Oschwand

Wenn Bilder Erinnerungen wecken

OschwandSie ist einmalig: Die Ausstellung zu Cuno Amiet und Bruno Hesse im Schulhaus Oschwand, die gestern ihre Türen geöffnet hat. Die Nachkommen der beiden Künstler haben hierfür über 100 Bilder zur Verfügung gestellt.

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Simon Hesse (75) steht im Schulhaus Oschwand und blickt auf die beiden Porträts an der Wand. Zu sehen ist er selbst: einmal 1942 als einjähriges Kind, das andere Mal 1945 als Dreijähriger im Schüleratelier von Cuno Amiet. Der Sohn von Bruno Hesse erinnert sich noch schwach daran, wie er dem bekannten Maler Modell gesessen hat. «Es war mir dabei fürchterlich langweilig», sagt er und lacht.

«Ich hätte viel lieber mit dem kleinen Auto gespielt.» Das angesprochene Spielzeug ist auch auf dem Gemälde zu sehen.Die Bilder würden dabei helfen, sich an diese frühen Jahre zu erinnern, sagt Hesse. Zu sehen sind gleich daneben auch seine Schwester Christina Widmer-Hesse in jungen Jahren und Bruno Hesse selbst, als 14-Jähriger, kurz nach dessen Ankunft mit Vater und Schriftsteller Hermann Hesse auf der Oschwand. «Bruno war für die Amiets fast wie ein eigenes Kind», erzählt Daniel Thalmann (58).

«Spannender Querschnitt»

Der Urenkel von Cuno Amiet, der drei Jahre alt war, als sein Urgrossvater verstarb, ist wie Simon Hesse in diesen Tagen des Öf­teren auf der Oschwand anzu­treffen. Im Schulhaus wurde am Donnerstag im Rahmen des Amiet-Hesse-Wegs (wir berichteten) die neue Ausstellung ­eingeweiht.

Die Nachkommen der beiden Künstler haben hierfür zahlreiche Bilder aus dem Nachlass beigesteuert, auch Christina Widmer-Hesse hat Werke aus ihrem Privatbesitz zur Verfügung gestellt. Insgesamt sind so über 100 Bilder zusammen­gekommen.

Von Hesse sind neben Lithografien, Radierungen und Holzschnitten vor allem Aquarelle ausgestellt. Anders als bei Amiet, bei dem seine Zeichnungen und Ölbilder im Vordergrund stehen. «Die Ausstellung bietet einen spannenden Querschnitt, vom Früh- bis zum Spätwerk», sagt Daniel Thalmann.

Er weiss, dass einige der Bilder seines Ur­grossvaters, die im Schulhaus Oschwand zu sehen sind, schon lange nicht mehr öffentlich ausgestellt worden sind. «Letztmals wohl zu seinen Lebzeiten.»

Viele der Werke von Bruno Hesse waren bereits vor drei Jahren im Rahmen einer Ausstellung im Langenthaler Bütschlihaus zu sehen. Genau wie beim Amiet-Hesse-Weg, der am Donnerstag offiziell eröffnet wurde, war damals Beat Hugi Projektleiter. Doch auch unter den Hesse-Bildern finden sich unerwartete Trouvaillen: Simon Hesse verweist auf eine Serie von Aqua­rellen, die alle rund um die ­Oschwand entstanden sind.

Bruno Hesse hatte diese um 1920/1921 im Alter von 14 oder 15 Jahren gemalt. Von ihrer Existenz dürfte kaum jemand etwas gewusst haben. Sie wurden vor wenigen Jahren bei der Räumung des früheren Wohnhauses von Bruno Hesse überhaupt erst entdeckt.

Der leutselige Amiet

Fast alle Werke in der Ausstellung sind, wie die beiden Leihgeber ­betonen, rund um die Oschwand entstanden. Dort also, wo Cuno Amiet und Bruno Hesse nicht nur arbeiteten, sondern auch lebten. Im Dorf waren sie allseits bekannt. Wobei Amiet der Leutseligere der beiden gewesen sei, sagt Simon Hesse und schmunzelt.

Der Maler, der Bruno Hesse als seinen Ziehsohn betrachtete, war regelmässig nach der Arbeit um 18 Uhr am Stammtisch in der Wirtschaft Oschwand anzutreffen. Dort plauderte er mit den Einheimischen und genoss ein Gläschen Wein. «So kreativ wie er war, so organisiert war er auch», erklärt Daniel Thalmann.

Die Oschwand als Inspiration

Klar ist auch: Für die beiden Künstler war die Oschwand sehr wichtig. Zu Hesses Lieblingsplätzen gehörten etwa der Hasenweg und der Böglihoger. Auch Amiet hat die Gegend auf zahlreichen Bildern verewigt.

«Die Oschwand hat ihm viel gegeben», weiss Thalmann. Dass Beat Hugi die Werke nun eben dort erstmals zusammen ausstellt, freut beide Nachkommen. «Es war eine gute Idee, den Kunstweg und die Ausstellung am Ort des Geschehens zu machen», findet Simon Hesse.

Auf einem ersten Rundgang durch den Predigtsaal und die zwei Schulzimmer, in denen die Ausstellung zu sehen ist, zeigten sich Hesse und Thalmann Anfang der Woche zufrieden mit dem Ergebnis. Wobei sie dieses selbst überrascht hat. Die beiden hatten die Bilder geliefert, waren aber beim Aufbau selbst nicht beteiligt gewesen. «Von daher war das für uns nun auch ein Abenteuer», sagt Thalmann.

«Das Schulhaus ist ein guter Standort für die Ausstellung», findet er. Schliesslich sei sein Urgrossvater einer ge­wesen, der gerne die Jungen gefördert und motiviert habe. «Er konnte bei seinen Schülern Begeisterung wecken. Er hat ihnen Tipps gegeben, ihnen gleichzeitig aber auch genügend Freiraum gelassen.»

Porträts und Landschaften

Auf den frühen Bildern von seinem Vater seien die Einflüsse von Amiet noch gut zu erkennen, sagt Simon Hesse und zeigt auf ein Gemälde, das um 1920 entstanden sein muss. Kräftige Farben prägen das Aquarell. Ähnliche Farben finden sich auf Amiets ­Werken. Daniel Thalmann bleibt vor einem Ölbild stehen. Zu sehen ist eine abendliche, weisse Winterlandschaft. «Und trotzdem strahlt das Bild eine gewaltige Wärme aus», meint Thalmann. Unter den insgesamt 36 Amiet-Bildern befinden sich viele Landschaftsbilder, daneben aber auch mehrere Porträts.

Besonderen Gefallen findet Thalmann an Gemälden von der Obsternte. Dieses Sujet hatte Amiet gleich zu einer ganzen Serie inspiriert. Eines dieser Werke hängt im Predigtsaal. «Die Fülle an Farben ist ­beeindruckend», sagt Thalmann begeistert.

Die Amiet-Hesse-Ausstellungim Schulhaus Oschwand ist noch bis zum 3. September geöffnet.Öffnungszeiten: Donnerstag 16 bis 19.30 Uhr, Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 18 Uhr, Sonntag 13 bis 18 Uhr. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 13.08.2016, 08:03 Uhr

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