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Senioren helfen den Lehrern

Marlis Flückiger hilft Aufsätze korrigieren oder Französischwörtli lernen. Die 66-Jährige ist kein Einzelfall: Allein über Pro Senectute unterstützen im Oberaargau 89 Rentner in 18 Schulen Lehrkräfte während des Unterrichts.

Der Fünftklässler Eman und Marlis Flückiger haben einiges zu besprechen. Im Ruhestand zog es die pensionierte Kauffrau zurück in die Schule.
Der Fünftklässler Eman und Marlis Flückiger haben einiges zu besprechen. Im Ruhestand zog es die pensionierte Kauffrau zurück in die Schule.
Olaf Nörrenberg

Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt: Heute steht Grammatik auf dem Stundenplan. Die Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse im Schulzentrum Elzmatte lösen Arbeitsblätter zu den Verben und setzen diese in die entsprechende Zeit.

Einige arbeiten für sich am Platz. Anderen brennt eine Frage auf der Zunge. Sie warten vorne am Pult von Lehrerin Helena Jordi, bis sie an der Reihe sind. Doch nicht nur die Lehrerin unterstützt die Kinder bei den Deutscharbeiten. Hinten im Klassenzimmer sitzt Marlis Flückiger. Eines nach dem anderen dürfen sich die Kinder zu der Rentnerin setzen. Und das scheinen sie gerne zu tun.

Jetzt ist Eman dran. Schnell packt er sein Etui und das grün eingefasste Schreibheft. Thema seines Aufsatzes: Die Geschichte eines Handelsreisenden auf seinem Weg über den Gotthard. «Die Fahrt dauerte drei Wochen», liest Eman leise vor. «Was ist denn die Fahrt für ein Wort?», fragt Marlis Flückiger. «Ah ja, Nomen schreibt man gross», stellt Eman fest und schreibt das Wort auf ein Karteikärtchen.

Keine Ausbildung nötig

Deutsch sei schon in der Schule eines ihrer Lieblingsfächer gewesen, sagt Marlis Flückiger. Dass sie selbst die Schulbank gedrückt hat, ist aber bereits eine Weile her. Doch im Ruhestand zog es die pensionierte Kauffrau nochmals zurück ins Klassenzimmer. Im Rahmen des «Win3»-Projekts von Pro Senectute (siehe Kasten) unterstützt die 66-Jährige Lehrpersonen im Unterricht.

Seit einem Jahr hilft die Langenthalerin nun im Schulzentrum Elzmatte aus. Einmal pro Woche Französisch und Deutsch stehen auf ihrem Stundenplan. Sie ist eine von 13 Seniorinnen und Senioren, die in diesem Schulzentrum zum Einsatz kommen: vom pensionierten Sachbearbeiter bis zur ehemaligen Lehrerin. Eine pädagogische Ausbildung sei keineswegs Voraussetzung, so die stellvertretende Schulleiterin Lucienne Marending. «Die Senioren arbeiten immer unter Anleitung der Lehrpersonen.»

Eins zu eins Betreuung

Und mit Lehrerin Helena Jordi bildet Marlis Flückiger ein gutes Team. «Ihre Unterstützung ist sehr wertvoll», sagt Jordi. So könnten die Kinder ihre Aufsätze mit einer Eins-zu-eins Betreuung korrigieren. Das wäre bei 18 Schülern sonst nicht möglich. Die Noten mache sie natürlich immer noch selbst. Doch beziehe sie die Rückmeldungen von Marlis Flückiger bei ihrer Bewertung ein.

Viel wichtiger als die Bewertung scheinen aber für die Kinder das Lob und auch die Kritik, die ihnen Flückiger mit auf den Weg gibt. «Du musst den Text besser durchlesen, denn eigentlich weisst du ja, was man gross und was klein schreibt», sagt sie zu Eman. Dieser lächelt. «Manchmal bin ich etwas zu schnell», stimmt er zu.

Nun ist Lenia an der Reihe. Eifrig schreibt die 11-Jährige Wörtchen auf die Karteikärtchen und unterstreicht die Wortarten mit den passenden Buntstiften. Schnell ist sie fertig mit den Korrekturen. Etwas länger dauert es bei Lotta. Die Fünftklässlerin hat einen besonders langen Aufsatz geschrieben. «Du hast eine blühende Fantasie», lobt Flückiger. Lotta strahlt. Bereits klingelt die Schulglocke, es ist Pause. Aber die beiden lassen sich davon nicht stören. Fleissig korrigieren sie weiter.

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