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Wo das Jassen schwierig ist

Leo Kneubühler, der ehemalige Präsident der Nachbargemeinde von Huttwil, von Ufhusen, sucht den Kontakt über die Kantonsgrenze hinweg. Ein Gespräch über eine besondere Nachbarschaft.

An diesem alten Grenzstein hat Leo Kneubühler Huttwil im Rücken.
An diesem alten Grenzstein hat Leo Kneubühler Huttwil im Rücken.
Olaf Nörrenberg
Parteilandschaft in den Nachbarregionen.
Parteilandschaft in den Nachbarregionen.
Grafik: dc
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«Ja, ich kann auch mit Huttwilerinnen und Huttwilern jassen», sagt der Ufhuser Leo Kneubühler. Selbstverständlich ist das nicht, denn bei ihm in Ufhusen gelten andere Jasskarten als im nahen Städtchen. Im Luzernischen die deutschen mit den Farben Schellen, Rosen, Schilten und Eichel, im Bernbiet die französischen mit Ecke, Herz, Schaufel und Kreuz.

Er sei früh dem SAC in Huttwil beigetreten, habe dort im Vorstand mitgewirkt und die Kasse geführt, erklärt er. Deshalb kennt er auch die französischen Karten. Überhaupt, hält er fest, habe Ufhusen traditionell enge Verbindungen über die Kantonsgrenze hinweg, obschon diese hier immer noch nachwirke (siehe Kasten rechts). «Willisau ist für uns viel weiter weg als Huttwil.»

Gemeinsam im Tourismus

Deshalb war es Leo Kneubühler als Gemeindepräsident von Ufhusen ein Anliegen, dass seine Gemeinde dem Huttwiler Verkehrsverein Pro Regio beitrat – als erste und bisher einzige Luzerner Gemeinde nach acht aus dem Bernbiet. Als er vor einem Jahr als ­Gemeindepräsident zurücktrat, blieb er im Pro-Regio-Vorstand. Die Kontakte über die Kantonsgrenze hinweg zu pflegen, mache für Ufhusen durchaus Sinn, ist er überzeugt, nicht nur im Tourismus, wo nach dem Grenzpfad Napfbergland mit dem Mammutland ein weiteres grenzübergreifendes Projekt ansteht.

Spätere Polizeistunde

Überhaupt sei die Kantonsgrenze auch zwischen dem Berner Oberaargau und dem Luzerner Hinterland bei allem, was über Jahrhunderte trennte, stets auch durchlässig gewesen, hält Leo Kneubühler fest und erinnert an die Berner Landwirte und Käser, die Ende des 19. Jahrhunderts bei ihnen eine neue Existenz fanden. Oder an die Huttwiler, die den Ausgang in den Ufhuser Beizen verlängerten, als dort noch eine spätere Polizeistunde galt. Schliesslich an die Anziehungskraft der Chilbenen – der alten Kirchweihefeste –, zum Beispiel in St. Urban oder eben in Ufhusen, auf die Berner.

Berner Wasser

Als die Ufhuser 1972 ihre Wasserversorgung ausbauten und in der eigenen Gemeinde zu wenig Wasser fanden, wurden sie schliesslich im Gebiet Hegen in Eriswil fündig. «Seither trinken wir mehrheitlich Berner Wasser», sagt er und schmunzelt.

Dass es im Luzerner Hinterland interne Grenzen gab, die Nachbarn ebenso stark trennen konnten wie die legendäre Brünig–Napf–Reuss-Linie, kann Leo Kneubühler aus seiner eigenen Familiengeschichte belegen. Traditionell sind im Kanton Luzern die Parteien CVP (die Roten) und FDP (die Schwarzen). Die Kneubühlers gehörten zu den Schwarzen. Leos Grossvater besuchte das Lehrerseminar. «Gerne wäre er in seiner Heimatgemeinde Ufhusen Lehrer und Posthalter geworden», erzählt der Enkel. Ein schwarzer Lehrer: Das ging im mehrheitlich roten Ufhusen nicht. Also wurde aus den Kneubühler die Posthalterdynastie, die diese Aufgabe von 1905 bis zur Aufhebung der eigenen Poststelle bekleidete.

Der Rat des Pfarrers

Sein Vater verguckte sich dann in ein Mädchen aus einer CVP-Familie. Der Vater des Mädchens war aber mit dieser Liebschaft gar nicht einverstanden. «Erst durch einen Besuch des Pfarrers liess er sich davon überzeugen, dass diese grosse Liebe doch die richtige sei für seine Tochter.»

Inzwischen haben sich diese Grenzen aufgeweicht, wie ein Blick auf die letzten Nationalratswahlen zeigt: Zwar ist die CVP im Wahlkreis Willisau nach wie vor die stärkste Partei, allerdings ist ihr die SVP hart auf den Fersen und hat die FDP auf Platz drei verdrängt. Unterschiede sind in den Parteienlandschaften aber nach wie vor vorhanden (siehe Grafik).

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