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Hier haben die Jungen das Sagen

Die Fasnacht im Aarestädtli lebt. Der aktuelle Vorsitzende, Alain Bovey, weiss:Ohne die vielen beteiligten Vereine und die Beizen ginge es nicht.

So viele Chessler wie noch nie zuvor waren am Freitag in Wangen unterwegs. Fotos: Marcel Bieri
So viele Chessler wie noch nie zuvor waren am Freitag in Wangen unterwegs. Fotos: Marcel Bieri

In Wangen ist es laut. So richtig laut: Weit über 100 Chessler – vor allem zahlreiche Kinder – ziehen am Freitagabend in weissen Nachthemden, ausgerüstet mit Ratschen und Trommeln, durch den Ort. Angeführt wird der Tross von der Narrenzunft, die heuer ihr 60-jähriges Bestehen feiern kann.

Im Städtli angekommen, greift Alain Bovey zum Mikrofon: Dem Vorsitzenden des Fasnachtskomitees fehlen ob den vielen Chesslern und Besuchern schier die Worte. «Feiern wir die kommenden Tage und haben es gut miteinander», bringt er noch hervor.

Gemeindepräsident Luciano Falabretti übergibt – zum ersten Mal in seinem neuen Amt – den Schlüssel an den Obernarren Simon Misteli. Noch bis spät in die Nacht hinein wird beim Städtli-Power gefeiert. Acht Guggenmusiken treten auf der grosse Bühne auf, die einheimischen Zytgloggeschränzer dürfen dabei natürlich nicht fehlen. «Wo wären wir heute Abend ohne unser Städtli-Power?», fragt Bovey. Voller Tatendrang stürzt sich der Vorsitzende in seinem blau-silbern schillernden Kostüm in die Menge.

Von auswärts

Anderthalb Wochen vor der Fasnacht sitzt Alain Bovey – noch ganz entspannt und zivil gekleidet – in der Krone. «Es zieht langsam an», sagt er. Die Vorfreude ist dabei aber grösser als der Stress. Der 26-Jährige ist Präsident der Zytgloggeschränzer und hält noch dieses Jahr den Vorsitz im lokalen Fasnachtskomitee.

Alle zwei Jahre werde das Amt von einem anderen Verein übernommen, erklärt Bovey. Damit begründet er zugleich den Erfolg der Wanger Fasnacht: mit der Zusammenarbeit der Vereine. Sind doch nebst den Schränzern, der Narrenzunft und den Städtlizwirble etwa auch der Turn-, der Frauenverein und der FC beteiligt.

Die lokale Fasnacht sei gut aufgestellt, sagt der aktuelle Vorsitzende. Man versuche, die Wangerinnen und Wanger mit einem attraktiven Programm im Ort zu halten. Und das gelinge meistens ganz gut: «Bei schönem Wetter ist das Altstädtli jeweils voll», sagt Bovey. Er geht von mindestens tausend Fasnächtlern aus.

Auch bei auswärtigen Guggen ist das Städtli-Power äusserst gefragt. «Die Atmosphäre bei uns ist halt schon speziell», sagt Bovey. Und was vielerorts serbelt, ist in Wangen nach wie vor der Renner: die Beizenfasnacht. «Die Lokale sind am Samstag proppenvoll.» Käme es im Aarestädtli zu einem Beizensterben, würde die Fasnacht mit untergehen. An dieses Szenario mag Bovey gar nicht erst denken.

In den Startlöchern

Der Wanger selbst ist bereits im Kinderwagen mit dem Fasnachtsvirus angesteckt worden. Sein Vater hat die Zytgloggeschränzer 1977 mitbegründet, ab den 90er-Jahren war Klein Alain bei den Konzerten und Umzügen stets mit dabei. Seit sieben Jahren führt er die Gugge als Präsident.

Der ganze Vorstand ist äusserst jung aufgestellt, alle sieben Mitglieder sind zwischen 25 und 35 Jahre alt. Der ganze Verein zählt aktuell 33 Mitglieder. «Einige nehmen die Kinder mit, die dritte Generation ist also auch schon in den Startlöchern», sagt Alain Bovey und lacht.

Volles Programm

Seine Motivation ist ungebrochen gross, obwohl er beruflich stark eingespannt ist. Als Verkäufer von Seilbahnkabinen ist er auf der ganzen Welt unterwegs. Und doch sei nach sieben Jahren die Zeit langsam reif für frischen Wind im Präsidium: «Ich möchte das Amt in gute Hände übergeben.» Den Bettel urplötzlich hinschmeissen kommt für ihn nicht infrage. An der Fasnacht selbst hat er ohnehin keine Zeit für solche Überlegungen. Vielmehr wird gefeiert, ganz nach dem diesjährigen Motto: «Los lo tschädere».

Nach dem Urknall am Freitag und dem Städtli-Power geht es nahtlos weiter: Am Samstag sind die Kinder- sowie die Beizenfasnacht angesagt, und am Sonntag dreht der grosse Umzug seine Runde. Den Abschluss findet die Wanger Fasnacht mit dem «Tschämele» am Montagnachmittag: Kinder ziehen von Haustür zu Haustür, von Beiz zu Beiz und erhalten für eine Gesangseinlage ein «Batzeli». Alain Bovey ist guter Dinge, dass die Fasnacht in Wangen noch viele Jahre bestehen wird – mit dem Städtlicharme, den Vereinen und den Beizen, die sie ausmachen.

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