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Zuerst gebremst, dann gefordert

Eigentlich hätte die Musikschule in ihrem ­Rockcorner in der Kreuzpassage mit einer Konzertreihe durchstarten wollen. Doch das Vorhaben wurde jäh gestoppt – die Stadt pocht nachträglich auf ein Gesuch zur Umnutzung.

Patrick Jordi
Im Oktober führten sie vor, wie der Rockcorner der Musikschule inskünftig genutzt wird: Musikschulleiter Rainer Walker und Sängerin Pia Leiser. Gehen keine Einsprachen ein, soll es auch mit der geplanten Konzertreihe endlich losgehen.
Im Oktober führten sie vor, wie der Rockcorner der Musikschule inskünftig genutzt wird: Musikschulleiter Rainer Walker und Sängerin Pia Leiser. Gehen keine Einsprachen ein, soll es auch mit der geplanten Konzertreihe endlich losgehen.
Daniel Fuchs

Mit einem Band- und Übungsraum, der gleichzeitig als kleines Konzertlokal genutzt werden kann, wollte die Oberaargauische Musikschule Langenthal frischen Wind in die ziemlich verwaiste Kreuzpassage bringen. Zwar werden seit einigen Monaten tatsächlich auch Musikschüler unterrichtet im ehemaligen Geschäftslokal nahe der oberen Marktgasse. Die vorgesehene Konzertreihe aber liegt auf Eis.

Der Grund: Das Stadtbauamt hat die Musikschule dazu aufgefordert, nachträglich ein Baugesuch einzureichen. «Da es sich um eine Nutzungsänderung mit Auswirkungen auf die Umwelt handelt, ist das Vorhaben baubewil­ligungspflichtig», argumentiert Stadtschreiber Daniel Steiner.

Anscheinend hat das Stadtbauamt erst durch eine «nachbarschaftliche Anzeige» Wind bekommen von den Entwicklungen in der Kreuzpassage. Vorher sei das Projekt nicht bekannt ge­wesen.

Das Stadtbauamt wisse deshalb nicht, weshalb die Bauherrschaft nicht von sich aus ein Baugesuch eingereicht oder sich beim Bauinspektorat erkundigt habe, ob das Projekt bewilligungspflichtig sei. «Ein Versäumnis des Stadtbauamtes liegt nicht vor», sagt Steiner.

Schon umgestaltet

Tatsächlich liegt das Versäumnis bei der Musikschule. «Ein Gesuch war für uns von Beginn an gar kein Thema – wir wären gar nicht auf die Idee gekommen», beteuert Musikschulleiter Rainer Walker. Dies führt nun zu der etwas unglücklichen Lage, dass im ehemaligen Geschäftslokal des Grammo-Shops zwar schon bauliche Anpassungen für den Betrieb des Rockcorners vollzogen wurden – diese Massnahmen beziehungsweise die Umnutzung der Gewerbefläche aber noch gar nicht bewilligt sind.

«Ein Gesuch war für uns von Beginn an gar kein Thema – wir wären gar nicht auf die Idee gekommen.»

Musikschulleiter Rainer Walker

Aktuell läuft eine Einsprachefrist. Die Ge­suchakten sind bis zum 18. April am Einwohnerschalter der Stadt einsehbar.

Ausschlaggebend dafür, dass die Musikschule nun den Amtsweg beschreiten muss, ist eine Reklamation aus der Nachbarschaft. Die Stadt spricht von einer Anzeige. Diese Zeitung hat Kenntnis von einem Anrainer, der sich beim Stadtbauamt gemeldet hat – im Sinne einer Erkundigung.

Von einer Anzeige will die Person, die namentlich nicht genannt werden will, aber nichts wissen. Sie sagt nur: Von ihrer Seite sei kaum mehr mit einer Einsprache zu rechnen.

Fachstelle tritt auf den Plan

Der Nachbar hat nämlich die Gesuchakten der Musikschule studiert und gesehen: Es wurden bereits – auch ohne Aufforderung seitens der Behörden – Massnahmen getroffen, um den zu erwartenden Lärm einzudämmen. Was den Musikunterricht im Untergeschoss betrifft: Dort wurde – schon lange vor der Eröffnung des Rockcorners im vergangenen Herbst – eine Wand eingezogen und somit ein neuer Raum geschaffen.

Mit Naturwolle gefüllte Ikea-Gestelle, Vorhänge an den Wänden und an die Decke ­gehängte Tücher sollen dafür sorgen, dass der Schall in einem erträglichen Rahmen bleibt. Diese Massnahmen hat ein privater Tontechniker und Schlagzeuger empfohlen und letztlich auch überprüft. Im Rahmen des Baugesuchprozesses wird nun laut Rainer Walker aber noch die Fachstelle Lärmakustik des Kantons auf den Plan treten und die Gegebenheiten nachprüfen.

«Wir sind zuversichtlich»

Trotz des aufwendigen Verfahrens bleibt Walker zuversichtlich. Einen Rückbau des Rock­corners befürchtet er nicht. Die Stadt wie auch der Vermieter der Liegenschaft bekundeten beide ihr Wohlwollen.

Zusätzliche bauliche Massnahmen könnten womöglich im Bereich der Schall­isolation auf die Bauherrschaft zukommen, vermutet der Musikschulleiter. Er will aber nichts vorwegnehmen. «Wir sind zuversichtlich, dass am Ende alles gut herauskommt», sagt Walker.

Sechs Anlässe pro Jahr

So könnte es am Ende doch noch etwas werden mit der geplanten Konzertreihe in der ansonsten wenig belebten Kreuzpassage. Wie beim Musikunterricht auch – die Stunden sollen wochentags spätestens um 19.30 Uhr zu Ende sein – soll im Bereich der Konzerte und Anlässe nicht etwa über die Stränge geschlagen werden: Solche Veranstaltungen sollen gemäss den Gesuchakten sechsmal pro Jahr stattfinden (bis 22.30 Uhr).

Dabei werden maximal vierzig Besucher erwartet. Die Anlässe würden jährlich geplant und publiziert, heisst es. Die Konzerte für das laufende Jahr seien in Planung, heisst es auf der Website Rockcorner.ch. Eine genaue Orientierung soll folgen.

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