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Klassik in kindgerechten Häppchen

Mit dem Kinder- und Familienkonzert richtete sich das Langenthaler Stadtorchester an kleine Zuhörer. Dem Ensemble gelang es, die wohl ehrlichsten und anspruchsvollsten Konzertbesucher zu begeistern.

Hautnah dran an der Musik: Zahlreiche Familien nutzten am Sonntag die Gelegenheit, mittendrin dabei zu sein am eigens für sie zugeschnittenen Konzert des Stadtorchesters.
Hautnah dran an der Musik: Zahlreiche Familien nutzten am Sonntag die Gelegenheit, mittendrin dabei zu sein am eigens für sie zugeschnittenen Konzert des Stadtorchesters.
Olaf Nörrenberg

«Amelie», «Levin», «Salome». Bereits den Aufklebern auf den parkierten Autos rund um das ­katholische Kirchgemeindehaus war am Sonntagvormittag zu entnehmen, dass viele Eltern das Konzert des Stadtorchesters Langenthal besuchen. Aussergewöhnlich war jedoch, dass die ihren Nachwuchs, von Babys über Kleinkinder bis hin zu 10-Jährigen, gleich mitbringen konnten. Dies wurde vom Stadtorchester und seinem Dirigenten Marcel Hirsiger sogar explizit gewünscht. Denn zum ersten Mal führte das Langenthaler Ensemble ein Kinder- und Familienkonzert auf.

Oftmals hätten laut Hirsiger Familien mit kleinen Kindern grossen Respekt vor dem Besuch klassischer Konzerte. Komplexe Musik, viele ungeschriebene Regeln und insbesondere die geforderte Ruhe würden eine hohe Hürde für kleine Hörer schaffen. Gemeinsam mit dem Stadtorchester hat der Dirigent ein rund einstündiges Programm ausgearbeitet, welches extra auf Familien mit kleinen Kindern zugeschnitten wurde.

Die Schnecke der Geige

Und so wurde es laut im katholischen Kirchgemeindehaus. Und eng. Und zwar so richtig eng. Denn mit diesem Ansturm hatten die Musiker wohl nicht gerechnet. Der Konzertsaal war proppenvoll, einige Familien mussten sich gar mit Stehplätzen be­gnügen.

Als das Orchester einzog, wurde es still im Saal. Gespannt und mit grossen Augen schauten die Kinder den Musikanten zu. Das Stadtorchester begrüsste seine Gäste mit dem Kinderlied schlechthin: «Bruder Jakob». Jedoch klangen die Musiker dabei noch nicht ganz wach, was auch einigen Kindern nicht entging. Marcel Hirsiger unterbrach sein Orchester und erklärte den Zuhörern, dass die Instrumente zunächst gestimmt werden müssten. Daraufhin sangen die Kinder und ihre Eltern begeistert mit.

Nach jedem kurzen Stück, war dies nun ein Kinderlied oder ein Ausschnitt aus einer Beethoven-Ouvertüre, stellte Marcel Hir­siger den kleinen Konzertbesuchern einen Komponisten vor oder erklärte ein Instrument. Die Schnecke der Geige sei dazu da, das Instrument stimmen zu können. Sofort erhoben sich ein paar Kinder von ihren Stühlen, um die Geige und deren Schnecke genauer inspizieren zu können.

Sogar einen kindgerechten Wettbewerb hat das Stadtorchester zusammengestellt. Vier Fragen mussten die Kleinen beantworten. Beispielsweise, welcher Gegenstand in «Bruder Jakob» besungen wird. «Glocken!», riefen einige Kinder sofort. «Pssst, nicht verraten», mahnte Marcel Hirsiger, sichtlich erfreut über den grossen Andrang und den Enthusiasmus der Kinder.

Grosse Augen bei den Kleinen: Die Kinder verfolgten gebannt das ­Geschehen. Bild: Olaf Nörrenberg
Grosse Augen bei den Kleinen: Die Kinder verfolgten gebannt das ­Geschehen. Bild: Olaf Nörrenberg

Fast alles erlaubt

Den Mädchen und Buben war bei dem Konzert unter dem Motto «Mittendrin» fast alles erlaubt. Die Kleinen konnten sich im Saal und auch in den Reihen des Orchesters frei bewegen. Einige vergassen sich in den Klängen der Musik und tanzten auf ihren Stühlen mit. Ein kleiner Junge hatte die Musik sichtlich im Blut, stolz schwang er auf dem Schoss seiner Mutter seinen Bleistift wie einen Taktstock.

Einem Musiker entging dieses Talent nicht, und so durfte der Knabe zum Schluss Marcel Hirsigers Platz ein­nehmen und das Orchester mit ­seinem Bleistift dirigieren. Die ­Szene war dermassen rührend, einigen erwachsenen Konzertbesuchern traten Tränen in die Augen. Marcel Hirsiger scheint sich um seine Nachfolge keine Sorgen machen zu müssen.

Der grosse Andrang beim aussergewöhnlichen Konzert machte deutlich, dass das Interesse für klassische Konzerte bei Familien und Kindern durchaus vorhanden ist. Und mit den grosszügigen Preisen wie einem Besuch bei einem Instrumentenbauer oder sogar einem Privatkonzert bei der Geburtstagsparty dürfte die Begeisterung der Kinder auch weiterhin anhalten.

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