Kleine Brauereien sorgen für Biervielfalt Oberland

Bierbrauen ist in. In den letzten Jahren wurden im Berner Oberland zahlreiche Klein- und Kleinstbrauereien gegründet. Seit 2005 stellt Reinhold Margelist sein eigenes Bier her; seit kurzem in Därligen.

35 Brauereien gibt es im Oberland.


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Im Berner Oberland sind 35 Brauereien registriert. Von kleinen Hobbybetrieben bis zum Unternehmen mit 65 Angestellten. Die älteste ist auch die grösste. Mit Abstand. Die 150-jährige Rugenbräu dürfte gemäss Schätzungen jährlich 40'000 Hektoliter Bier produzieren (genaue Zahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt). Die restlichen Brauereien erreichen gemeinsam nicht ein Zehntel dieser Menge. Wobei die Jungfraubräu in Schwanden bei Brienz etwa die Hälfte beisteuert.

Es folgen die Haarige Kuh Brauerei, Interlaken, 3970 – Nordwandbräu, Grindelwald (beide rund 500 Hektoliter), die Simmental Braumanufaktur, Lenk (ca. 200 Hektoliter), die Brauerei Burgbier, Ringgenberg, und die Kocher Bräu aus Burgistein (ca. 60 Hek­toliter). Bei den restlichen Betrieben liegt der Ausstoss zwischen 4 und 50 Hektolitern.

Vorbild Deutschland

Von den Kleinen ist die Rotmoosbräu eine der Grossen. Im Register der Zollverwaltung ist der Betrieb mit der Nummer 552 unter dem Namen Brauerei MarRei verzeichnet. Gerade kürzlich ist die Brauerei von Bönigen nach Därligen gezogen. «Da wir unser Wasser ursprünglich aus dem Rotmoos bezogen, nennen wir unser Bier entsprechend», erklärt Reinhold Margelist.

Reinhold Margelist braut das Rotmoosbräu neu in Därligen. Bild: Markus Hubacher

Margelist war beruflich oft in Deutschland unterwegs. «Dort merkte ich, dass praktisch jedes Dorf seine eigene Brauerei hatte. Und jedes Bier war anders, nicht so industriell wie oft hier.» 2005 begann er im Baselbiet sein eigenes Bier zu brauen. Noch in kleineren Mengen und zum Eigenbedarf und nicht zum Verkauf. Als er ins Oberland zog, baute er sein Hobby aus. «Das Bier fand bei Freunden und Bekannten grossen Anklang.»

2013 meldeten er und sein Schwiegersohn und Braupartner, Björn Leupi, den Betrieb an und wurden steuerpflichtig. Inzwischen verkaufen sie das Rotmoosbräu an Private und an Restaurationsbetriebe. Unter anderem wird es im Oberlandhof, Bönigen, in der Sonne, Matten, im Sternen, Därligen, in den Campings Seeblick, Bönigen, und Alpenblick, Unterseen, ausgeschenkt.

Es bleibt ein Hobby

Neu wird an der Dorfstrasse 25 in Därligen gebraut. Bis zu 50 Hektoliter jährlich. Mehr sollen es nicht werden. «Es ist und bleibt ein Hobby», hält Margelist fest. Entsprechend könne es sein, dass die Brauerei die Nachfrage nicht immer decken könne. Aber dies sei seinen Kunden bewusst. «Und es gibt ja viele kleine Brauereien, sodass man sicher ein anderes ­gutes Bier findet, wenn wir mal nicht liefern können.»

Die anderen Oberländer Brauer empfindet Margelist nicht als Konkurrenz. Er kenne einzelne und tausche sich mit ihnen auch aus – etwa mit demjenigen von Burgbier oder der Haarigen Kuh. «Gerade wenn wir Probleme haben oder irgendwo nicht weiterkommen, sprechen wir miteinander.» Margelist glaubt nicht, dass die Rugenbräu ein Problem mit den Kleinbrauern habe. «Sie sehen uns nicht als Gegner, eher als Bereicherung der Biervielfalt.»

Dem stimmt Rico Mühleis, Leiter Marketing und Verkauf bei der Rugenbräu, zu. «Dass in den letzten Jahren so viele neue Brauereien im Kanton Bern gegründet wurden, finden wir gut», meint er. Dies trage zur Biervielfalt bei und sporne die Grossen zusätzlich an, innovativer zu werden.

«Auch die Rugenbräu hat in den letzten Jahren reagiert, sei es mit den saisonalen Bieren wie dem Summer-Bier, dem Summer-Böckli oder dem Eiszapfen-Bier, welches schon bald wieder in den Verkaufsregalen steht.» Und man sei bestrebt, weitere Neuheiten zu lancieren, «um die Biervielfalt weiter voranzutreiben». Da die meisten der kleinen Brauereien nicht genug Bier produzieren könnten, habe der Boom keine Auswirkungen auf den Umsatz der Rugenbräu.

«Bier ist Geschmackssache»

Die Vielfalt sei der grosse Vorteil der kleinen Brauereien, meint Margelist. «Wir können nach unserer Philosophie brauen.» Die einen würden eher zu einem vollmundigen, andere zu einem hopfenlastigen Geschmack tendieren. «Für mich ist es völlig in Ordnung, wenn jemandem unser Bier nicht schmeckt, andere mögen es dafür umso mehr. Es ist schliesslich Geschmackssache. » (Berner Oberländer)

Erstellt: 28.09.2016, 21:23 Uhr

Thuner Homebrew Club

Im Raum Thun verzeichnet die Zollverwaltung rund 20 Brauereien. Ein Grund dürfte der Thuner Homebrew Club, mit über 40 Bierfans, darunter rund 30 aktiven Hobbybrauern, sein. Man trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat in der Café-Bar Alte Oele in Thun zum Stammtisch. Auch Nichtbrauer und -mitglieder seien willkommen, werden aber gebeten, sich anzumelden (auf der Website www.t-h-c.ch). Im Rahmen der Neuland-Ausstellung in Thun führt der Verein das 1. Micro Craft Beer Festival durch. «Von mehr als 10 lokalen Heim- und Mikrobrauern können Sie über 50 Biere entdecken», verspricht der THC. Neuland findet vom 3. bis 6. November in der Thun-Expo statt.

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