«Gourmet ist eben nicht gleich Gourmet»

Langenthal

Gegenüber anderen hochklassigen Restaurants der Region wirbt das Langenthaler Hotel Auberge ziemlich offensiv mit dem Begriff Gourmet. Ein Gespräch mit der Gastgeberin.

Viele schreiben sich heute Gourmet auf die Fahne. Auch im Hotel Auberge werden «Gaumenfreuden» in einem Gourmet-Stübli angeboten. Doch ist der Name auch wirklich Programm?
Claudia Vogl-Baki: In der Gastronomie wird der Begriff Gourmet gerne als Aushängeschild benutzt. Doch Gourmet ist eben nicht gleich Gourmet! Man muss sich sehr genau überlegen, was man macht. Und das tun wir. Ausschlaggebend sind vor allem zwei Dinge.

Welche sind das?
Einerseits müssen die Waren stimmen. In einem Gourmet­betrieb werden nicht die gleichen Produkte verwendet wie in einem herkömmlichen Restaurant. Wir verarbeiten beispielsweise ausschliesslich regionale Produkte. Als kleines Haus entspricht es unserer Philosophie, bei kleinen Anbietern einzukaufen.

Fleisch vom Dorfmetzger, Rüebli vom Feld nebenan: Sind solche Produkte nicht etwas zu gewöhnlich für die schicke Gourmetküche?
Überhaupt nicht. Die Herausforderung ist nämlich nicht, aus einem importierten Luxusprodukt etwas Wahnsinniges rauszuholen. Die wahre Kunst ist es, aus etwas ganz Einfachem ein tolles Gericht zu zaubern. So sind bei uns weder die Produkte noch die Zubereitungsarten abgehoben. Unsere Küche konzentriert sich auf grundlegende Sachen, um diese dann modern zu interpretieren.

Sie wollten noch einen zweiten Aspekt erwähnen, der ausschlaggebend ist für die Gourmetküche.
Richtig. Absolut entscheidend ist auch der Küchenchef. Er muss das nötige Wissen haben und einen entsprechenden Werdegang aufweisen.

Hat das Hotel Auberge diesen Mann denn noch? Florian Stähli, Ihr vom «Gault Millau» gelobter Küchenchef, hat das Haus auf Ende 2016 verlassen.
Wir konnten Dirk Schied als neuen Küchenchef gewinnen. Der 37-Jährige verfügt über eine beeindruckende Laufbahn. Wie Florian Stähli hat auch Dirk Schied in renommierten Häusern gekocht. Etwa im Tschuggen in Arosa oder bei Lamparts in Hägendorf.

Sie haben fünfzehn «Gault Millau»-Punkte. Ist diese oder eine andere hochklassige Auszeichnung unabdingbar dafür, den Begriff Gourmet für sich beanspruchen zu dürfen?
Zwingend ist es nicht, aber schön natürlich allemal. Denn einige Gäste richten ihren Besuch danach aus und gehen bewusst ­dorthin essen, wo die Küche eine Auszeichnung hat. Insofern ist die Erwähnung im «Gault Millau»-Führer für uns wichtig, weil die Lektüre den Gästen auf nationaler Ebene eine Orientierung bietet. Ebenso wichtig sind für uns aber auch die Kritiken, die online abgegeben werden, etwa auf Tripadvisor.

Im Gourmet-Stübli essen wohl hauptsächlich auswärtige Gäste. Aus Langenthal und Umgebung finden kaum welche zu Ihnen.
Das kann ich so nicht bestätigen. Wir verfügen in Langenthal und in der Region über eine tolle Stammkundschaft.

Aber letztlich gibt es in unserer ländlichen Region eben doch zu wenige Leute, die regelmässig ein Gourmetmenü geniessen wollen und sich das auch leisten können.
Ich würde in dieser Hinsicht nicht zu sehr auf den Begriff Gourmet fokussieren. Sicher ist, dass es auch in unserer Region viele Menschen gibt, die sorgfältig zubereitetes Essen schätzen. Ein Bedürfnis nach schmackhaften Produkten, die herzlich serviert werden – das haben wir doch eigentlich alle.

Ärgert es Sie eigentlich, dass jetzt in Langenthal fortan ein zweiter Anbieter mit dem Begriff Gourmet operiert?
Nein, gar nicht. Ich freue mich sogar für das Hotel Bären. Solche Unternehmen, die Wert legen auf eine sehr gute Küche, braucht es in der Gastronomie.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt