Herzogenbuchsee

2000 Tonnen Tierfutter pro Tag

HerzogenbuchseeDie Dimensionen sind gewaltig: 375'000 Tonnen Tierfutter werden bei der UFA AG jährlich ausgeliefert. Ein Besuch im 14- stöckigen, beinahe vollständig automatisierten Werk Biblis.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie sind nicht zu übersehen: die grossen Türme, die im Industriequartier von Herzogenbuchsee in die Höhe ragen. Doch was genau verbirgt sich hinter diesen grossen Gebäuden an der Byfangstrasse, die so stark das Dorfbild prägen?

Ein Besuch bei der UFA AG, der schweizweit grössten Tierfutterherstellerin, soll für Aufklärung sorgen. Der Rundgang durch den Hauptsitz in Buchsi beginnt bei der Anlieferung auf dem Areal der Traveco Transporte AG, die genau wie die UFA und die Melior AG zur Fenaco-Landi-Gruppe gehört (siehe Infobox). Über siebzig Lastwagen fahren hier Tag und Nacht ein und aus, um allein die Logistik für die Mischfutterproduzentin sicherzustellen.

Eben sind zwei grosse LKW mit Gerste und Biomais eingetroffen. Ihre Ware jetzt einfach abladen, das dürfen die Chauffeure aber nicht. Bis zu 20 Minuten müssen sie sich nun gedulden. Von jeder Ladung müssen nämlich zuerst mit einem kleinen Sauger Stichproben eingezogen werden.

«Diese werden jetzt im Labor nebenan ausgewertet», sagt Samuel Geissbühler, Mitglied der Geschäftsleitung. Bei einem Schädlings­befall zum Beispiel ist an dieser Stelle bereits Schluss. Erst wenn die gewünschte Qualität bestätigt wurde, geht es auf die Waage, bevor die Ware im Silo eingelagert werden kann. 1500 Tonnen Rohstoffe werden täglich in Buchsi mit Lastwagen oder Zügen angeliefert. Als wichtigster Bestandteil für die Herstellung von Tierfutter gilt Getreide.

Leicht verdaulich

Über eine Passerelle führt der Weg hinüber ins eigentliche Herz der UFA: ins Werk Biblis. Dieses sei auch 15 Jahre nach seiner ­Fertigstellung immer noch das modernste Werk Europas, sagt Marketingchef Geissbühler. Hier durchlaufen die Waren, also etwa Weizen, Mais, Sojaschrot oder Gerste, mehrere Produktionsphasen. «Der Weg ist lang», sagt Geissbühler. Über 14 Stockwerke geht es zweimal komplett rauf und wieder runter. Über unzäh­lige Rohre werden die Rohstoffe von einem Ort zum nächsten transportiert.

Das Gebäude wurde in verschiedene Fabrikationslinien eingeteilt: Vom Lager geht es zuerst in die Mahllinie, in der die Waren zuerst in einen grossen Walzenstuhl geführt werden. Nur der Grobanteil durchläuft danach noch die Schlagmühle, die das Mahlgut erneut zerkleinert.

Vor jedem Schritt wird die mehlförmige Ware ausgesiebt. Diese Stufenvermahlung helfe nicht zuletzt auch dabei, Energie einzusparen, sagt Geissbühler. «Bis zu 30 Prozent.» Vor allem aber profitiert das Tier: Erst eine optimale Vermahlung führe zu einer gesunden Verdauung.

Das Wohl der Tiere hatte die UFA auch im Blick, als sie vor 25 Jahren die sogenannte Ex­pander-Technologie entwickelte. Bei dieser wird das Futter, nachdem es die Mahllinie durchlaufen hat, in den Expander, eine Art Drehwolf, geführt. Dort wird es während rund fünf Sekunden unter einem Druck von bis zu 40 Bar auf bis zu 130 Grad Celsius erhitzt. Das Futter wird verdichtet und geknetet. «Keime, die das Tier krank machen könnten, werden so abgetötet», sagt Geissbühler.

Nach der Mühle wird das Futter durchmischt, bevor es in die Verarbeitungslinie gelangt. Je nach Bedarf wird es dort expandiert, flockiert – also zu Flocken verarbeitet – oder pelletiert. Stolz präsentiert Produktionsleiter Heinz Beutler die 2012 neu ins­tallierte Würfelpresse. Diese fertige 40 Tonnen Pellets in der Stunde an, sagt er. Die älteren Maschinen schaffen nur gerade 15.

Stark wachsender Biomarkt

So ein grosses Werk, denkt man sich, das benötigt doch bestimmt viele Arbeiter, die es Tag und Nacht am Laufen halten. Samuel Geissbühler schüttelt jedoch nur den Kopf. Das Stichwort laute Rationalisierung. In der Praxis sieht das so aus, dass die Produktion beinahe komplett automatisiert abläuft.

Gesteuert werden die hochtechnischen Maschinen über den Kommandoraum. So gibt es zwar am Standort in Buchsi viele Mitarbeitende – 148 an der Zahl. Nur ein Bruchteil davon, nämlich drei Personen pro Schicht, ist aber für den reibungslosen Ablauf in der Produktion zuständig.

Dazu, diesen noch zu verbessern, wurde das Werk in den letzten 10 Jahren teilerneuert und ausgebaut. Zuletzt 2012, als eine fünfte Fabrikationslinie mit neuen Mühlen, Pressen und einem Walzwerk hinzukam. 2015 wurde zudem in das Biomischfutterwerk in der Buchser Hofmatt investiert. Der Anteil Biofutter beträgt zwar heute nur 5 Prozent. «Es ist aber jener Markt, der am stärksten wächst», sagt Paul Steiner, der Anfang Jahr die Geschäftsleitung der UFA AG übernommen hat.

Spektakulärer Anblick

Einmal verarbeitet, ist die Ware aber noch nicht am Ende des ­Weges angekommen. Der letzte Schritt führt in die sogenannte Blendlinie, wo das Futter erst zum fertigen Produkt gemischt wird – angereichert mit Zusatzstoffen, zum Beispiel auch Geschmacksverstärkern. «Dieser Arbeitsschritt ist speziell», sagt Geissbühler. Denn eine normale Mühle verfüge eigentlich über keine solche Linie. Sie ermögliche es überhaupt erst, eine solch grosse Mühle automatisiert zu betreiben.

Am Schluss der Produktionskette wird der grösste Teil des Futters, rund 70 Prozent, in lose Zellen und von dort in die Last­wagen gefüllt. Der Rest landet, abgepackt in Säcken, in einem riesigen Hochregallager. Mit über 5500 Paletten liefert dieses einen spektakulären Anblick. Auch hier läuft alles maschinell ab.

Und so endet der Rundgang dort, wo er begonnen hat: bei den Lastwagen. Bis zu 2000 Tonnen Futter verlassen täglich den Betrieb, rund 375'000 Tonnen im Jahr. Das ist mehr als ein Viertel der gesamten Mischfutterproduktion in der Schweiz. Die LKW werden nachts beladen.

Der ­weitaus grösste Teil gelangt über die schweizweit 150 Mischfutter-Landi-Filialen in den Verkauf und so zu den Abnehmern aus der Landwirtschaft. Die UFA führt ein breites Sortiment für Rindvieh, Schweine, Geflügel, Schafe, Pferde und weitere Tierarten. Paul Steiner sagt: «Der ganze Bauernhof ist abgedeckt.» (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 14.09.2018, 09:29 Uhr

Das Unternehmen

Die UFA AG entstand 1998 durch die Fusion der Orador AG und der Ufag Sursee. Als von landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbänden gegründete Dachmarke für Agrargüter existiert die UFA aber bereits seit 1958. Sie ist Teil der Fenaco-Gruppe, zu der auch der in Buchsi beheimatete Futtermittelher­steller Melior gehört. Die Pro­dukte der UFA werden über die Landi vertrieben.

Sie betreibt insgesamt vier Werke in Her­zogenbuchsee, Sursee, St. Margrethen und Puidoux. An ihrem Hauptsitz in Herzogenbuchsee hat sie 2002 das 80 Millionen Franken teure Werk Biblis in Betrieb genommen. Zwei Jahre später folgte die Inbetriebnahme der Biofutterproduktion in der Hofmatt. Kennzahlen kommuniziert das Unternehmen keine. «Wir sind gut ausgelastet und konnten in den letzten Jahren sogar noch zulegen», sagt Paul Steiner, der seit dem 1. Januar 2018 Geschäftsleiter ist, nur. (swl)

Artikel zum Thema

Futter frisst weniger Energie

Herzogenbuchsee Der führende Tierfutterhersteller UFA baut erneut aus. Um das Mischfutterwerk Biblis in Herzogenbuchsee zu modernisieren, fliesst viel Geld. Mehr...

Mühle Römer: Eine Familientradition geht zu Ende

Rüdtligen-Alchenflüh Während über 50 Jahren war die Mühle Römer in Familienhand, drei Generationen stellten hier Mehl und Tierfutter her. Nun ist Schluss: Wegen eines Konflikts innerhalb der Familie stellt die Mühle den Betrieb ein. Mehr...

Kommentare

Blogs

Schlagerette Aller Anfang ist schwer

Michèle & Friends Drogen konsumieren für Fortgeschrittene

Die Welt in Bildern

Explosive Abrüstung: An der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea werden die Bewachungsposten abgebaut. (15. November 2018)
(Bild: Jung Yeon-je/Getty Images) Mehr...