Aarwangen

Vom Freudenhaus zum Polizeiposten

Aarwangen Bis 2005 wurde an der Langenthalstrasse ein illegales Bordell betrieben. Dann die krasse Wandlung: Nach der Sanierung bezogen Polizisten die Liegenschaft im Dorfzentrum.

Bis vor 13 Jahren stellte das Etablissement einen Schandfleck im Dorf dar. Dann wurde das Holzhaus umfassend saniert. (Fotos: Marcel Bieri)


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Das Holzhaus war den Aarwanger Behörden um die Jahrtausendwende ein Dorn im Auge: Ein Massagestudio «für konventionelle und für spezielle Feinmassage» wurde in diesen vier Wänden betrieben. Illegal allerdings, liess das Baureglement doch eigentlich kein solches Etablissement im Dorfkern zu.

Die Dame, die dort ihre Dienste anbot, umging das Gesetz, indem sie ihre Freier als «Kollegen» bezeichnete, wie die Berner Zeitung 2005 berichtete. In Aarwangen war es indes ein offenes Geheimnis, was hinter den verschlossenen Türen des Holzhauses passierte. Selbst unter den Schulkindern wurde getuschelt, und vor allem die Knaben versuchten ab und an, einen Blick ins Innere des Gebäudes zu werfen. Meistens jedoch ohne Erfolg. Für viele Dorfbewohner war die Liegenschaft indes ein Schandfleck. Das wurde bei Diskussionen an Gemeindeversammlungen nur zu deutlich. Dass die Thematik die Gemüter nach wie vor erhitzt, zeigt eine aktuelle Recherche dieser Zeitung.

Strom gekappt

Den Garaus machte dem einen Freudenhaus in Aarwangen schliesslich Rudolf Oppliger. Als der vorherige Liegenschaftsbesitzer in finanzielle Nöte geriet, griff der Geschäftsmann vor 13 Jahren zu. Sobald die «Masseuse» ihre Miete nicht mehr bezahlt hatte, fackelte der Immobilienbesitzer nicht lange: Kurzerhand kappte er die Stromzufuhr. «Sie machte noch etwa zwei Wochen bei Kerzenlicht weiter», sagte Oppliger damals. Dann sei sie auf einmal verschwunden gewesen.

Normalerweise würden weder er noch seine Mitarbeiter so mit Mietern umgehen, sagte der Geschäftsmann weiter. Aber ein Bordell mitten im Dorfkern würde weder dem Ruf der Gemeinde noch den Immobilienpreisen einen Gefallen tun. Der neue Liegenschaftsbesitzer liess das verlotternde Holzhaus komplett sanieren. Es wurde neu eingedeckt, und die Fassade erhielt einen hellblauen Anstrich. Zudem liess Rudolf Oppliger zwei Balkone an der Front anbauen. Diese sind auf der aktuellen Aufnahme gut zu erkennen. Der gar dürftige Balkon auf der Seite musste dafür einer innen liegenden Passage weichen.

Neue Mieter

2006 bezogen schliesslich sechs Kantonspolizisten die sanierten Räumlichkeiten auf zwei Etagen. Der Umzug von der Riedgasse an die Langenthalstrasse erfolgte im Rahmen des Projekts «Aida». Dabei überprüfte die Kantonspolizei Bern Anfang der 2000er-Jahre die Strukturen, Bestände und Aufgaben des Korps. Die Anzahl der Beamten in Aarwangen wurde von drei auf sechs erhöht, dafür wurden die Oberaargauer Posten von Niederbipp und Roggwil geschlossen.

Auch im obersten Stock wurde die Wohnung saniert und an eine Privatperson vermietet. 12 Jahren nach dem Einzug befindet sich der Posten der Kantonspolizei nach wie vor an der Langenthalstrasse 27. Heute kann man sich kaum mehr vorstellen, dass dort vor noch gar nicht allzu langer Zeit rote Herzen im Fenster prangten. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 15.04.2018, 21:19 Uhr

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