Melchnau

Weichen für einen Konsens gestellt

MelchnauUm langfristig den Hochwasserschutz auch im Unterdorf zu gewähr­leisten, hat die Gemeinde Melchnau zwei Teilstücke des ehemaligen Bahntrassees gekauft. Dem vom Verein Rottaler Bahntrail geplanten Veloweg soll dies aber nicht im Weg stehen.

Das Trassee der ehemaligen Bahnlinie von Roggwil nach Melchnau. Die Gemeinde hat dieses Teilstück gekauft.

Das Trassee der ehemaligen Bahnlinie von Roggwil nach Melchnau. Die Gemeinde hat dieses Teilstück gekauft. Bild: zvg

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Das Hochwasserschutzprojekt für das Oberdorf ist in Melchnau auf guten Wegen. Der Wasserbauplan soll bald vor die Gemeindeversammlung kommen. Und auch für das Unterdorf seien erste Massnahmen angedacht, informierte Gemeindepräsident Ulrich Jäggi (SVP) am Mittwoch die Medien. Anlass zur gemeinsam mit dem Verein Rottaler Bahntrail einberufenen Pressekonferenz gab die Tatsache, dass die Einwohnergemeinde im Zusammenhang mit eben­diesen Hochwasserschutzmassnahmen der zweiten Phase Anfang Jahr zwei Teilstücke des Trassees der ehemaligen Bahn­linie von Roggwil nach Melchnau gekauft hat.

Und dass dies Einfluss hat auf die Pläne des noch jungen Vereins, der auf besagtem Trassee den Bau eines Velo- und Inlineskatingwegs mit parallel verlaufendem Fussweg vorantreiben will. Er sei doch etwas erschrocken, als er im Dezember durch die Zeitung von den Plänen des Vereins gehört habe, räumte Jäggi am Mittwoch offen ein. Schon ein Jahr zuvor nämlich habe die Gemeinde der Aare Seeland mobil (ASM) ein Kaufangebot unterbreitet für die Streckenabschnitte zwischen der Landi und dem nördlichen Dorfausgang sowie weiter bis zur Gemeindegrenze zu Langenthal.

«Die einzige Möglichkeit»

Auf dem ersten Teilstück soll das heute eingedolte Busswilbächli dereinst im offenen Gerinne über das Bahntrassee geführt und nördlich des Dorfes wieder in den Dorfbach geleitet werden. Begehungen mit Experten hätten gezeigt, dass dies «die einzige Möglichkeit für eine schlaue Lösung» beim Hochwasserschutz im Unterdorf sei, so der Gemeindepräsident.

Das zweite Teilstück wiederum soll der Gemeinde zu gegebenem Zeitpunkt als Real­ersatzfläche dienen: für Land, das die dortigen Landwirte im Zug einer von Kanton und Gemeinde angestrebten Revitalisierung des Dorfbachs dereinst verlieren würden. Der Kauf des Bahn­trassees sei denn auch ganz im Sinne des kantonalen Revitali­sierungsfonds gewesen, der sich mit einem 78-Prozent-Anteil am Landerwerb durch die Gemeinde beteiligt habe, so Jäggi.

Nach einem Treffen zwischen Gemeinderat und Verein Rottaler Bahntrail von letzter Woche konnte der Gemeindepräsident nun aber auch bekannt geben: Die unterschiedlichen Absichten beider Parteien werden einander nicht konkurrenzieren. Der Trasseekauf der Gemeinde werde die Pläne des Vereins nicht beeinträchtigen. «Wir sind keine Gemeinde, die einmal grosse Industriebetriebe anziehen wird», so Jäggi. Dafür habe Melchnau seine Landschaftsperlen. Ganz sicher werde sich die Gemeinde daher nicht wehren gegen ein Projekt, das diese sogar hervorheben wolle.

Lösungsvarianten liegen vor

«Auch wir waren natürlich skeptisch, als wir erfahren haben, dass die Gemeinde einen Teil der Strecke kaufen will», sagte Vereinspräsident Mario Fracheboud. Inzwischen lägen aber bereits Lösungsvarianten vor. Das erste, ganz am Ende des Trassees im bebauten Gebiet gelegene Teilstück sei für den Veloweg ohnehin ir­relevant, führte Vereinsmitglied Kurt Schär aus. Die Interessenüberschneidung betreffe ein an sich nur kleines Teilgebiet. Der Verein sei überzeugt, dass eine für beide Seiten sinnvolle Lösung gefunden werden könne.

Abklärungen laufen

Von heute auf morgen, auch das machen Verein und Gemeinderat deutlich, werde eine Umsetzung ohnehin nicht erfolgen. Was den Hochwasserschutz angehe, wolle der Gemeinderat klar zuerst das Projekt im Oberdorf konkretisieren und umsetzen, erklärte Gemeindepräsident Jäggi. Dringend sei auch das Turnhallenprojekt. Die Planung des Revitalisierungsprojekts im Norden des Dorfes werde wohl erst in etwa acht Jahren angegangen.

Die Initianten des Bahntrails wiederum werden so lange sicher nicht warten. Mithilfe der Neuen Regionalpolitik werde derzeit ein Managementplan erstellt, so Vereinsmitglied Werner Stirnimann. Auch Gespräche zwischen Verein und ASM seien im Gang, erklärte Kurt Schär. Voraussichtlich im April werde der Verein über das weitere Vorgehen informieren können, stellte er in Aussicht. Eine Realisierung schon bis ins Jahr 2017, wie es die Initianten noch im Dezember in Aussicht gestellt hatten, sei dann allerdings doch ein bisschen zu knapp bemessen gewesen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 28.01.2016, 18:03 Uhr

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