SRO kündigt den Vorzeigeneurologen

Langenthal

Die Zusammenarbeit sei «zunehmend unmöglich» geworden: Die Spital Region Oberaargau arbeitet nicht mehr mit Andreas Baumann zusammen.

Dr.?Andreas Baumann:?Mangelnde Loyalität und öffentliche Kritik wirft ihm die SRO vor.

Dr.?Andreas Baumann:?Mangelnde Loyalität und öffentliche Kritik wirft ihm die SRO vor.

(Bild: Thomas Peter)

Chantal Desbiolles

In der Regel ist die Rede von «unterschiedlicher Auffassung» bezüglich der strategischen Ausrichtung. Nicht so bei der Spital Region Oberaargau AG (SRO), die am Dienstag per Mitteilung verkündet hat, dass sie nicht weiter mit Beleg- und Konsiliararzt Andreas Baumann zusammenarbeiten wird.

Darin wird überraschend ausführlich dargelegt, dass sich das Verhältnis zwischen der SRO-Leitung und dem eingemieteten Neurologen mit eigener Praxis «in den vergangenen Jahren verschlechtert» hat. Eine konstruktive Zusammenarbeit sei «zunehmend unmöglich geworden» und die Basis für diese aus Sicht des Verwaltungsrats nun nicht mehr gegeben.

Weiter: Der 45-Jährige habe mit Äusserungen und mit seinem Verhalten «in zunehmendem Masse Zweifel an seiner partnerschaftlichen Haltung» aufkommen lassen. Und: Trotz mehrmaligen Initiativen, «das angeschlagene Vertrauen wieder auf eine solide Basis zu stellen, war» und sei das Verhältnis «zu stark getrübt».

Harsche Tonalität

Die Tonalität der Mitteilung, die an eine öffentliche Abstrafung erinnert, begründet SRO-Verwaltungsratspräsident Werner Meyer, der sich von diesem Begriff distanziert, nebst dem öffentlichen Informationsanspruch wie folgt: Dr. Baumann habe bei Differenzen mit der SRO seine Haltung jeweils mindestens einer ­beschränkten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, in aller Regel Ärztekreisen. Dr. Baumann werde somit auch die Kündigung kommentieren.

Die SRO-Mitteilung vom Dienstag ging denn auch an zuweisende Ärzte, Mitarbeitende, Belegärzte sowie die Medien. Durch die offensive Kommunikation werde der Entscheid für Öffentlichkeit und Ärzteschaft nachvollziehbar. «Wir bedauern, dass es zu diesem Schritt hat kommen müssen», so Meyer.

Dies auch vor dem Hintergrund der unbestritten guten Arbeit, die der ausgewiesene Spezialist in Langenthal geleistet hat. In den vergangenen sieben Jahren baute der Facharzt sein Neurozentrum Oberaargau auf und aus, etablierte die Schlaganfalltherapie im Spital, steigerte seine Bekanntheit, knüpfte an seinem Netzwerk und hatte zuletzt mit seinem Behandlungskonzept bei Multiple-Sklerose-Patienten für Schlagzeilen gesorgt.

Laut Meyer haben die Differenzen mit Baumann ihren Ursprung in den Verhandlungen, welche die SRO 2013 mit allen Belegärzten aufgrund der neuen Tarifsituation führte. Diese seien mit allen «problemlos» verlaufen – mit Ausnahme von Baumann. Er habe wohl den Vertrag unterschrieben, ihn aber innerlich nie akzeptiert.

Baumann arbeitet auf eigene Rechnung, steht als Beleg- und Konsiliararzt in einem Auftrags-, nicht in einem Arbeitsverhältnis. An seine Tätigkeit gekoppelt ist der Mietvertrag für die Räumlichkeiten auf dem SRO-Gelände. Diesen Vertrag hat die SRO-Leitung unter Einhaltung der sechsmonatigen Frist auf Ende März 2017 gekündigt.

Versorgung gewährleistet

Die stationäre wie ambulante Versorgung von Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen könne am SRO weiterhin jederzeit gewährleistet werden, sagt Meyer.

Im Zusammenhang mit dem Aufbau einer sogenannten Stroke-Unit zur Behandlung von Schlaganfallpatienten hat das SRO für seine neurologische Abteilung im vergangenen Herbst einen Chefarzt und einen leitenden Arzt rekrutiert. Meyer verhehlt nicht, dass Baumann auf die öffentliche Ausschreibung von Neurologenstellen für diese Einheit nicht gut reagiert hat.

Bestätigung und Ankündigung

«Die geäusserten Vorwürfe weisen wir energisch zurück»: Die Reaktion stammt nicht von Baumann allein, sondern ist auch von den beiden Neurologieärzten Adrian Häne und Ulrich W. Buettner aus dem Neurozentrum gezeichnet. Sie äussern Überraschung darob, dass der Mietvertrag mit der Praxis aufgelöst wurde und ihr Bedauern über den «in dieser Form unüblichen Gang an die Medien». Gleichzeitig bestätigen die Ärzte die Verschlechterung der Beziehungen mit der opera­tiven SRO-Führung und nennen Direktor Andreas Kohli na­mentlich.

Weiter künden die Ärzte an, das Zentrum werde seine Tätigkeit ab April 2017 nahtlos ausserhalb der Räumlichkeiten des Spitals der Spital Region Oberaargau fortsetzen.

Langenthaler Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt