Hauptsache heimelig

Langenthal

Mit dem Lokau erhält die Brau AG wieder ein Restaurant. Das Gastrokonzept der zwei weit gereisten neuen Pächter zielt dabei auf Regionales.

Die neuen Pächter David Millea und Jin Millea-Glover bauen derzeit um. Die beiden Braumeister Seraphin Ritter, Florian Eichenberger sowie Verwaltungsratspräsident Kurt Schär (rechts) helfen gerne mit.

Die neuen Pächter David Millea und Jin Millea-Glover bauen derzeit um. Die beiden Braumeister Seraphin Ritter, Florian Eichenberger sowie Verwaltungsratspräsident Kurt Schär (rechts) helfen gerne mit.

(Bild: Thomas Peter)

Julian Perrenoud

Noch fehlt die Farbe an den Wänden, stehen Leitern und Kartons, gefüllt mit allerlei, herum, sind die Fenster mit Zeitungspapier zugeklebt. Doch in etwas mehr als zwei Wochen soll an der St.-Urban-Strasse 34 das neuste Restaurant Langenthals eröffnen.

Schlicht Lokau wird es heissen. Und wo das draufsteht, soll auch lokal drin sein: Die Bier- und Burgerbar wird nämlich nicht bloss das meiste Bier aus dem gleichen Gebäude von der Brau AG beziehen, sondern auch praktisch alle Lebensmittel aus der Umgebung. Fleisch aus St. Urban, Brot aus Roggwil und Käse aus Aarwangen.

Kurt Schär, Präsident des Verwaltungsrates, wirkt erleichtert, als er auf der Baustelle im Brauhaus steht. Nach der Neuausrichtung der Marke, finanziellen Engpässen, Qualitätsproblemen beim Bier sowie fehlerhaften Lagerbeständen in der Jahresrechnung sieht er endlich Licht am Ende des Tunnels.

Das neue Restaurant sei ein Stützpfeiler des Unternehmens, der einfach dazugehöre. «Es geht heute schlicht nicht ohne.» Denn ohne eine ansässige Beiz entgingen der Brauerei in den letzten Monaten nicht nur Mieterträge, sondern auch erhebliche Umsätze beim Bierausschank.

Im Oberaargau verwurzelt

Als Gastronom Reto Mathys die Brauerei nach Buchsi verliess, wollte zuerst der frühere Haslibier-Geschäftsführer Peter Kläfiger übernehmen. Doch nach Unstimmigkeiten blieb der Pachtvertrag ohne Unterschrift. Trotzdem soll nun am Samstag, 1. Dezember, die neue Gastronomie offiziell eröffnen.

Dass es derart schnell ging, ist Jin Millea-Glover zu verdanken. Die Langenthalerin mit kanadisch-schweizerischen Wurzeln und ihr Mann David Millea haben mit ihrem Konzept den Verwaltungsrat sowie die Braumeister der Brau AG überzeugt. Sie wollen sich ganz dem Braten von hochwertigen Burgern widmen – mit kanadischen und irischen Einflüssen. Der 39-jährige Schreiner stammt nämlich von der Grünen Insel und lernte Jin Millea-Glover in Kanada kennen. Deren Mutter, die älteste Tochter der Gerber Reisen-Familie, wanderte vor 34 Jahren mit ihrer Familie nach Nordamerika aus.

«Sachlich und menschlich hat es sofort gepasst», sagt Schär und erklärt, dass er auf der Suche nach einem Gastrokonzept war, das in der Stadt überlebensfähig sei. Für Jin Millea-Glover, die bereits wieder seit zehn Jahren in der Schweiz lebt, ist es der erste Schritt in die Selbstständigkeit. «Wir haben extrem Freude an der Region und wollen mit unserem Projekt das Lokale würdigen», sagt sie.

Bisher arbeitete die 34-Jährige an der Universität in Bern als Programmadministratorin. Sie war auch schon in der Bar Provisorium in Langenthal tätig. Für ihren Mann geht mit dem Lokau ein Traum in Erfüllung: «Seit ich 20 Jahre alt bin, habe ich immer nur für andere Wirte gebaut. Ich wollte aber unbedingt einmal mein eigenes Restaurant.» Ansprechen wollen die beiden Pächter gerade auch englischsprachige Gäste.

Klare Trennung

Auf zwei Bildschirmen werden die Gastronomen künftig vor allem Fussballspiele übertragen. Nebst dem Barbetrieb soll im Haus auch eine kleine Verkaufsfläche mit Brauereiprodukten entstehen. Zudem sind die Toiletten neu Teil des Restaurants und nicht mehr weiter hinten in der Brauerei versteckt. So bleiben Brauerei und Restaurant optisch klar getrennt.

Das neue Gastrokonzept werde sich stark vom alten unterscheiden, sagt Verwaltungsratspräsident Schär. Er möchte vor allem ein gemütliches Lokal etablieren: «Es muss hier drin einfach heimeliger werden.» Das Konzept sieht auch vor, an Samstagen Braukurse im Restaurant anzubieten.

Am Dienstag, 20. November, steht die ausserordentliche Generalversammlung der Brau AG an. Dort wird Schär gegenüber den Aktionären über die Wiedereröffnung des Restaurants informieren. Genehmigt die Versammlung dann auch die verspätete und bereinigte Rechnung 2017, sind die Sorgen des Verwaltungsrates vorerst einmal vorbei.

Langenthaler Tagblatt

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