Raum, Ruhe und Zeit für das Schreiben

Langenthal

Seit Anfang April wohnt der neue Lydia-Eymann-Stipendiat Werner Rohner an der Aarwangenstrasse in Langenthal. Er freut sich über die Ruhe, die ihm sein neuer Wohnsitz bietet, und die Zeit, die er dort ungestört verbringen kann.

Angekommen: Der Zürcher Autor Werner Rohner in seinem zeitweiligen Zuhause an der Aarwangenstrasse.

Angekommen: Der Zürcher Autor Werner Rohner in seinem zeitweiligen Zuhause an der Aarwangenstrasse.

(Bild: Thomas Peter)

Noch ist Werner Rohner im Lydia-Eymann-Haus nicht ganz eingerichtet. Da gilt es noch eine Birne auszuwechseln, dort einen Platz für seine Bücher zu finden. «Ich habe noch nie so grosszügig gewohnt», meint er. Rohner freut sich über die Terrasse, den Garten und den nahen Wald, in dem er bereits spazieren ging und Rehe beobachten konnte.

Für den 1975 in Zürich geborenen und aufgewachsenen Autor ging sein Umzug nach Langenthal «aufs Land». Dies sei nicht etwa despektierlich gemeint, betont er, sondern lediglich im Vergleich zur Hektik seiner Heimatstadt.

Ein Nachtschreiber

Werner Rohner schreibt vor allem nachts. In Zürich war dies schwierig, weil seine Freunde primär abends für ihn Zeit hatten. Umso mehr geniesst er in Langenthal die abendliche Ruhe und dass er sich ungestört seinen Texten widmen kann. Drei Erzählungen – «eher Kurzromane», wie er meint – hat er in Arbeit. Zudem führt er seit seiner Ankunft in Langenthal ein Tagebuch, in dem er seine Erlebnisse und Begegnungen festhält.

Da er erst ein paar Tage im Oberaargau weilt, hatte er noch wenig Gelegenheit, die Stadt und ihre Leute kennen zu lernen. Er war aber bereits in der Regionalbibliothek und in der Buchhandlung an der Marktgasse, um sich mit Büchern zu versorgen.

Preisgekrönt

Werner Rohner studierte Germanistik, Philosophie und Filmwissenschaft und schloss 2012 das Studium «Literarisches Schreiben» am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel ab. Nach der Publikation von Erzählungen und Theaterstücken begann er seinen ersten Roman mit dem Titel «Das Ende der Schonzeit». Er erschien 2014 im Lenos-Verlag und wurde von der Stadt Zürich mit dem sogenannten Werkjahr, einem Buchpreis, ausgezeichnet. 2015 schaffte es Rohners Roman zudem auf die Shortlist des Rauriser Literaturpreises Salzburg.

Trotz finanzieller Zuwendungen war der Autor allerdings meist gezwungen, einem Erwerb nachzugehen, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Erst per Ende Januar 2016 hat er nun seine Stelle als Verwaltungsassistent am Institut für Molekularbiologie der Universität Zürich aufgegeben. Werner Rohner hofft, dass er in Zukunft als freier Schriftsteller leben kann.

Willkommenes Stipendium

Ein erster Schritt dazu ist das Lydia-Eymann-Stipendium. Rohner schätzt nicht nur die gross­zügige Wohnung, sondern auch den finanziellen Rahmen, den ihm das Stipendium bietet. «Nach dem Bewerbungsgespräch mit den Mitgliedern des Stiftungsrats wusste ich nicht, wo ich stand», erzählt er. Umso grösser sei die Überraschung und Freude gewesen, als er die Zusage erhielt. Die Wohnung, die ihm so gut gefällt, kannte er schon von Besuchen bei früheren Stipendiaten.

Noch herrscht im Kindergarten an der Aarwangenstrasse Ferienstimmung. Danach befragt, ob ihn als Nachtarbeiter und damit Langschläfer der Kindergartenbetrieb nicht störe, meint er: «Kindern gegenüber ist man doch in dieser Hinsicht tolerant. Wenn Erwachsene lärmen, stört mich dies mehr.» In drei Wochen wird es dann etwas lebhafter um ihn werden.

Berner Zeitung

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