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Traditionsreiches Bad im Wandel

1904 musste ein Gast des Bades Gutenburg seine Nachricht an den Adressaten noch am Rand des Bildes einfügen. Er hat vielleicht noch in der Dépendence übernachtet, die 2007 abgerissen wurde. Sie war baufällig, und der Platz wurde für den Parkplatz benötigt.

Der Gasthof Bad Gutenburg heute: Die Dépendence wurde vor zehn Jahren abgebrochen, weil sie baufällig war. Die Hotelzimmer befinden sich nun alle im Hauptgebäude, das bereits 1895 und 1911 kräftig ausgebaut worden war. Die Umgebung dient als Parkplatz.
Der Gasthof Bad Gutenburg heute: Die Dépendence wurde vor zehn Jahren abgebrochen, weil sie baufällig war. Die Hotelzimmer befinden sich nun alle im Hauptgebäude, das bereits 1895 und 1911 kräftig ausgebaut worden war. Die Umgebung dient als Parkplatz.
Olaf Nörrenberg

Diese alte Postkarte wurde am 13. August 1904 abgestempelt. Sie zeigt das Bad Gutenburg vor den grossen Ausbauten der Jahre 1895 und 1911, als das längs der Strasse stehende Haus einen quer dazu liegenden rückseitigen Anbau erhielt. Dafür steht noch die 2007 abgebrochene Dépendence.

Das Bad Gutenburg Ende des 19. Jahrhunderts: Links das 1850 neu erstellte Hauptgebäude, rechts die Dépendence mit zusätzlichen Hotelzimmern. Alles eingebettet in einen lauschigen Park. Bild: zvg
Das Bad Gutenburg Ende des 19. Jahrhunderts: Links das 1850 neu erstellte Hauptgebäude, rechts die Dépendence mit zusätzlichen Hotelzimmern. Alles eingebettet in einen lauschigen Park. Bild: zvg

In Gutenburg wurde nachweislich seit 1370 gebadet, und zwar im Wasser einer Mineralquelle, deren Wasser kohlensaures Eisenoxyd und Magnesium sowie verschiedene Kalkverbindungen enthielt. Dieses konnte nicht nur zum Baden, sondern auch für Trinkkuren verwendet werden, wie der Website des Gasthofes entnommen werden kann.

Als 1980 die Burgergemeinde Lotzwil den Traditionsbetrieb übernahm, befand sich die Dépendence bereits in einem desolaten Zustand und hatte mit dem Hotelbetrieb nichts mehr zu tun, wie sich Burgerpräsident Erich Greub erinnert.

Zuletzt Brockenstube

Zuletzt betrieb der Frauenverein Lotzwil-Gutenburg in den ehemaligen Gästezimmern noch eine Brockenstube. Doch mit der Zeit leckte das Dach, das eindringende Wasser setzte der Bausubstanz zu, sodass die Brockenstube am 30. Juni 2007 mit einem Fest geschlossen wurde. Auf dem Bad-Areal wurden Marktstände aufgestellt, der Frauenverein und das Restaurant führten eine Festwirtschaft. Um 14 Uhr wurde eine Modeschau gezeigt, und um 16 Uhr orientalischer Tanz vorgeführt. Danach wurde die Dépendence abgebrochen.

Der älteste Teil des Bades stammt übrigens ebenfalls nicht von 1370. 1849 fiel das alte Bad einem Brand zum Opfer, im Jahr darauf wurde es neu gebaut. Zum Ende des Bade- und Kurbetriebs vernimmt man auf der Website des Gasthofes: «Nach dem Ersten Weltkrieg verschwanden die vertrauten Bilder der vornehmen Kurgäste, die mit ihren auf Hochglanz polierten Landauern und Chaisen, gezogen von glänzend gestriegelten Pferden, im Bad Gutenburg vorfuhren. Die dem Kriege folgenden Krisenjahre, jedoch vor allem das Versiegen der Mineralquelle, bedingten die Einstellung des Kurbetriebes.»

Stürmische Entwicklung

Die Postkarte ist daneben über das Bad Gutenburg hinaus von Interesse. Sie steht ebenso für einen Entwicklungsschritt der Ansichtskarte. Eingeführt wurde sie gemäss Historischem Lexikon der Schweiz 1869 in Österreich als Korrespondenzkarte. Weil ihr Porto nur halb so teuer war wie das für einen Brief, erlebte sie eine stürmische Entwicklung, der sich auch die Schweizer Post anschloss. Bäder, Hotels und Handelshäuser setzten sie schon bald als Werbemittel ein, versehen mit einer Abbildung ihres Hauses.

Die Rückseite der Karte war ursprünglich der Adresse und der Frankatur vorbehalten. Der Gast aus dem Bad Gutenburg musste seine Nachricht deshalb auf den Rand der Abbildung schreiben, was hier noch knapp möglich war. 1905 beschloss die Oberpostdirektion deshalb, die Adressseite der Karte zu halbieren, sodass die Absender ihre Nachricht dort anbringen konnten und die Bildseite frei wurde.

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