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Sennen statt Spengler in der Schorenhalle

Der Sennen-Cup, das traditionelle Bambini-Turnier am Bärzelistag, mag zwar nicht dasselbe Renommee haben wie der Wettbewerb in Davos. Aber unterhalten wird man in der Eishalle Schoren in Langenthal genauso gut.

«Chum jetzt! Aargriffe!». Das Spiel zwischen den Brandis Juniors und dem SC Bern Future ist erst wenige Minuten alt. Aber aufseiten des Underdogs ist man bereits etwas nervös. Jedenfalls bei der Elternfraktion auf der Tribüne.

Drei Tore innert wenigen Sekunden und noch sind über 20 Minuten zu spielen: Das darf doch nicht wahr sein. Der Vater aus Brandis kann das Team seines Filius jedenfalls nicht einfach so untergehen lassen. «Aagriffe, aagriffe!», beschwört er die Mädchen und Jungs auf dem Feld abermals.

Und siehe da: Das Schlimmste kann verhindert werden. 3:10 lautet das Schlussverdikt aus Sicht von Brandis. Eine vergleichsweise ehrenvolle Niederlage, wenn man das Geschehen auf dem Nebenfeld in Betracht zieht. Dort geht Schwarzenburg gegen Basel gleich mit 3:20 unter.
Kinder mit viel Energie

Sie gehören bei jedem Kindersportturnier dazu: die elterlichen Schlachtrufe von der Tribüne. Das Schöne am Sennen-Cup ist, dass diese gut gemeinten Tipps den Kids vergleichsweise egal sind. Sie wollen einfach nur spielen. Und dies nicht nur auf dem Eisfeld.

Überall im Stadion sind sie am Spielen: in der Garderobe, in den Stadiongängen oder auf der Tribüne. Und dies von 7.30 Uhr morgens bis 19 Uhr abends. Wofür ein normalsterblicher Erwachsener mindestens 10 Espressi und vielleicht noch das eine oder andere Red Bull benötigt, schaffen diese 6- bis 8-jährigen Kinder mühelos. Oder jedenfalls fast mühelos.

In den letzten Partien des Tages könne man jeweils einen Hauch von Müdigkeit erkennen, so Beat Wyss, der OK-Präsident des Sennen-Cups. Und zwar beim Wechseln, wenn gleich mehrere Kinder über die Schaumstoffmatten fliegen, weil die Beine zu sauer zum «Lüpfe» sind. «Aber sie stehen schnell wieder auf», sagt Wyss schmunzelnd. Dass dem einen oder anderen hin und wieder die rutschige Unterlage zum Verhängnis wird, trägt zum Unterhaltungswert der Veranstaltung bei.

Der «Jö-Faktor» beim Sennen-Cup ist jedenfalls unschlagbar. Etwa, wenn das Berner Team vor jedem Spiel den Plüschtier-Bäri beschwört. Oder der kleinste Zuchwiler Spieler von seinem Coach immer wieder auf die Bank gehoben werden muss, weil ihm diese zu hoch ist.

Oder wenn sich die Letztklassierten – richtig geraten: die Schwarzenburger – trotz einer Serie von Kanterniederlagen noch über den Pokal freuen können. Denn beim Sennen-Cup geht kein Kind mit leeren Händen nach Hause. Alle zehn Teams erhalten einen Pokal und jedes Kind eine Medaille.
Bieler Team als Sieger

Den Siegerpokal holte sich am Samstag das Team aus Biel. Sie schlugen im Final souverän die Berner, die in den letzten drei Ausgaben jeweils den Sieg geholt hatten. Die Langenthaler, die gleich zwei Teams stellten, konnten dem Heimvorteil leider nicht ganz gerecht werden. Keines der beiden Teams schaffte es in die Top Fünf. Dafür holten sich ihre Eltern einen Pokal, wenn auch ausser Konkurrenz und nur symbolisch.

Während der Nachwuchs sich ganz auf Spiel und Spass konzentrieren konnte, sorgten sie für die Rundumbetreuung. Nicht selbstverständlich – das sagt auch Beat Wyss: «Die Kinder haben es den ganzen Tag lustig. Aber für die Eltern ist es natürlich nicht ganz das Gleiche.» Wie bereits in den letzten Jahren habe dieses «Miteinander» aber hervorragend funktioniert, so Wyss.
Von Huttwil nach Langenthal

Es ist nämlich bereits die 12. Ausgabe des Turniers. Während in Davos nicht etwa die Berufsgattung der Spengler die Namens­gabe beeinflusste (der Gründungsvater hiess Carl Spengler), ist beim Sennen-Cup der Name tatsächlich Programm. Aus dem tiefen Emmental entstammt die Turnieridee, so Wyss. Und auch als der Turnierort vor fünf Jahren von Huttwil nach Langenthal zog, blieb der Name.

Das mag auch am Hauptsponsor liegen: der Schaukäserei Affoltern. Deren «Chäsbrägu» gehört zum Sennen-Cup genauso dazu wie die frenetischen Jubelszenen bei jedem Tor. Denn bei den Kleinen wird auch der 1:10-Ehrentreffer gefeiert wie die Pokalübergabe.

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