Mit blauem Auge davongekommen

Langenthal

Ein Umzug, dem viele Besucher fernblieben, und ein Gönnerabend, der immer noch eine Baustelle ist: Die Fasnachtsbilanz von Ober Stefan Spahr fällt nicht nur positiv aus. Sein Rücktritt ist dennoch vom Tisch.

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Noch einmal sind die Guggen und Narren am Dienstagabend gemeinsam marschiert  von der Löwenbrücke zum Choufhüsi. Die Fasnacht nach dem Charivari wieder ins Dorf zurückbringen, das sei das Ziel des neuen Nach(t)zügli gewesen, sagt Fasnachtsober Stefan Spahr.

«Sodass am Dienstagabend nicht nur in der Markthalle, sondern auch auf der Gasse Stimmung herrscht.» Stimmungstechnisch weiss er über die diesjährige Ausgabe der Fasnacht sowieso nichts Schlechtes zu erzählen. «Ich bin grundsätzlich sehr zufrieden.»

Und das, obwohl man wetterbedingt einige Abstriche habe machen müssen. Besonders am Sonntag. Das Guggenspektakel tags zuvor habe viele «echte Fasnächtler» mit Kostümen angezogen. Nicht wenige von ihnen hätten sogar die Silberplakette gekauft.

Nicht nur von blossem Auge

Am Umzug hingegen waren nicht nur von blossem Auge weniger Narren als in den Vorjahren auszumachen. Auch die Kasse weist einen Fehlbetrag auf: 4'000 Plaketten hätten am Sonntag nicht verkauft werden können, so Spahr. Bei 15 Franken pro Plakette seien dies 60'000 Franken, die man nicht eingenommen habe.

«Wie wir dies auffangen werden, wissen wir noch nicht», sagt der Ober der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft. Er relativiert zwar: Man gehe immer von einer Schönwetter-Fasnacht aus und lasse dementsprechend viele Plaketten produzieren. Dass gleich 4'000 liegen bleiben würden, damit habe man aber nicht gerechnet.

Kein Risiko eingegangen

Dass viele Fasnächtler zu Hause geblieben sind, dafür macht Stefan Spahr das regnerische Wetter und die Sturmwarnung am Sonntagvormittag verantwortlich. Die Zeit zwischen 9 und 12 Uhr sei genau jene, in der sich die Leute für oder gegen einen Besuch des Umzugs entschieden. Dabei hatten die Organisatoren eigentlich Glück: blieb der Umzug später doch von Regen und Schnee verschont. 

«Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen», meint Spahr. Nur der starke Wind liess die Fasnächtler nicht aus seinem Griff. Ein Umzugswagen musste deshalb sogar um zwei Meter zurückgebaut werden. Für die Wagenbauer sei das natürlich tragisch gewesen, weiss Spahr. «Wir wollten aber kein Risiko eingehen.» Erst um 12.30 Uhr sei schliesslich in Absprache mit der Polizei der definitive Entscheid gefallen, den Umzug durchzuführen. «Das war der spätmöglichste Termin.»

Den Ober freut es ganz besonders, dass auch während des Kinderumzugs am Montag kein einziger Regentropfen fiel. Um den Nachwuchs ist ihm sowieso nicht bange: Für den Kinderzmorge in der Markthalle waren über 570 Anmeldungen eingegangen. 

Eröffnung vorverlegen?

Auch mit dem Gönnerabend ist Stefan Spahr alles in allem zufrieden. «Es geht in die richtige Richtung.» Dennoch sei der Anlass immer noch eine Baustelle. Daran hat auch der Wechsel bei den Lokalen — vom katholischen Kirchgemeindehaus zum Old Capitol  — noch nichts geändert: Im Forum Geissberg waren etwa 150 Plätze besetzt (von maximal 190), im Hotel Bären knapp 170 (200) und im Old Capitol etwa 80 (120).

Jene Gönner, die bisher das Kirchgemeindehaus besucht hätten, habe man leider verloren, bilanziert Spahr. «Sie haben nicht in ein anderes Lokal gewechselt.» Dafür seien im Old Capitol neue Gönner hinzugekommen. Unter ihnen auch viele junge Fasnächtler, freut er sich. «Es fand eine neue Durchmischung statt.»

Gut angekommen ist laut Spahr eigentlich auch die neu durchgeführte Aussentour am Freitag, welche die Guggen unter anderem nach Bleienbach und Roggwil führte. Schade hingegen sei es, dass die Gassen in Langenthal am Freitag frei bleiben mussten von den Guggen.

Giggerig, loszulegen

«Dabei wären diese giggerig darauf, schon am Freitag loszulegen», so Spahr. Das sei daher ein Thema, über das man in der Fasnachtsgesellschaft innerhalb des LFG diskutieren müsse, schon beim Erbsmues am nächsten Freitag. Allenfalls, so die Überlegung von Ober Stephan Spahr, liesse sich die Gassenfasnacht künftig nicht erst am Samstag, sondern schon am Gönnerabend eröffnen.

Und wie sieht Spahrs persönliche Zukunft aus? In Fasnachtskreisen ging schon das Gerücht um, dass er dieses Jahr als Ober zurücktritt. Davon will er selbst aber nichts mehr wissen: «Ich habe meinen Rücktritt vom Rücktritt erklärt.» Zwar sei ein solcher im Vorfeld aufgrund diverser Stresssituationen in Beruf und Familie durchaus Thema gewesen. Mittlerweile habe er die Situation aber neu beurteilt. 

Er sei zum Schluss gekommen, dass er weitermachen und sich erneut zur Wahl stellen wolle. Wobei er vorerst nur die Jahre 2020 und 2021 im Blicke habe. «Danach schauen wir weiter.» So lange wie ein Hermann «Mäni» Rieder zum Beispiel werde er aber sicher nicht im Amt bleiben, das wisse er schon heute. «Irgendwann braucht es wieder frischen Wind.»

Langenthaler Tagblatt

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