Gemeinde nimmt Vorreiterrolle ein

Herzogenbuchsee

Der Verein E-Buxi will aktiv gegen die Erschliessungslücken in Herzogenbuchsee vorgehen: Ab April 2019 sollen neu ein Mini-Bus und eine Rikscha verkehren.

Bald sollen in Herzogenbuchsee ein siebenplätziger E-Van und eine dreiplätzige E-Rikscha verkehren.<p class='credit'>(Bild: Olaf Nörrenberg)</p>

Bald sollen in Herzogenbuchsee ein siebenplätziger E-Van und eine dreiplätzige E-Rikscha verkehren.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Seine Geschichte ist eigentlich kurz: jene des neuen Vereins E-Buxi. Am 8. November in Herzogenbuchsee gegründet, hatte er noch nicht viel Zeit, sich einen Namen zu machen. Trotzdem will er jetzt so rasch wie möglich Fahrt aufnehmen. Denn die Problematik, die den sechsköpfigen Vorstand beschäftigt, besteht schon seit vielen Jahren: Buchsi wird zwar über die Regionalbuslinien mit den Nachbargemeinden verbunden. Ein öffentliches Verkehrsangebot, das den Ort selbst erschliessen würde, fehlt hingegen. Schon vor Jahren machten sich deshalb die Initianten, aber auch die Behörden auf die Suche nach möglichen Lösungen. Ein klassischer Ortsbus, wie ihn Langenthal und Burgdorf kennen, scheiterte aber an der Finanzierbarkeit. «Kosten von jährlich bis zu 400000 Franken sind für uns schlichtweg nicht machbar», stellte Gemeindepräsident Markus Loosli (FDP) diese Woche an einer Medienkonferenz klar. Hierfür sei Buchsi zu klein. Gleichzeitig sei die Gemeinde aber auch zu gross, um gar kein lokales Verkehrsangebot vorweisen zu können. Zumal es im Dorf schon seit längerer Zeit keinen lokalen Taxibetreiber mehr gebe. Es seien daher unkonventionelle Alternativen gefragt.

Eine solche liefern nun genau die Vereinsmitglieder von E-Buxi ab: Ihr Projekt sieht vor, dass ab dem 27. April ein siebenplätziger E-Van und eine dreiplätzige E-Rikscha im Dorf verkehren sollen — beide voll elektrisch oder im Falle der Rikscha auch mit ein wenig Muskelkraft. Es handelt sich um eine On-Demand-Lösung, die per Nachfrage funktioniert. Soll heissen: Die Buchserinnen und Buchser werden die beiden Fahrzeuge über ein elektronisches Reservations- und Navigationstool bestellen können, das zuerst noch fertig entwickelt werden muss.

Genügend Freiwillige?

Der Betrieb des neuen Angebots beruht auf Ehrenamtlichkeit. Die grösste Herausforderung sei es daher nun, genügend freiwillige Chauffeure zu finden, sagte Hauptinitiant Hans Kaspar Schiesser von E-Buxi an der Medienkonferenz. Dabei könnte es sich — wenn auch nicht ausschliesslich — um Pensionierte handeln. Immerhin werde das Engagement mit zehn Franken pro Stunde entlöhnt, so Schiesser. Er hofft, dass sich bis im Frühling 50 bis 60 Fahrerinnen und Fahrer mit einem Führerausweis Kategorie B finden lassen. Denn das Ziel ist ambitiös: Das E-Buxi soll pro Tag rund 19 Stunden abdecken. Um dies zu erreichen, erklärte Vereinspräsident Klaus Indermühle, müssten die Chauffeure jeweils Ablösungen von 4 bis 5 Stunden übernehmen.

Ob sich genügend Freiwillige melden, diese Frage sei daher noch offen. Sie ist aber entscheidend: Denn nur wenn der Preis einer Fahrt massiv unter jenem einer Taxifahrt bleibe, werde sich das Buchser E-Taxi längerfristig etablieren können. Hans Kaspar Schiesser geht davon aus, dass der Preis pro Fahrt dann bei etwa 2.50 bis 3 Franken liegt. Typische Touren könnten etwa Transporte von Sportlerinnen und Sportlern vom Bahnhof ins Hallenbad und in die Dreifachturnhalle sein, Fahrten von Besuchern in den Dahlia-Panoramapark und Arztbesuche gehbehinderter Senioren. Kurz gesagt: für alles, wofür früher ein Taxi bestellt wurde. Ob die Nachfrage genügend gross sei, müsse sich zuerst noch zeigen, so Indermühle. Sein Verein übernimmt die Trägerschaft.

90000 Franken bewilligt

Die Gemeinde wolle zwar selbst nicht als Betreiberin eines ÖV-Angebots auftreten, begrüsse das E-Buxi-Projekt aber und wolle dieses auch unterstützen, sagte Markus Loosli. «Für uns gibt es keine andere Option, so günstig zu einer guten Lösung zu kommen.» Der Gemeinderat hat deshalb kürzlich einen Kredit von 90000 Franken als Anschubfinanzierung für die ersten zwei Jahre des Versuchsbetriebs bewilligt.

Und auch die EWK Herzogenbuchsee AG beteiligt sich: Sie unterstützt die Anschaffung der E-Rikscha, wie sie bereits in Berns Innenstadt im Tourimusverkehr eingesetzt wird, und des E-Buses mit 70000 Franken aus dem firmeneigenen Fonds für Innovationsprojekte. Zudem gebe es Verhandlungen unter anderem mit dem Amt für öffentlichen Verkehr, so Hans Kaspar Schiesser.

Ein Ziel von E-Buxi ist es, dass ihre Fahrzeuge auch in der Nachbargemeinde Niederönz verkehren werden. «Wir haben eine erste Anfrage in Richtung Niederönz gestellt», sagte Schiesser. Er sei zuversichtlich, dass es zu einer Zusammenarbeit kommen werde. In einer ersten Phase werde das Projekt im geschlossenen Siedlungsgebiet betrieben. Später könnten dann aber auch noch andere Gemeinden hinzukommen. «Es gab bereits Anfragen», bestätigte Gemeindepräsident Loosli.

Pionierprojekt

Beim neuen Ortsbus handelt es sich um ein Pilotprojekt, das vom als Verein organisierten Innolab Smart Mobility durchgeführt wird. Es wird auch von der Koordinationsstelle für nachhaltige Mobilität des Bundes gefördert. Der Raum Buchsi ist das erste von drei Gebieten, in welchen der Pilot gestartet wird. Weitere Versuchen werden in Ostermundigen/Stettlen und voraussichtlich in der Region zwischen dem Emmental und dem Oberaargau im nächsten Jahr anlaufen. Damit nimmt Buchsi eine Pionierrolle ein.

Langenthaler Tagblatt

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