Plattform Kunsthaus

Langenthal

Zwölf Nachwuchskünstler präsentieren im Choufhüsi in Langenthal derzeit ihre Arbeiten. Darin beschäftigen sie sich mit Themen wie Identität und Gesellschaft auf ideenreiche sowie persönliche Art und Weise.

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Das Beste, was die diesjährigen Abschlussklassen der Schweizer Kunstschulen zu bieten haben, ist ab Mittwoch im Kunsthaus zu sehen. Denn die zwölfte Ausgabe der Ausstellungsreihe Plattform, organisiert vom Verein Plattform, ist in Langenthal zu Gast und zeigt Werke von zwölf Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern aus der ganzen Schweiz.

Die Diversität ist gross, sowohl was die Ausstellungsstücke als auch was die Kunstschaffenden betrifft. Um seine Auswahl zu treffen, besuchte das Organisationsteam die Abschlussausstellungen aller Schweizer Kunsthochschulen. Dabei suchte es vor allem nach Eigenständigkeit und einem hohen Reflexivitätsgrad in der künstlerischen Praxis.

Überregionale Kontakte

«Es muss nicht von jeder Schule jemand dabei sein, aber regionale Diversität, gerade auch zwischen den Sprachräumen, ist uns wichtig», sagt Salome Hohl, eine der Organisatorinnen.

So soll die Plattform 18 eben auch eine wortwörtliche Plattform für die jungen Kunstschaffenden sein, damit sie einerseits ihre Kunst in einem professionellen Rahmen zeigen und andererseits Kontakte in der ganzen Schweiz knüpfen können. Das sei besonders für Nachwuchskünstler wichtig, sonst sei es manchmal schwierig, es über die Kunstszene der eigenen Stadt hinaus zu schaffen, so Hohl.

Damit die Plattform diesem Ziel noch mehr entspricht, wurde sie, die ursprünglich aus Zürich kommt und auch die ersten zehn Jahre dort stattfand, vor zwei Jahren noch überregionaler ausgerichtet. Sie ist nun jeweils bei einer Kunstinstitution in wechselnden Regionen der Schweiz zu Gast. Im letzten Jahr war es das Kunsthaus Glarus.

Mehr Platz als gewohnt

Sämtliche Arbeiten, die im Kunsthaus zu sehen sind, wurden eigens für diese Ausstellung erstellt. So machen sich viele Arbeiten das Zusammenspiel zwischen Raum und Werk geschickt zunutze. Arnaud Wohlhausers «Les ­activités parallèles» besteht beispielsweise aus einem aus der Wand des Ausstellungsraums ausgeschnittenen Mühlespiel.

Die Löcher in der Wand laden zum Hindurchschauen auf das Dahinterliegende ein und erlauben so einen Raum und Zeit durchdringenden Blick aufs Kunsthaus. «Die vielen Räume zu nutzen, ist für die Kunstschaffenden sehr spannend. Viele sind bisher nur an grosse Räume gewohnt, in denen sie mit anderen zusammen ausstellen», so Hohl.

Im Kunsthaus Langenthal hingegen hätten sie Platz, um ganz frei die Themen zu verarbeiten, die sie beschäftigen. Oft vertreten sind politische und gesellschaftskritische Motive oder die Thematik der eigenen Identität.

So zeigt Adriane Morard in der Videoinstallation «Libre Circulation» Orte, die «auf den Landkarten der wirtschaftlichen Ballungszentren verblasst sind» – und zeigt so die Verlierer des Kapitalismus in kurzen Videoabschnitten auf abstrakt-poetische Art und ­Weise.

Yamu Wang hingegen ­reflektiert in ihrer Arbeit «& Ich & I & ch &» mithilfe der Sprache über Fragen der Identität, wie sie sich gerade auch in unserer modernen, international vernetzten Welt stellen.

Einsatz von Gerüchen

Doch nebst visuellen und auditiven Reizen wird auch der Geruchs- und Geschmackssinn der Besucherinnen und Besucher eingesetzt. So arbeitet Gina Proenza mit einem Raumduft, der einen in die Welt des kolumbianischen Dorfes entrückt, dessen Geschichte sie in ihrem Werk verarbeitet.

Auch Shirin Yousefi setzt in ihrer Arbeit «F57» unter anderem Gerüche und sogar Geschmäcke ein und zieht die Besucher so in den eigentümlichen Bann eines gefährlichen Internettrends. Etwas unbeschwerter soll es im «Salon Bleu» von Anaïs Wenger zu und her gehen, den die Künstlerin während der gesamten Ausstellungsdauer zu einem Begegnungsort für Besucher, Geschichten und Entdeckungen machen wird.

Nebst der regulären Ausstellung wird am 3. Februar ein «Evening with the Artists» stattfinden, an dem nicht nur alle Künstlerinnen und Künstler anwesend sein werden, sondern auch noch je eine kleine Ergänzung zu ihren Werken präsentieren.

Plattform 18: Vernissage am Mittwoch um 18 Uhr im Kunsthaus Langenthal

Langenthaler Tagblatt

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