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Sie ruhen sich nicht aus

Die gemeinnützige Berggesellschaft Wäckerschwend hat sich seit ihrer Gründung 1856 stark gewandelt — vom landwirtschaftlich geprägten zum kulturellen Verein. Ihrer Tradition ist sie aber bis heute treu geblieben.

Präsidentin Therese Fankhauser und Vorstandsmitglied Markus Wälchli (rechts) betreiben die Berggesellschaft heute vor allem als Kulturverein. Walter Gurtner kümmert sich um die Erstellung und den Unterhalt der Ruhebänkli.
Präsidentin Therese Fankhauser und Vorstandsmitglied Markus Wälchli (rechts) betreiben die Berggesellschaft heute vor allem als Kulturverein. Walter Gurtner kümmert sich um die Erstellung und den Unterhalt der Ruhebänkli.
Christian Pfander

«Wir sind mit der Zeit gegangen.»

Therese Fankhauser, Präsidentin der Berggesellschaft Wäckerschwend

«Wahrheit suchen, Tugend üben, Gott und Menschen herzlich lieben.» Ihre Losung allein lässt schon vermuten, dass die gemeinnützige Berggesellschaft Wäckerschwend (GBGW) einige Jahre auf dem Buckel hat. Fast 163, um genau zu sein. «Und es gibt uns immer noch», sagt Präsidentin Therese Fankhauser und schmunzelt. Dies aber auch nur, weil der als Verein organisierten Gesellschaft immer wieder der Wandel gelungen sei. «Wir sind mit der Zeit gegangen.»

Therese Fankhauser, die mittlerweile seit 20 Jahren im Vorstand sitzt, steht hierfür exemplarisch: Wurde die GBGW doch über viele Jahre einzig von Männern und in ihren ersten 50 Jahren sogar nur von Landwirten präsidiert. Was wiederum mit den Anfängen der Gesellschaft zu tun hat.

1856 in der Sonne Wäckerschwend gegründet, besass sie schon früh stark agrikulturelle Züge. «Sie war der Vorläufer der heutigen landwirtschaftlichen Genossenschaften», sagt Vorstandsmitglied Markus Wälchli. Die Tätigkeit auf dem landwirtschaftlichen Gebiet nehme im «Leben und Streben der Gesellschaft» den breitesten Raum ein, heisst es denn auch in der Festschrift zum 50-Jahr-Jubiläum.

Die Mehrzahl ihrer Mitglieder bestand von jeher aus Bauern, weshalb schon in den ersten Versammlungen über landwirtschaftliche Fragen diskutiert wurde. Dies zeigt auch ein Blick auf die Vortragsthemen, die in den ersten 25 Jahren im Auftrag der GBGW gehalten wurden: Die Mitglieder liessen sich etwa über die Vieh- und Schweinezucht, die Dünger- und die Gesundheitslehre der Haustiere oder die Forstwirtschaft informieren. An den Tagungen nahmen bis zu 800 Leute teil.

Auch dem Obstbau wurde viel Aufmerksamkeit gewidmet. Insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg rückten die bauernkulturellen Tätigkeiten immer stärker in den Vordergrund. Um die Produkte aus der Landwirtschaft an den Mann zu bringen, wurde bereits 1858 die erste Ausstellung organisiert. Später folgte die Durchführung des jährlichen Samenmarkts.

Politische Themen

Schon früh engagierte sich die Gesellschaft auch für politische Anliegen. So wurden an den Versammlungen Abstimmungsvorlagen oder Gesetzesentwürfe präsentiert, von Gross- oder sogar Nationalräten aus der Region. Man diskutierte zum Beispiel darüber, die Langenthal-Huttwil-Bahn zu erstellen oder Anteilsscheine der Gotthardbahn zu kaufen und gab Anstoss zum Bau neuer Strassen in der Region.

Auch unter den Mitgliedern selbst fanden sich Politiker: So sass etwa der erste Präsident und Mitgründer Johann Möschler von 1864 bis 1881 im Berner Grossrat. «Resolutionen waren an der Tagesordnung und Eingaben an die Regierung nichts Seltenes», ist in der Festschrift zu lesen.

Nur dank ihres politischen Einflusses habe die Gesellschaft innerhalb von so kurzer Zeit so stark wachsen können, vermutet Markus Wälchli. Schon bald nach ihrer Gründung zählte die Gesellschaft fast 100 Mitglieder. Diese kamen nicht nur aus Ochlenberg oder Seeberg, sondern auch aus Ursenbach, Wynigen oder etwa Grasswil. «Das Einzugsgebiet war damals noch wesentlich grösser», so Wälchli.

In den ersten Statuten ist ausserdem zu lesen, dass sich die Gesellschaft um den Ausbau des Schul- und Armenwesens sowie der gemeinnützigen Institutionen bemühte. 1869 gründete sie sogar eine Krankenkasse, später legte sie eine Bibliothek an.

Ein besonderes Anliegen war der Gesellschaft auch die Volksbildung. So wurde etwa über Themen wie häusliche Erziehung, Aberglauben oder das neue Primarschulgesetz referiert. Auf Anregung der GBGW wurden zudem freiwillige Abendschulen gegründet. Auch den Frauen und Töchtern wurden Fortbildungsmöglichkeiten geboten. 1884 fand der erste Haushaltskurs statt.

Eine Lücke gefüllt

Und wie ist das heute? Braucht es die GBGW überhaupt noch? Fankhauser lächelt. Diese provokante Frage bringt sie nicht aus der Ruhe. Ihr Verein, der aktuell 145 Mitglieder hat, habe sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu einem Kulturverein entwickelt. Als solcher fülle er in der Gemeinde Ochlenberg eine Lücke aus. Denn kulturelle Veranstaltungen seien zwar gefragt, in der Gemeinde aber eher rar gesät.

Das Programm ist breit gefächert und reicht von öffentlichen Konzerten, Lesungen, Ausstellungen über Wanderungen bis hin zur Durchführung des Adventsfensters. Bis zu fünf Anlässe pro Jahr sind es. Zudem erstellt und unterhält die Berggesellschaft seit den 1960er-Jahren die Ruhebänke im Einzugsgebiet rund um Ochlenberg, Hermiswil, Oschwand, Juchten und Riedtwil. Diesen Frühling wird das insgesamt 28. Bänkli hinzukommen — für den Amiet-Hesse-Weg.

Unabhängig

Direkte Verbindungen zur Landwirtschaft oder zur Politik besitzt die Gesellschaft, die sich allein durch ihre Mitgliederbeiträge finanziert, heute kaum noch. Das Publikum, aber auch der neunköpfige Vorstand seien durchmischt, sagt Markus Wälchli. Wie in den vor knapp 20 Jahren total revidierten Statuten nachzulesen ist, handelt es sich bei der GBGW mittlerweile um einen parteipolitisch und konfessionell unabhängigen Verein.

Vom ursprünglichen Zweck haben vor allem die sozialen und gesellschaftlichen Anliegen überlebt. «Der Wille, möglichst alle Bevölkerungsgruppen durch gesellige, kulinarische, kulturelle oder informative Anlässe zusammenzubringen, ist geblieben», sagt Therese Fankhauser.

Und man ist der Tradition weiterhin verbunden. So werden immer wieder mal Vorträge zu landwirtschaftlichen Themen organisiert, zum Beispiel zum Kräuteranbau oder der Gentechnologie. «Die Wurzeln leben weiter», sagt Fankhauser. Nur greife man halt mittlerweile vermehrt aktuelle Anliegen auf. So hat der Verein auch schon zu einem Referat über Internetsicherheit eingeladen. «Wir wollen uns nicht auf alten Themen ausruhen», betont die Präsidentin. Trotz den Ruhebänken.

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