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Von der Herberge zum Kunsthaus

Wo heute ein moderner Neubau mit Kunsthaus und -handel steht, kehrten in Roggwil vor über 150 Jahren Postkutschenreisende ein.

In den 1970er-Jahren erlebte der Landgasthof seine Blüte.
In den 1970er-Jahren erlebte der Landgasthof seine Blüte.
zvg
Der 2005 eröffnete Neubau ist heute ein Ort der Kunst.
Der 2005 eröffnete Neubau ist heute ein Ort der Kunst.
Thomas Peter
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Die Unterschiede zwischen den beiden Bildern an der Roggwiler Landstrasse von 1979 und dieser Woche könnten grösser nicht sein: Wo bis 2002 ein stattlicher Landgasthof stand, befindet sich heute hinter Mauern ein moderner Neubau. An dem Ort, von ­Inhaber René Brogli zuerst noch als Gourmettempel aufgebaut, findet man heute über drei Etagen verteilt Kunst.

Ein schwieriges Geschäft

«Obwohl wir bedeutende Werke von anerkannten Künstlern zeigen und neu auch an grossen Kunstmessen zugelassen sind, fehlt uns der rege Besucherstrom», bedauert Wolfgang Zäh, seit Anfang Jahr Direktor der Bromer Kunst. Erst im September ist das Kunsthaus um eine Etage aufgestockt worden, sodass nun über 160 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen. Mit «Synthesis», «Collector’s Choice» und «Rudolf Urech Seon» laufen aktuell drei Ausstellungen parallel. Ab März ist dann eine grosse Cuno-Amiet-Retrospektive zu sehen.

Dass die Bromer Kunst in Kunstkreisen noch immer nicht zu seiner Zufriedenheit Fuss fassen konnte, führt Inhaber René Brogli auf sein Wirken als Immobilienunternehmer zurück. «Für viele passt das nicht mit der Kunst zusammen», sagt er. «Noch immer wissen viele nicht, dass mein Herz heute mehr denn je für die Kunst schlägt.»

Auf dem Weg in den Orient

Jahrhundertwechsel. 1797 war es, als Johann und Maria Magda Grütter den Landgasthof Kal­tenherberge bauten. Allerdings war auch dieser wohl nicht der erste seiner Art. Wie in der Roggwiler Chronik nachzulesen ist, soll sich bereits zur Römerzeit eine Karawanserei an der alten Reichsstrasse befunden haben. Zur Zeit der Postkutschen diente die Wirtschaft an der Paris-Orient-Linie dann als Pferdewechselstation.

Über die Herkunft des Namens Kaltenherberge existieren mindestens zwei Versionen: Im süddeutschen Raum bezeichnet er eine exponierte, wenig geschützte Stelle – eben eine kalte Her­berge. Möglicherweise hatte das Roggwiler Gasthaus seinen Namen jedoch von der anfangs ­fehlenden Bewilligung, warme Speisen zuzubereiten und zu verkaufen.

Drei Generationen lang wurden der Gasthof und der dazugehörende Bauernhof von der Familie Grütter geführt. Mehr über die Kaltenherberge der neueren Zeit weiss Rudolf Baumann. Der ehemalige Kieferorthopäde und heutige Buchautor kennt die Geschichte des Hauses wie kein Zweiter. «Meine Grossmutter Anna wuchs in der ‹Chauteli›, wie der Gasthof im Volksmund genannt wurde, auf», erklärt er. «Und die spätere legendäre Wirtin und gute Seele des Hauses, Anni Groh-Grütter, war die Cousine meines Vaters.»

Das jähe Ende

Seine Blütezeit erlebte der Gasthof wohl in der Mitte des 20. Jahrhunderts, als der gesamte Verkehr zwischen Bern und Zürich am Haus vorbeirollte respektive ebendort haltmachte. Anni Groh blieb bis 1980 Gastgeberin im «Chauteli». 1981 ging das Gasthaus in den Besitz von Urs Baumann über, dem ehemaligen Besitzer der Lantal AG. Dieser setzte jeweils Pächter ein. Von 1990 bis 2002 führte Hans-Rudolf Stalder den Gasthof. Ein Brand, ausgelöst durch einen technischen Defekt an einem Fernsehapparat, kostete das Leben einer Angestellten und bedeutete auch das Ende des Traditionshauses.

Nach einigem Hin und Her ging das Land mit der Brandruine an den heutigen Besitzer René Brogli über. Das Experiment, ab 2005 mit Kochweltmeister Ivo Adam und unter dem Namen Apropos-Kaltenherberge an den Erfolg des früheren Restaurants anzuschliessen, misslang jedoch ebenso wie der Versuch, die Kaltenherberge an den Langenthaler Unternehmer Michael Brunner zu veräussern. Mit dem Kunsthaus ist nun Ruhe eingekehrt. Die Gastronomie hingegen beschränkt sich auf ein nicht öffentliches Café für die Ausstellungsbesucher.

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