Ausgelaufener Gletschersee bescherte der Lenk viel Arbeit

Lenk

Schäden und Verunsicherung hat der Ausbruch des Faverges-Gletschersees verursacht. Nun will die Gemeinde vorbeugen.

Der Favergsee auf dem Plaine-Morte Gletscher.

Der Favergsee auf dem Plaine-Morte Gletscher.

(Bild: Bruno Petroni)

Fast 60 Kubikmeter Wasser pro Sekunde rauschten am 27. Juli bei der Messstelle Simmenfälle ins Tal, ein Fliessvolumen von 28 Kubikmetern pro Sekunde gilt schon als kritisch: «Die Überwachungsanlagen haben gegen 13 Uhr den Alarm ausgelöst.

Trübbach und Simme brachten Hochwasser, welches nach 17 Uhr sprunghaft angestiegen ist», hiess es damals seitens der Einwohnergemeinde Lenk. Die plötzliche Flut hatte Folgen: Bewohner und Gäste wurden aufgefordert, die Gewässerräume und Brücken zu meiden und den Anweisungen der Einsatzkräfte unbedingt Folge zu leisten. Im Kurs- und Sportzentrum wurden Unterkünfte für die rund hundert evakuierten Personen bereitgestellt.

Und es gab auch Schäden: Im Quartier Rothenbach-Nord standen die Keller von einem Dutzend Gebäuden voller Wasser und Schlamm. Bewohner eines Ferienhauses bezifferten den Schaden an ihrem Gebäude auf «mehrere Zehntausend Franken». Es gab Schätzungen über «Millionenschäden» im ganzen Quartier.

«Im Juli ist der Faverges-See auf dem Plaine-Morte-Gletscher in sehr kurzer Zeit ausgelaufen und hat vor allem im Gebiet Rezliberg, im Oberried und im Rothenbach grosse Schäden verursacht», heisst es nun in einer Mitteilung der Gemeinde. In enger Zusammenarbeit mit kantonalen Fachstellen sollen nun in einer ersten Phase Notmassnahmen im Rezliberg und beim Simmenfall umgesetzt werden, um die unmittelbare Gefahr zu dämmen.

Eine Sisyphusarbeit

So werde die sogenannte Schwappschwelle im Rezliberg wieder erstellt, die durch das Hochwasser komplett weggerissen wurde. Weiter wird beim alten und neuen Simmenlauf unterhalb der Barbarabrücke eine Gerinneausholzung durchgeführt.

Auch wird der Geschiebesammler im Oberried geleert, hier hatten sich rund 20'000 Kubikmeter Material abgelagert, welches zum Teil vom Rezliberg und teilweise vom alten Simmelauf ab Mündung des Bummerebachs stammt.

Dazu hätten bis zu zehn Lastwagen eingesetzt werden müssen, was zu einer grossen Belastung für die Anwohner im Oberried geführt habe. Die Leerung des Sammlers hat sich gemäss Mitteilung als Sisyphusarbeit herausgestellt, denn täglich seien bis zu 1500 Kubikmeter ­Material nachgeschwemmt worden.

Gemeindepräsident René Müller erklärte gestern, man ergreife in einem ersten Schritt Notmassnahmen, in einem zweiten Schritt brauche es mehr Infos von Experten, damit längerfristige Massnahmen realisiert werden könnten.

Experten sind gefragt

Deshalb hat der Gemeinderat beschlossen, eine Expertengruppe einzusetzen: Diese soll sich mit der Thematik künftiger Seeentwicklung und Entleerungsverhalten, beziehungsweise maximalen Abflussmengen und denkbaren Massnahmen, auseinandersetzen.

Die Expertengruppe soll sich in Absprache mit dem kantonalen Oberingenieurkreis I in Thun aus Fachleuten im Bereich Glaziologie/Naturgefahren zusammensetzen. Die Erkenntnisse der Expertengruppe bildeten dann die Grundlage des Gesamtprojekts für die Massnahmen an der Simme im Talboden.

Wie Müller weiter erklärt, sei punkto Finanzierung dieser Notmassnahmen in erster Linie die Schwellenkorporation in der Pflicht. Aber auch der Kanton werde gewisse längerfristige Projekte mitfinanzieren.

Sicher sei: Seit sieben Jahren gebe es immer wieder Ausbrüche des Gletschersees, «und mit solchen Entleerungen müssen wir auch in Zukunft rechnen». Er hält aber fest: «Eine akute Gefährdung herrscht derzeit nicht.»

Wie gross der Schaden in Zahlen gewesen sei, als sich der Faverges-See Ende Juli entleert habe, könne er aber nicht beziffern: «Das wäre reine Spekulation.»

Berner Oberländer

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