Langenthal

Tauschhandel im Sinne der Nachhaltigkeit

LangenthalZum zweiten Mal lockte am Wochenende eine Walk-In-Closet-Kleiderbörse nach Langenthal. Das Old Capitol platzte beinahe aus allen Nähten.

Organisatorin Nicole Baumann freuts: Der Tauschgedanke ist im Oberaargau angekommen.

Organisatorin Nicole Baumann freuts: Der Tauschgedanke ist im Oberaargau angekommen. Bild: Olaf Nörrenberg

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Während in den kalten, leer gefegten Strassen von Langenthal kaum eine Seele anzutreffen war, stand man sich am Sonntagvormittag im Old Capitol gegenseitig auf die Zehen. Noch nicht einmal eine Stunde nach Türöffnung konnte Nicole Baumann schon 100 Eintritte verzeichnen.

«Wir sind sehr überrascht über den Andrang», sagt die sichtlich erfreute Organisatorin, während ihre knapp zehn Helferinnen unablässig Kleider inspizieren, sortieren und aufhängen. Seit 2011 werden unter dem Namen Walk-In Closets an diversen Standorten in der Schweiz Kleiderbörsen durchgeführt. Die erste in Langenthal fand letzten April statt – damals noch mit nicht einmal halb so viel Publikum. «Das zeigt uns, dass das Konzept funktioniert und die Menschen sich vermehrt auch Gedanken zum Thema machen», sagt Baumann.

Ob Blusen, Jacken, Schuhe, Hemden oder Mantel: Dem überwiegend weiblichen Publikum (aber auch den einzelnen Männer) steht an diesem Morgen eine grosse Auswahl zur Verfügung. Das Old Capitol ist vorübergehend zu einem riesigen, begeh­baren Kleiderschrank mutiert. Es gibt Getränke, dezente Hintergrundmusik, Zeit für einen Schwatz. Entsprechend gut ist die Stimmung im Saal.

Das Prinzip ist einfach: Man zahlt fünf Franken Eintritt, gibt bis zu zehn gut erhaltene Kleiderstücke an die Börse ab und kann dann wiederum bis zu zehn Stücke mitnehmen. Damit ist ein konstanter Kreislauf garantiert. Übrig gebliebene Kleider werden anschliessend an wohltätige Organisationen gespendet.

Eine Industrie im Argen

Die Tauschbörse ist jedoch mehr als nur eine Möglichkeit, günstig neue Kleider zu ergattern. Der aus einem Praxisprojekt einer Studentin hervorgegangene Verein Walk-In Closet Schweiz will auf die globalen Auswirkungen von Kleiderproduktion und ­-handel hinweisen. Unwürdige Arbeitsbedingungen, lange Transportwege, enormer Energieverbrauch, Umweltverschmutzung: In der Textilindustrie liegt schon seit langem vieles im Argen.

Das Motto des Vereins, «Tauschen statt kaufen», drückt deshalb bereits den zugrunde liegenden Gedanken des nachhaltigen Konsums aus. Die Leute sollen über ihren Kleiderkonsum ­reflektieren und für die Nach­haltigkeit sensibilisiert werden. «Wir wollen alternative Lösungen zu diesem ganzen Textilwahnsinn bieten», sagt Nicole Baumann. Deshalb sind an den Events auch stets Leute von Public Eye präsent, die über die Thematik von Kleiderproduktion und nachhaltigen Konsum informieren. Die NGO engagiert sich für entwicklungspolitische Anliegen, unter anderem eben auch in der Textilindustrie.

Fortsetzung folgt

Auch Simon Aebi vom Kulturverein Old Capitol freut sich über den Andrang. «Es macht Sinn, das Lokal an Sonntagen auf diese Weise zu nutzen.» Es sind denn, neben dem regulären Programm, auch weitere ähnliche Anlässe geplant, so etwa ein Flohmarkt. Die nächste Tauschbörse findet im April statt. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 29.10.2017, 17:19 Uhr

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