«Wir werden langsam wahrgenommen»

Madiswil

Mit der neuesten Ausstellung schlagen Ueli Bieri und Regula Bieri-Obrecht erneut einen Bogen über die Grenze in den Kanton Luzern. Sie haben mit dem Alten Schulhaus Wyssbach noch viel vor.

<b>Ueli Bieri, Willy Jost und Peter Friedli</b> (v.l.) in der aktuellen Ausstellung im ehemaligen Schulhaus Wyssbach.

Ueli Bieri, Willy Jost und Peter Friedli (v.l.) in der aktuellen Ausstellung im ehemaligen Schulhaus Wyssbach.

(Bild: Christian Pfander)

Jürg Rettenmund

Kinder unterrichtet Ueli Bieri in Schötz und Regula Bieri-Obrecht in Willisau, beide im Kanton Luzern. Doch auch zu Hause können sie Schulhausluft schnuppern. Vor gut drei Jahren erwarben sie das Alte Schulhaus in Wyssbach bei Madiswil. Schülerinnen und Schüler gingen dort in den Klassenzimmern zwar schon lange nicht mehr ein und aus. Würde man wieder Pulte hineinstellen, könnten Pädagogen aber gleich loslegen.

Eine pädagogische Ader hat auch Peter Friedli. Ausgebildeter Forstwart und Förster, organisiert er Waldprojektwochen für Jugendliche für die Stiftung Bildungswerkstatt Bergwald. Er füllt die Ausstellungsräume in Wyssbach jedoch nicht mit Pulten, sondern mit Holzobjekten aus Funden, die er in den Wäldern der Schweiz, Italiens und Frankreichs entdeckt hat. Hauptsächlich Kugeln sind es, die er aus Escholzmatt im Entlebuch mitbringt. 

Spuren des Lebens

Kugeln, die nicht nur die Jahrringe der Bäume in sich tragen, sondern weitere Spuren des Lebens. Zum Beispiel die eines Nussbaums, der angesengt wurde, als das Haus brannte, neben dem er stand, und dann noch fünfzig Jahre weiterwuchs, ehe er gefällt wurde. Oder jenes Buchenholz, das nach einem Erdrutsch fünfhundert Jahre im Lehm erhalten blieb, ehe es wieder zum Vorschein kam. 

1997 habe er aus einem Fichtenstamm seine erste Holzkugel gesägt, schreibt Peter Friedli auf seiner Website. Das Holz offenbare ihm, was es werden wolle, hält er fest. 2002 zog er ins Entlebuch, weil eine Försterstelle frei war. Dort lernte ihn Ueli Bieri kennen, der den Kontakt zu seiner Jugendheimat nicht verloren hat. Dieser kann dort unter anderem für die Unesco-Biosphäre Kurse geben. Nun ermöglicht er Peter Friedli die erste grössere Ausstellung ausserhalb von dessen Atelier.

Ein Bekannter für Bern

Künstler von beiden Seiten der Kantonsgrenze Bern/Luzern zusammenzuführen und gemeinsam vorzustellen, ist Ueli und Regula Bieri ein Anliegen geblieben, seit sie von Ohmstal nach Wyssbach umgezogen sind. Für den Berner Part konnten sie Willy Jost gewinnen. Sie freuen sich, den bekannten Fotografen aus Busswil bei Melchnau bei sich zu Gast zu haben.

Seit seiner Pensionierung 2011 konnte der Träger des Kulturpreises der Stadt Langenthal von 2016 sein Hobby zur Hauptbeschäftigung machen. In Wyssbach präsentiert er einen Querschnitt seines Schaffens, das nicht nur im Oberaargau und im Emmental entstand, sondern auch in Tibet und Nepal. Jost und Friedli ergänzen sich nicht nur über die Kantonsgrenze hinweg. Während der eine die Wände belegt, füllt der andere den Raum dazwischen.

 Wildpflanzen und Kräuter

Ausstellungen sind jedoch nicht das Einzige, womit Ueli und Regula Bieri dem Alten Schulhaus Wyssbach neues Leben einhauchen. Sie organisieren Konzerte und Vorträge und bieten Kurse zu Wildpflanzen und Kräutern an, zeigen, wie man daraus Salben, Tinkturen und Wickel herstellt. In diesem Jahr wurden sie damit ins Programm der Volkshochschule Oberaargau aufgenommen. Bereits am 3. April steht der nächste Vortrag auf dem Programm: Bruno Tanner spricht darüber, wie man gesund und stark durchs Leben kommt.

Für Ueli und Regula Bieri ist das ein Zeichen dafür, «dass wir im Oberaargau langsam wahrgenommen werden». Dabei verhehlen sie nicht, dass die Lage abseits des öffentlichen Verkehrs ein Nachteil ist. Ein Plus ist die ruhige Lage dagegen für die Ferienwohnung, die Ueli und Regula Bieri in der ehemaligen Lehrerinnenwohnung eingebaut haben – und die sie für die erste Vermietung in einem Sondereffort fertig ausbauen mussten.

Damit, sind Ueli und Regula Bieri überzeugt, ist das Potenzial des Alten Schulhauses jedoch noch lange nicht ausgeschöpft. Vom Sommer an wird er in der Sekundarschule in Schötz ein Urlaubsjahr beziehen, um sich ganz auf Wyssbach konzentrieren zu können. Er will in dieser Zeit Tagungen und Seminare akquirieren, für die er das Catering übernimmt. Frische Schulzimmerluft wird also weiter durch die Räume des heimeligen Hauses in Wyssbach wehen.

Ausstellung Willy Jost und Peter Friedli,vom 30. März bis 14. April, Samstag/Sonntag, 14 bis 18 Uhr, Freitag, 16 bis 20 Uhr. Vernissage: Samstag, 30. März, 18 Uhr. Websites: kunstundbieri.ch, willyjost.ch, magie-in-holz.ch.

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