Zum Hauptinhalt springen

Picknickende Parasiten im Kunsthaus

Mensch, Umwelt, Natur: In zwei Ausstellungen im Kunsthaus setzen sich Kunstschaffende mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinander. Zum Teil mit Ekelfaktor.

«Guten Appetit» wünscht man sich nach dem Besuch der Ausstellung nur verhalten. Im Bild der arrangierte Picknickplatz von Karin Borer.
«Guten Appetit» wünscht man sich nach dem Besuch der Ausstellung nur verhalten. Im Bild der arrangierte Picknickplatz von Karin Borer.
PD

In David Lynchs Film «Der Wüstenplanet» (1984) reitet der Held auf einem gigantischen Sandwurm, der ihm beim Kampf gegen die Bösen hilft. Ein schauerliches Bild. An diese Viecher erinnern die Protagonisten in Karin Borers Installation «Danger» (2018), die zurzeit im Kunsthaus Langenthal zu sehen ist.

Auf Picknickdecken hat die Künstlerin zigfach vergrösserte «Visagen» eines Spulwurms, eines Fadenwurms und eines Hakenwurms gedruckt. Diese sind rund um Schleckstängel herum gruppiert, als würden sie ein Picknick abhalten. Auch die ­glibberig kunterbunten Lollis entpuppen sich beim näheren Herantreten als Objekte mit Ekelfaktor. Es sind Abgüsse von Fingern und Zehen.

Vom Eindringen

Karin Borer thematisiert das Eindringen eines Körpers in einen anderen. Auch auf den Parasiten selbst wuchern bei genauem Hinsehen Bakterien. Der Blick in diesen schauerlichen Mikrokosmos wird durch einen Audio-Loop ­begleitet, in dem Popmusik und Meditationsanweisungen sich mischen.

Die 1981 in Laufen geborene Künstlerin ist eine von vier Kunstschaffenden, die in der aktuellen Gruppenausstellung zu sehen sind. Alle vier setzen sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Verhältnis Mensch und Natur in Zeiten der Globalisierung und der Digitalisierung auseinander.

Raffael Dörig, der Leiter des Kunsthauses, ist gewissermassen der Nerd unter den hiesigen Kuratoren. Versteht sich von selbst, dass unter seiner Führung auch Sperriges seinen Platz im Kunsthaus findet. Versperrt wird einem scheinbar der Eingang zur Installation «Lude et Labora» der 1987 in Sankt Gallen geborenen Künstlerin Silvia Studerus.

Eine raumgreifende Konstruktion aus Bambusstangen nimmt von drei Räumen Besitz. Bambus ist ein Material, das die Künstlerin schon öfter verwendet hat. Es sind die gleichzeitige Elastizität und die Stabilität, die Studerus angeblich faszinieren.

Die 1983 in Zürich geborene Maya Minder beschäftigt sich mit Fermentation – dem Haltbarmachen von Nahrung mithilfe von Mikroorganismen. Laut Saaltext sieht die Künstlerin darin «eine Metapher für soziale Prozesse, Agitation und Anstiftung zum Widerstand». Die Installation «GFB-Holy Sasa» besteht auf Fertiggerichten, Nahrungsergänzungsmitteln und kunterbuntem Plastikgeschirr aus Indonesien.

Nicht wirklich ausgegoren

Mitten in diesem Arrangement gärt ein indonesischer Fruchtwein vor sich hin, der nach der Ausstellung trinkbar sein sollte. Ein subversives Element in der industriellen Plastik- und Glutamat-Hölle? So wirklich ausgegoren kommt diese Arbeit nicht daher. Weder der Ansatz – Lasst uns Kochen und Kunst machen – noch die von der Pop-Art inspirierte visuelle Sprache – Andy Warhols Suppendose lässt grüssen – sind wirklich neu.

An der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft tüftelt auch der 1979 in Gais geborene Künstler Aurelio Kopainig, der in Berlin und Buenos Aires lebt und arbeitet. Er hat in den letzten Jahren zur Landwirtschaft in Argentinien recherchiert.

Argentinien gilt seit geraumer Zeit als Musterland beim Anbau von Genmais. Kopainig zeigt die Schattenseiten und setzt sich mit Biodiversität, Abholzung und der Vertreibung der indigenen Bevölkerung auseinander. «Guten Appetit» wünscht man sich kurz nach dem Besuch dieser Schau eher verhalten.

Ausstellung: bis zum 11. 11. im Kunsthaus Langenthal. Vernissage: Mittwoch, 29. 8., 18 Uhr.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch