Frieden zu machen, ging ins Geld

Huttwil 2020 soll ein Freilichtspiel den Bauernkrieg von 1653 in Erinnerung rufen. Am Mittwoch informiert das OK über das Projekt. Huttwil war ein Hauptschauplatz – kostspielig gestaltete sich danach die Versöhnung.

Huttwil stand mit im Zentrum des Bauernkrieg 1653. Hier das Bild des berühmten Bundesschwur zu Huttwil, wo Bauernführer Niklaus Leuenberger seine Getreuen einschwor.

Huttwil stand mit im Zentrum des Bauernkrieg 1653. Hier das Bild des berühmten Bundesschwur zu Huttwil, wo Bauernführer Niklaus Leuenberger seine Getreuen einschwor. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kriege hinterlassen Zerstörung. Doch nicht nur die Ruinen müssen wieder aufgebaut werden, auch die Menschen müssen sich wieder finden, die seelischen Gräben überwinden, um fortan friedlich miteinander leben zu können. Dass das ins Geld gehen kann, dazu ist aus Huttwil ein eindrückliches Beispiel überliefert.

Das Städtchen spielte im Schweizer Bauernkrieg von 1653 eine wichtige Rolle. Dort beschworen die aufständischen Bauern ihren Bund gegen die Obrigkeiten aus den Städten. Es ist denn auch eine Darstellung dieses Schwurs mit Bauernführer Niklaus Leuenberger im Zen­trum, die zu Huttwil im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg in Erinnerung geblieben ist. Sie stammt allerdings nicht aus der Zeit des Krieges. Gestaltet hat sie der Oltner Künstler Martin Disteli 1840.

Zeitgenössisch sind zwei wertvolle Kunstwerke aus Huttwil selbst, die im Historischen Museum in Bern und im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich aufbewahrt werden. In Bern befindet sich ein vergoldeter Silberbecher. Die zwölf von Huttwil (der damalige Gemeinderat) schenkten ihn ihrem Schult­heissen (dem Gemeindepräsidenten) im Namen der ganzen Gemeinde, wie in der Umschrift auf der Innenseite des Deckels steht.

Eine Doppelrolle

Der Schultheiss von Huttwil hatte im Alten Bern eine Doppel­rolle. Er war Gemeindepräsident, eingesetzt wurde er jedoch von der Obrigkeit, der Stadt Bern. Er geriet deshalb im Gebiet der Aufständischen in Verruf, Bern laufend über die Vorgänge in und rund um Huttwil informiert zu haben. Ihm wird aber auch zu­geschrieben, dass nach dem Krieg kein Huttwiler zum Tod verurteilt wurde, obschon es eines der Zentren des Aufstandes war.

Der Becher der zwölf ist in diesem Zusammenhang zu sehen: als Zeichen einerseits des Dankes, andererseits auch des guten Willens, nach dem Krieg wieder zum Frieden zurückzukehren. Dabei liessen sich die Huttwiler nicht lumpen. Sie gaben das Geschenk bei einem der bekanntesten Silberschmiede der Zeit in Auftrag, Martin Huber in Basel. Dieser ging bei seiner Arbeit an die Grenzen des damals technisch Machbaren, wie das Historische Museum festhält.

Die Stadt Bern hatte dem Huttwiler Schultheissen ihrerseits das Bürgerrecht verliehen. Mit dem Geschenk aus Huttwil konnte Friedrich Blau dort nun standesgemäss am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Datiert ist der Becher nicht. Das zweite Kunstwerk aus Huttwil im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich liefert dazu eine Präzisierung. Es ist eine 1661 datierte Wappenscheibe. Darauf reicht Elisabeth Blau, geborene Berger, ihrem Gemahl Friedrich Blau einen Becher zum Trunk, bei dem es sich offensichtlich um das Geschenk der zwölf von Huttwil handelt. Herstellung und Schenkung müssen deshalb nach dem Krieg, aber vor 1661 geschehen sein.

Verbreitete Tradition

Die Schenkung von Wappenscheiben war in der Alten Eid­genossenschaft ab Ende des 15. Jahrhundert eine verbreitete Tradition. Sie waren ein Beitrag an einen Neu- oder Umbau, gaben den Schenkern aber auch Gelegenheit, sich bei den Empfängern in Szene zu setzen. Davon machte Schultheiss Blau aus­giebig Gebrauch. Das Nationalmuseum attestiert der Scheibe aus Huttwil im Vergleich mit anderen eine «seltene Qualität».

Unüblich ist auch, wie sich Friedrich Blau, «Burger der Statt Bärn und diser Zytt Schulthes zu Huttwyl», auf der Scheibe in Szene setzt. Üblicherweise stehen die Eheleute auf diesen Scheiben gleichwertig ne­beneinander. Blau jedoch empfängt den Willkommenstrunk hoch zu Pferd. Hinzu kommt, dass Schultheiss Blaus Pferd nicht das einzige auf dem Bild ist. Über der Heimkehrszene ziehen sechs weitere Pferde einen mit sechs Fässern beladenen Wagen – auch dies ein Hinweis auf den Reichtum des Huttwiler Schul­theissen.

Den Empfänger der Scheibe kennen wir nicht. Doch wer immer es war, er hatte nun zwar eine Scheibe von seltener Qualität; doch diese erinnerte ihn immer daran, wer in Huttwil das Geld und das Sagen hatte – und gleichzeitig daran, dass er und die Gemeinde dazu mit ihrem kostbaren Becher einen weiteren Beitrag daran geleistet hatten.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 13.03.2018, 06:32 Uhr

Infoabend

Morgen Mittwoch führt das OK des geplanten Freilichttheaters «Bure­chrieg 1653» einen Informationsabend durch. Zusammen mit Autor Gerhard Meister und Regisseur Schang Meier stellt es das Projekt vor und informiert, wie man sich als Schauspieler oder Helfern dabei engagieren kann. (jr)
Mittwoch, 14. März, 20.15 Uhr, Stadthaussaal Huttwil

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Freizeit und Reisen

Viele Ausflugsziele für den «goldenen Herbst» finden Sie in der aktuellen SBB Zeitungsbeilage «Freizeit und Reisen».

Kommentare

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...