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Wer hat Stefan Minders Erdbeerfeld vergiftet?

Erdbeerfelder wurden immer wieder von Vandalen heimgesucht. Es handle sich um mehr als einen Lausbubenstreich, ist der Besitzer inzwischen überzeugt.

Der Schweiss, den Thomas Minder am Dienstag unter der strahlenden Sonne vergoss, ist nicht das Einzige, was ihm zu schaffen macht.
Der Schweiss, den Thomas Minder am Dienstag unter der strahlenden Sonne vergoss, ist nicht das Einzige, was ihm zu schaffen macht.
Thomas Peter

Erdbeeren, frisch vom Feld geerntet, sind eigentlich eine süsse Sache. Süss sind sie für Stefan Minder nach wie vor. Und dies, obschon sie nach den Erfahrungen der letzten Jahre mehr als einen bitteren Nachgeschmack erhalten haben könnten.

Mit vier Mitarbeitern schwitzte Stefan Minder am Dienstag zwischen seinen Erdbeerstauden an der Hintergasse in Rohrbach: Es galt, diese mit Stroh zu polstern, damit die Früchte auf dieser Unterlage reifen können und nicht durch Erde und Nässe Schaden nehmen.

Doch nicht überall machen die heranwachsenden Stauden dem Landwirt Freude. Immer wieder hat es in den Reihen Löcher, oder die Pflänzchen sind verkrüppelt.

«Hier hat vermutlich jemand Glyphosat gesprüht», stellt Stefan Minder fest. «Und zwar mit einem professionellen Gerät.» Der definitive Analysebericht fehlt ihm zwar noch, doch alle Spuren deuten für den Erdbeerbauern darauf hin.

Nicht das erste Mal

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass dieser Vandalen auf seinem Feld hatte. Stefan Minder stammt aus Rohrbach, wohnt aber inzwischen in Wolfisberg und arbeitet in der Landi Oberbipp.

Der 42-Jährige ist gelernter Landwirt und übernahm vor zwanzig Jahren den elterlichen Betrieb an der Hintergasse. Im August 2015 pflanzte er erstmals Erdbeeren, immer mit dem Hintergedanken, auf seinen dorfnahen Feldern sei dies attraktiv für Selbstpflücker.

Vermutlich vergiftet: Verkrüppelte Pflanzen auf Stefan Minders Erdbeerfeld. Bild: Thomas Peter
Vermutlich vergiftet: Verkrüppelte Pflanzen auf Stefan Minders Erdbeerfeld. Bild: Thomas Peter

Als er im Jahr darauf erneut ein Feld bepflanzte, stellte er fest, dass die Stecklinge in grossem Stil eingetreten worden waren. Im Frühling darauf kamen weitere Schäden hinzu. Nun bedienten sich die Vandalen eines Werk­zeuges, mit dem sie die Stauden bodeneben abschnitten.

In den letzten Wochen blieb es nicht bei der Giftattacke. Zusätzlich stellte Stefan Minder fest, dass Kleegrassamen und Vogelfutter ausgestreut worden waren. «Wohl mit der Absicht, mir ein Unkrautproblem zu bescheren», vermutet er.

Dass immer seine Felder betroffen waren, wo immer er sie auch anlegte, lässt ihn vermuten, dass jemand gezielt ihm schaden will. Verdächtige will er gegenüber dieser Zeitung nicht nennen, solange er diese nicht überführen kann.

Anzeigen, Facebook

Immerhin beschränkte er sich nicht darauf, selbst die Augen und Ohren offenzuhalten. Bereits zum dritten Mal erstattete er Anzeige bei der Polizei – bisher allerdings ohne Erfolg. «Man machte mir von Anfang an wenig Hoffnung», erklärt er. Allerdings hatte er gehofft, die Vandalen beeindrucken zu können, wenn an den Tatorten Streifenwagen aufkreuzen. Das scheint bisher nicht der Fall gewesen zu sein.

«Ich hatte gehofft, es könnte die Vandalen beeindrucken, wenn an ihren Tatorten Streifenwagen auftauchen.»

Stefan Minder

Deshalb griff er nun zu einem weiteren Mittel und veröffentlichte seine Erfahrungen auf Facebook. Darin gibt er auch seine Erkenntnisse zum Täterprofil bekannt. Er oder sie müsse erwachsen sein, mindestens Schuhgrösse 38 bis 40 tragen, jedoch kleiner als 44.

Es könne sich nicht um einen Lausbubenstreich handeln, denn dazu gehe die Täterschaft zu systematisch und gezielt gegen ihn und seine Erdbeerfelder vor. Innert Tagesfrist wisse diese zum Beispiel, wenn er ein neues Feld anpflanze. Auch verfüge sie über gute Ortskenntnisse, stamme also vermutlich aus Rohrbach selbst.

Der Täter oder die Täterin halte sich vermutlich für sehr intelligent, vermutet Stefan Minder. «Eigentlich ist er oder sie aber strohdumm.» Er hofft deshalb, dass diese sich irgendeinmal verraten, und sei es auch nur, dass sie sich negativ über «Minders Äppeeri» äussern.

15 Kistchen für einen Test

Den Umfang des Schadens, der ihm bisher entstand, kann Stefan Minder nicht beziffern. Denn die letzten beiden Jahre waren zusätzlich meteorologisch ungünstig für Erdbeerkulturen. 2016 war es nass und kalt, und im Jahr darauf setzte später Frost den Blüten zu. Auch das führte zu Einbussen. Doch allein der Test der vergifteten Pflanzen auf Glyphosat kostet den Landwirt zum Beispiel 400 Franken. «Rund 15 Kistchen Erdbeeren muss ich verkaufen können, um diesen Betrag zu decken.»

Trotz allem gibt Stefan Minder nicht auf: «Ich werde mich der Wiederherstellung des Pflückfeldes widmen», schreibt er auf Facebook, «und freue mich jetzt schon auf euren Besuch, schon bald ist es so weit.» Drei bis vier Wochen dauere es noch, schätzt er. Dann sind die ersten von «Minders Äppeeri» rot und reif – und eine süsse Sache.

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