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Schnell wie der Wind

Sie beschleunigen auf bis zu 70 Kilometer pro Stunde. Am vergangenen Wochenende massen sich 850 Hunde aus ganz Europa in einer Hetzjagd.

Beim sogenannten Coursing wird eine Sichthetzjagd für die Windhunde simuliert.

Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Von weitem sind die beiden Windhunde nur am roten und am weissen Leibchen unterscheidbar. Erst liegt der Rote vorne, dann holt der Weisse auf, dann überholt wieder der Rote. Er schnappt nach dem Hasen, wie das Lockmittel genannt wird. Doch verfehlt er ihn knapp und kommt für einen kurzen Moment von seiner Bahn ab.Der Weisse holt auf und erwischt den Hasen dann kurz vor dem Ziel. Und auch der Rote stürzt sich sogleich auf das Lockmittel. Dass dieses Hase heisst, kommt nicht von ungefähr.

Von aussen sind zwar nur flatternde Plastikbänder sichtbar. Aber darunter verbirgt sich ein echtes Hasenfell mit Kopf und Ohren. So soll der Jagdinstinkt der Hunde geweckt werden. Eine Schnur, an deren Ende das Lockmittel befestigt ist, wird vor jedem Lauf die Strecke entlanggespannt. Beim Start wird die Schnur dann gezogen. So schnell, dass das Lockmittel ein paar Meter vor den Hunden herfliegt.

Nicht nur Tempo gefragt

Gewonnen hat jedoch nicht ­unbedingt jener Hund, der den Hasen zuerst erwischt. Obwohl die Hunde sehr schnell sind – je nach Rasse beschleunigen sie auf bis zu 70 Kilometer pro Stunde – zählen zusätzlich andere Kriterien. «Auch das Jagdverhalten, der Eifer und der Mut werden vom Punktrichter bewertet», sagt Paul Thum. Er ist Mitglied des Organisationskomitees, das die diesjährige Coursing-Europameisterschaft durchführt.

Dem Hasen nach: Zwei Greyhounds in voller Aktion. Bilder Daniel Fuchs
Dem Hasen nach: Zwei Greyhounds in voller Aktion. Bilder Daniel Fuchs
Daniel Fuchs
Gerhard Lüscher mit Iba Imao al-Jalalabad.
Gerhard Lüscher mit Iba Imao al-Jalalabad.
Daniel Fuchs
Stephanie Keiser mit Seymour (l.) und Indira.
Stephanie Keiser mit Seymour (l.) und Indira.
Daniel Fuchs
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Coursing ist die Simulation einer Sichthetzjagd für Windhunde. Auf freiem Feld wird ein Parcours gesteckt, der dem Fluchtweg eines Hasen ähnelt. Am vergangenen Wochenende fand die Europameisterschaft bereits zum zweiten Mal in Lotzwil statt. Schon im Jahr 2007 wurde sie dort durchgeführt. 857 Hunde aus 22 Ländern nahmen heuer daran teil. «Sogar aus Russland sind sie mit ihren Wohnmobilen zu uns gefahren», sagt Thum.

Vollgestellt mit Wohnwagen ist denn ein Grossteil der Felder entlang des Beeriwäldli. Nimmt der eigene Hund gerade an keinem Rennen teil, ziehen sich die Halter in ihr fahrbares Heim zurück oder unterhalten sich miteinander über das beste Futter, das perfekte Training, die funktionalste Bekleidung.

Rasen und Kurven

Gerhard Pfister geht mit seinem Hund ein paar Schritte über den Campingplatz. Mit ganzem Namen heisst dieser Iba Imao al-Jalalabad, wie die afghanische Stadt. Denn Imao, so der Rufname, ist ein Afghane. «Bis zu 50 Kilometer in der Stunde kann er auf der Rennbahn laufen», sagt Pfister. Heute sei er aber etwas langsamer unterwegs. Denn auf dem Rasen und der kurvigen Strecke sind keine Maximalgeschwindigkeiten möglich. Anders als bei einem Leistungssportler steht bei den Hunden kein tägliches Training auf dem Programm. «Etwa alle zwei Wochen gehen wir auf die Rennbahn», sagt Pfister. Ob ein Tier das Zeug zum Champion hat, scheint nicht in erster Linie vom Training abzuhängen. Doch ähnlich wie bei einem Leichtathleten zeigt sich schon früh, wer einmal erfolgreich sein wird. «Entweder haben die Hunde den Jagdinstinkt oder nicht», so Pfister.

Talent hat auch Seymour. Die Hündin der Rasse Azawakh wurde im vergangenen Jahr Schweizer Meisterin. Auch in der Sparte Schönheit könnten sie und ihr Gspändli Indira durchaus einen Preis gewinnen. Beide tragen sie edle Mäntelchen, Seymour ein schwarzes, Indira eines in knalligem Pink. Und an den Halsbändern glitzert und funkelt es. Halterin Stephanie Keiser führt die beiden Hunde aus. Heute können sie es gemütlich nehmen. «Seymour hat sich leider nicht quali­fiziert, und Indira ist mit ihren zehn Jahren bereits pensioniert», sagt sie und lacht.

Fitnesscheck am Tag zuvor

Denn an den Läufen teilnehmen können nur die Allerbesten. Von jedem Land können sich maximal sechs Hunde qualifizieren. «Sonst hätten wir heute mehrere Tausend Tiere hier», sagt Paul Thum. Nebst den 857 Qualifizierten sind aber noch 150 Ersatzhunde auf dem Platz. Einen Tag vor dem Lauf macht der Arzt einen Fitnesscheck. Hat ein Tier eine lahme Pfote oder Magenprobleme, kann es nicht teilnehmen. Fit wirken hingegen die Hunde, die sich mit ihren Haltern zum roten Parcours begeben.

Und das müssen sie auch sein, ist dies doch der konditionell und technisch anspruchsvollste Lauf. Denn die Wiese ist nicht ganz flach, es gilt, leichte Steigungen zu meistern. Kein Problem für die beiden Hunde der Rasse Whippet. Schnell wie der Wind laufen sie Kurve für Kurve.

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