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Steuererträge so hoch wie nie

Das Jahresergebnis 2018 der Stadt zeigt sich besser als gedacht. Das lässt den Gemeinderat aufschnaufen. Nur die Börse macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Als Roberto Di Nino damals das Budget präsentierte, sah das Ergebnis schlechter aus.
Als Roberto Di Nino damals das Budget präsentierte, sah das Ergebnis schlechter aus.
Thomas Peter

Entspannt sitzen die drei Herren im Sitzungszimmer des Glaspalasts. Roberto Di Nino, Gemeinderat Ressort Finanzen (SVP), Thilo Wieczorek, Vorsteher des Finanzamts, und Stadtpräsident Reto Müller (SP). Er habe die Entwicklung zwischenzeitlich kommen sehen, sagte Di Nino. «Wir sind dennoch erfreut.» Und Müller doppelt nach: «Sehr, sehr, sehr erfreut.» Gemeint ist das Jahresergebnis 2018 der Stadt Langenthal.

Dieses liegt im steuerfinanzierten Haushalt mit 1,07 Millionen Franken zwar im Minus, schliesst aber um 1,5 Millionen Franken besser ab als erwartet. Ein Minus von 2,6 Millionen Franken war im Budget veranschlagt, beim Gesamthaushalt war es sogar ein Defizit von 2,8 Millionen Franken. Der Druck auf die Gemeinde wäre damit grösser geworden. Jetzt aber dürfte er kleiner sein – zumindest ein bisschen.

Entwicklung gegen Trend

Die Gründe sind schnell gefunden: Einerseits nahm die Stadt bei Kanalisationsanschlüssen deutlich mehr ein, andererseits sind die Steuererträge weitaus höher als budgetiert. Di Nino spricht von einem «absoluten Rekordjahr», denn noch nie überschritt Langenthal bei der Einkommenssteuer die Schwelle von 24 Millionen Franken– nicht einmal vor zehn Jahren mit einem Steuerfuss von damals 1,48 (heute 1,38).

Zum guten Ergebnis beigetragen haben gemäss Di Nino ausserordentliche Einmal-Effekte bei Einzelanlagen. Gerade bei den juristischen Personen zeigt sich eine Aufwärtstendenz.

«Diese Entwicklung freut mich sehr, gerade auch weil sie gegen den Trend geht», sagt der Finanzminister. Die hohen Einnahmen von sechs Millionen Franken sind vor allem einigen wenigen ertragsstarken Firmen geschuldet. Diese hätten sich vom Euro-Schock erholt undseien heute offenbar besser aufgestellt.

Di Nino: «Wir haben eine stabile Gewerbelandschaft.» Ungebrochen ist gemäss Wieczorek auch die Nachfrage nach Wohneigentum. Das Interesse von Arbeitskräften, nach Langenthal zu ziehen, sei gross.

Grosser Börsenverlust

Stark zugenommen haben in Langenthal auch die Erträge beim Lastenausgleich Sozialhilfe. Die Abweichung zum Budget ist jedoch nur auf den ersten Blick positiv. Denn diese kantonalen Beiträge seien ein Abbild davon, dass die Kosten der Sozialhilfe gestiegen sind, gibt Di Nino zu bedenken. Er verfolge die Entwicklung mit Sorge.

Allgemein bezahlt die Stadt total bereits 19 Millionen Franken in den kantonalen Lastenausgleich ein. «Wir glauben aber, den Höhepunkt erreicht zu haben.» Ein Grund für diese Annahme sei etwa der neu berechnete Beitrag aus dem Finanzausgleich (eine Million Franken), den Langenthal als Oberaargauer Zentrumsgemeinde beansprucht.

«Wir dürfen uns wegen dem Ergebnis nicht in falscher Sicherheit wiegen.»

Roberto Di Nino (SVP), Gemeinderat Ressort Finanzen

Die Rechnung aus dem letzten Jahr wäre eigentlich beinahe mit schwarzen Zahlen dahergekommen, wären da nicht die Sonderfaktoren gewesen. Zumindest einer: Wertschriftenverlust.

Obwohl die Stadt mit Papieren im Wert von 30 Millionen Franken an der Börse konservativ agiert, machte die turbulente Börsenentwicklung der Gemeinde einen Strich durch die Rechnung.

Das Minus von drei Prozent beträgt so über eine Million Franken, allerdings entwickle sich der Markt in diesem Jahr weitaus positiver, so Di Nino. Der Verlust sei damit beinahe wieder wettgemacht.

Stadt nimmt mehr Darlehen

Auffallend im Jahresergebnis ist auch, dass die Stadt deutlich mehr Darlehen aufnimmt als in früheren Jahren. Obschon sie noch über Finanzanlagen im Wert von 30 Millionen Franken besitzt, die sie verkaufen könnte.

«Unser hohes Eigenkapital macht uns zu einer attraktiven Schuldnerin», begründet Di Nino. Kein Wunder, denn der Bilanzüberschuss beträgt nach wie vor fast 80 Millionen Franken. Reto Müller ergänzt, Langenthal erhalte Negativzinsen für ein Darlehen, mache also gegenwärtig sogar Geld.

Einsparungen hier, Mehrerträge da. Das gute Finanzjahr ändert nichts an der Tatsache, dass Langenthal weiter mit einem strukturellen Defizit kämpft. Di Nino: «Wir dürfen das Ergebnis nicht als Anlass brauchen, uns in falscher Sicherheit zu wiegen.»

Aber klar sei auch, dass mit dem Eigenkapital die Finanzen der Stadt weitaus solider sind als in vergleichbaren Städten im Kanton Bern. Gemäss dem Finanzminister ist Langenthal heute gar zehnmal besser positioniert als andere. Trotz neuerlichem Defizit.

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