazu eigenen sich Bergtäler.»

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