Oberaargau

Wenn 150 Pfader zusammen verreisen

OberaargauSieben Oberaargauer Abteilungen halten ihr Pfadilager in der Bretagne ab. Möglich wird das nur, weil die Organisatoren einen gewaltigen organisatorischen Aufwand auf sich genommen haben. Und finanziell unterstützt werden.

Der Langenthaler Bahnhof ist nur einer von sieben Einsteigeorten. Hier werden Gepäck und später die Pfader selbst verladen.

Der Langenthaler Bahnhof ist nur einer von sieben Einsteigeorten. Hier werden Gepäck und später die Pfader selbst verladen. Bild: Marcel Bieri

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Grosse Rucksäcke, braune Kleidung und die farbige Krawatte umgebunden: Das waren die Teilnehmer eines Pfadfinderlagers der besonderen Art, die sich am Samstag am Bahnhof in Herzogenbuchsee versammelt hatten. Zum ersten Mal fahren dieses Jahr alle sieben Abteilungen – Burgdorf, Herzogenbuchsee, Langenthal, Bätterkinden, Sumiswald, Roggwil, Kirchberg – aus dem Pfadibezirk untere Emme/Oberaargau zusammen weg.

Langenthal ist denn auch nur einer von sieben Zwischenstopps, auf dem die zwei Reisecars anhalten, um rund 80 Kinder und 30 Leiter einzusammeln, bevor die Reise dann richtig losgeht. Die Kinder verabschieden sich von ihren Eltern, die Leiter kontrollieren ein letztes Mal, ob alle eine gültige Identitätskarte dabeihaben, und dann geht es los, in Richtung Frankreich, in die Bretagne.

Eine neue Dimension

Das Logistikteam hat bereits vor anderthalb Jahren erste ­Abklärungen zum Personentransport getroffen. Das Organisationskomitee hat sich schliesslich für ein Schweizer Car­unternehmen entschieden. Trotz frühzeitiger Organisation stellt sich rund zwei Monate vor Lagerbeginn heraus, dass am geplanten Abreisetag, dem 29. Juli, keine Reisegruppen mit Jugendlichen unterwegs sein dürfen. Niemand kennt die genaue Begründung hier. Kurzerhand wurde die Abreise um einen Tag vorgezogen.

Das zu transportierende Material wurde vom Logistikteam bei den Abteilungen abgeholt und mit Autos und Anhängern auf den Lagerplatz gebracht.

Eine organisatorische Herausforderung war der Zeltplatz. «Wir hatten ein geeignetes Plätzchen gefunden. Doch plötzlich erhielten wir von den Besitzern keine Antwort mehr», erzählt Sabina Kohler, Teil des Kommunikationsressorts. Drei OK-Mitglieder reisten daraufhin in die Bretagne, um einen anderen Ort zu finden. «Jetzt campen wir auf dem Land eines ausgewanderten Eggiwiler Landwirts», sagt sie. Der habe ihnen auch geholfen bei der Kommunikation mit den lokalen Behörden.

Die Pfadfinder mussten sich nämlich anmelden und eine Bewilligung für das Zeltlager einholen. «Die Sprachbarriere war dabei nicht das eigentliche Problem. Aber es stellte sich heraus, dass die mündliche Kommunikation besser funktionierte als der Mailverkehr», sagt Kohler und lacht.

Check-in am Treffpunkt: Ehe die Pfadfinderinnen und Pfadfinder einsteigen können, müssen sie das Anmeldeprozedere durchlaufen. Bild: Marcel Bieri

Sponsoren tragen 40 Prozent

Grösserer Aufwand, höhere Kosten: Bei Gesamtausgaben von rund 100 000 Franken waren die Organisatoren froh um Sponsoren. Sie unterstützen das Unterfangen jetzt zu rund 40 Prozent finanziell. Dadurch konnten die Teilnehmerkosten erheblich gesenkt werden. Freuen würden sie sich besonders über den Zustupf des Rotary-Clubs Burgdorf, der einen Ausflug nach Brest ermögliche, betont die Medienverantwortliche. «Wir werden ein solches Lager nicht jedes Jahr machen. Diese zwei Wochen sollen etwas Aussergewöhnliches sein, an das man sich gerne erinnert», erklärt Kohler.

Für Notfälle gewappnet

Selber mit der Pfadi aufgewachsen, weiss Sabina Kohler, was den Reiz eines solchen Lagers ausmacht: «Man lernt neue Freunde kennen, ist den ganzen Tag draussen und probiert Sachen aus, die man zu Hause nicht macht», erzählt sie. Die Idee ist, dass die Kinder sich zu einem grossen Teil selbst beschäftigen und sich zurechtfinden. Da kann es auch einmal zu kleineren oder grösseren Unfällen kommen. «Das kann auch in der Schweiz passieren. In Frankreich haben wir aber doch einige Sachen zusätzlich abklären, organisieren oder versichern müssen», erklärt Kohler. So stehen etwa ein paar Autos mehr für einen allfälligen Krankentransport bereit. «Die Distanzen sind dort etwas grösser als bei uns», so die 21-Jährige.

Die Auslandversicherung selbst ist Sache der Teilnehmer. Durch das Lager sind die Kinder jedoch bei der Rega versichert. Für Notfälle tragen die Kinder ein spezielles Badge, auf dem ihr Name, eine Notfallnummer und eine kurze Erklärung in Französisch zum Grund ihres Aufenthalts stehen. Gegen schlechtes Wetter ist die Truppe ebenfalls gewappnet: Sollte plötzlich ein Unwetter aufziehen, ist eine Notunterkunft in 15 Minuten erreichbar.

Sie seien gut vorbereitet, sagt Sabina Kohler. «Jetzt freuen wir uns auf zwei Wochen Bretagne.» Vom gemeinsamen Lager versprechen sich die Verantwortlichen neue Freundschaften und Netzwerke – auch unter den Leitenden. «Es wäre schön, wenn wir künftig mehr zusammen unternehmen könnten», so Kohler. Nicht nur im Ausland, sondern das nächste Mal in der Schweiz – Aufwand hin oder her. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.07.2017, 16:44 Uhr

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