Schwelgen und Tanzen

Wangen

Beim Herbstkonzert «Wien 1900» entführt Camerata 49 in die Klangwelten der Donaumonarchie.

Die Camerata 49 (im Bild bei einer Probe in Langenthal) schaffte es, in der reformierten Kirchen in Wangen, tief zu berühren.

Die Camerata 49 (im Bild bei einer Probe in Langenthal) schaffte es, in der reformierten Kirchen in Wangen, tief zu berühren.

(Bild: Daniel Fuchs (Archiv))

Bereits mit den ersten beiden Stücken vom österreichischen Komponisten Anton Webern spannt das Orchester das Feld für den Konzertabend weit auf: So steht der 1905 komponierte «Langsame Satz für Streicher» noch stark in der Tradition der Romantik, während die nur sechs Jahre später entstandenen «6 Bagatellen für Streichquartett» bereits freie Tonalität aufweisen und in ihrer Kürze – jede der Miniaturen hat auf nur einer Partiturseite Platz – eine schier unfassbare Konzentration und Prägnanz haben. Beide Stimmungen transportiert die Camerata 49 mit einer zum Zerreissen gespannten Intensität und schafft es so, in der reformierten Kirche in Wangen tief zu berühren.

Gezupfte Polka

Doch nicht nur das Orchester ist beim Spielen meist wunderbar aufeinander abgestimmt, sondern auch das Programm ist durchdacht. So wird den Besuchern ein guter Querschnitt durch das Kompositionsschaffen der Wiener Jahrhundertwende geboten und auch ein Stück des weniger bekannten Komponisten Franz Schmidt gespielt. Im zweiten Teil zeigt das Orchester, das seit Herbst 2017 von Andreas Kunz geleitet wird, den damals typischen Einfluss der osteuro­päischen Volksmusik.

Es werden mehrere Polkas aus der Feder der Brüder Josef und Johann Strauss gespielt. Die «Pizzicato-Polka» von Johann Strauss, bei der die Saiten durchweg pizzicato gespielt, also gezupft, statt mit dem Bogen gestrichen werden, macht dabei besonders grossen Spass. Dies nicht nur wegen der dem Stück inhärenten Heiterkeit, sondern auch, weil man den Musikern die Freude beim Spielen deutlich ansieht.

Vom letzten Stück des Abends, dem Walzer «Wiener Blut» von Johann Strauss, sagte Richard Strauss – der mit der österreichischen Strauss-Familiendynastie weder verwandt noch verschwägert war – einmal: «Acht Takte von ‹Wiener Blut›, und ich gebe eine ganze Oper dafür.» Von der Camerata 49 mit grosser Leichtigkeit und viel Frohsinn gespielt, bildet das Stück jedenfalls einen vorzüglichen Abschluss, denn es entlässt das Publikum beschwingt und mit Bildern von eleganten Wiener Ballsälen im Kopf in die kalte Oktobernacht.

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